Es ist wieder so weit: Die Schlagzeilen schreien, die Empörung kocht, und plötzlich steht ein Motorradhersteller am Pranger – weil er angeblich "illegale Motorräder" in den Verkehr bringt. Die Rede ist von KTM, den Sportenduros und einem vermeintlichen "Abgasskandal auf zwei Rädern". Doch wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell: Hier werden Fakten verkürzt und zu einem konstruierten Skandal aufgeblasen. Und am Ende trifft es nicht nur KTM, sondern alle Motorradfahrer. Und wie der "Zufall" es will, verteufeln Halbwissende das Motorrad zum Start der Saison.
Die Fakten: Was wirklich passiert ist
Ja, es stimmt: Bestimmte Sportenduros werden gedrosselt ausgeliefert, um die Straßenzulassung zu erhalten. Im entdrosselten Zustand – mit bis zu 50 PS statt 15 PS – entsprechen sie nicht mehr den Homologationsvorgaben. Doch hier beginnt bereits die erste Verzerrung: Diese Motorräder sind keine Alltagsfahrzeuge. Sie sind spezialisierte Wettbewerbsgeräte, gebaut für Schlamm, Felsen und extreme Steigungen – nicht für die Autobahn, zum Pendeln, für die Sonntagstour oder den Weg zum Bäcker.
Wer eine starke Enduro für den Alltag sucht, findet bei KTM bessere, legale Angebote als eine (illegale) Sportenduro.
Die "Recherchen" mancher Medien lassen es so erscheinen, als würden tausende illegale Maschinen im Alltag und zum Spaß durch die Gegend fahren. Doch die Realität sieht anders aus:
- Die Käufer wissen genau, was sie kaufen. Sie nutzen diese Maschinen für Trainings und Wettkämpfe – und transportieren sie dorthin per Anhänger oder Bus.
- Die Zulassung dient vor allem der Logistik. In Europa müssen Enduros für bestimmte Wettbewerbe straßenzugelassen sein, um vom Trainingsgelände zur Wettkampfstrecke zu gelangen.
- Händler weisen Kunden explizit darauf hin, dass ein Umbau die Straßenzulassung erlöschen lässt. Wer eine entdrosselte EXC auf der Straße fährt, handelt bewusst gegen die Vorgaben. Wobei, vom Haken sind die Händler dadurch nicht: Wer das Entdrosseln als Verkaufsargument nutzt, handelt ebenso falsch, wie der Käufer, der das Bike nur deswegen kauft.
Die Polemik: Von "Diesellokomotiven" und Enduros
Fast dreist wird es, wenn der Spiegel und das ZDF mit reißerischen Vergleichen arbeiten: Eine entdrosselte KTM-Enduro soll so viel Kohlenmonoxid ausstoßen "wie eine alte Diesellokomotive". Ein absurder Vergleich, denn Zweitakter und Dieselmotoren haben gänzlich unterschiedliche Schadstoffprofile. CO ist bei Zweitaktern ein bekanntes Problem – aber das hat nichts mit einer "Diesellok" zu tun.
Die Zahlen: 27.000 illegale Enduros? Ein Rechenfehler
Der Spiegel behauptet, in Deutschland seien 27.000 KTM-, Husqvarna- und GasGas-Enduros zugelassen – und suggeriert damit, dass diese alle illegal unterwegs seien. Nur heißt zugelassen nicht: Wird auf der Straße gefahren. Und die Realität sieht wohl auch quantitativ anders aus:
Neuzulassungen 2025 und 2026: Gerade einmal 841 Sportmodelle aller drei Marken wurden 2025 und bis April 2026 in Deutschland neu zugelassen. Woher da 27.000 Stück kommen sollen, legt die Recherche nicht dar. Wie viele davon sind entdrosselt auf der Straße unterwegs? Die Recherche liefert keine Antwort, weil sie es nicht kann – und wahrscheinlich gar nicht will.
Sportenduros: extrem teuer und im Alltag untauglich
Ebenso schließen Sportenduros sich selbst als Alltagsfahrzeuge aus. Ihre Motoren sind sensibel und benötigen ein Vielfaches der Pflege und Wartung eines Straßenmodells. Nichts für den täglichen Einsatz im Straßenverkehr, den die Recherche als Anwendungsgebiet suggeriert.
Hinzu kommt das grundlegende Konzept: Auf diesen Bikes steht man besser als man sitzt, die Fahrwerke sind viel zu hart für den Alltag, und die Stollenreifen sind für die Straße nicht geeignet.
KTM muss büßen
Trotz aller Fehler, die KTM in den vergangenen Jahren machte: Diesen Abgas-Schuh möchten die Macher der Recherche KTM nur anziehen, weil der Hersteller in diesem Segment sehr groß und erfolgreich ist. KTM führt den Markt in diesem Segment mit weitem Abstand an. Gut 77.000 Sportenduros verkaufte KTM nach eigenen Angaben 2025 weltweit. Andere Hersteller verfahren mit ihren Sportgeräten wie KTM, nur eben in kleinerem Umfang und im Händlernetz nicht so breit aufgestellt wie KTM.
Und dass im TV natürlich nur jene Händler gezeigt werden, die das Thema zu offensiv als Verkaufsargument auslegten, ist der Skandallust geschuldet. Zu erklären, man lasse die Lambdasonde montiert, um keine Aufmerksamkeit bei der Polizei zu erregen, ist verwerflich. Gegen alle Hinweise mit einem illegalen Motorrad auf der Straße zu fahren ebenfalls. Beides muss geahndet werden. Die Schuld liegt hier aber nicht bei KTM als Hersteller.
KTM ist glaubhaft
Natürlich ist es für die Schlagzeilen einfacher, KTM den "schwarzen Peter" zuzuschieben, doch KTM versichert glaubhaft, alle Bikes in legaler Version an die Händler auszuliefern, und die Händler selbst bestätigen das in den verdeckten Mitschnitten der Verkaufsgespräche.
Natürlich öffnet KTM den Händlern die Tür sehr einfach, indem alle Bauteile zum Entdrosseln beiliegen, doch es geht hier ausdrücklich um den Einsatz auf abgesperrtem Gelände und nicht im Straßenverkehr.
Wer profitiert von diesem "Skandal"?
Die Berichterstattung wirkt koordiniert – und das ist sie auch. Hinter der Recherche stehen Climate Whistleblowers, eine NGO, die von Klima-Stiftungen finanziert wird. Partner wie DeSmog sind keine neutralen Medien, sondern Klima-Aktivismus-Outlets. Ihr Ziel? Die Verdrängung des Verbrennungsmotors – egal, ob Auto oder Motorrad. Um jeden Preis. Und das ist der Skandal.
Das eigentliche Problem: ein System, das nicht passt
Die Wurzel des Problems liegt nicht bei KTM, sondern in einem Zulassungssystem, das für Straßenfahrzeuge gemacht ist – nicht für Wettbewerbs-Enduros. In den USA gibt es klare Regelungen für Off-Highway-Vehicles (OHV), in Europa wird versucht, alles in eine Schublade zu pressen. Das führt zu absurden Situationen:
- Eine gedrosselte EXC mit 15 PS erfüllt die Abgasnorm, ist aber als Wettbewerbsmaschine praktisch unbrauchbar.
- Eine entdrosselte EXC mit 50 PS ist ein Wettbewerbs-Motorrad – aber nicht mehr straßenzugelassen.
- Die Lösung? Eine eigene Kategorie für Wettbewerbs-Enduros, die keine Straßenzulassung benötigen, dennoch trotzdem legal in Wettbewerbssituationen auf Straßen gefahren werden können.
Am Ende bleibt ein "Sturm im Wasserglas" – mit Kollateralschaden.












