Vor 15 Jahren, am Palmsonntag 2011, starb der Allgäuer Josef Deniffel, nachdem seine Honda auf einer absichtlich gelegten Ölfalle weggerutscht und der zweifache Familienvater direkt in ein entgegenkommendes Auto geschleudert worden war. Obwohl nie ein Täter gefasst wurde, war es das schreckliche Ende einer – wie Ermittlungen im Nachhinein ergaben – mindestens schon vier Jahre andauernden Serie solcher Fallen im Allgäu. Bis jetzt. Bis zum ersten Wochenende im Juni 2026.
Juni 2026: Wieder Ölfallen im Allgäu
Am frühen Abend des Freitag, 5. Juni 2026, wurde die Polizei über Öllachen in zwei Kurven der B308 bei Scheidegg (Kreis Lindau) informiert. Glücklicherweise rechtzeitig, denn die kurvenreiche Strecke im West-Allgäu ist bei Motorradfahrern beliebt. Zumal bestes Wetter und Zeit für eine Feierabendrunde war. Die Polizei sperrte die Straße im Bereich der Rohrachschlucht ab und rief die örtliche Feuerwehr, um den Fahrbahnbelag von den fiesen Rutschfallen zu säubern (siehe Foto oben).
Ermittlungen der Polizei und Zeugenaufruf
Die Polizei in Lindach veröffentlichte anschließend einen Zeugenaufruf, ob jemand am 5. Juni 2026 gegen 18 Uhr auf oder an der B308 etwas beobachtet habe, was zur Aufklärung beitragen könnte (Telefon: 08381-9201-0). Mittlerweile hat das Polizeipräsidium Kempten die Ermittlungen übernommen, dasselbe, das 2011 mit einer eigens dafür gegründeten Ermittlungsgruppe – leider erfolglos – aktiv war.
Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr auf der B308
Anders als 2011 geht es im neuen Fall nicht um Mord, sondern bisher lediglich um "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr". Die Beamten gehen jedoch davon aus, dass die bei Scheidegg nun entdeckten neuen Öllachen wie vor 15 Jahren absichtlich gelegt wurden. Es gibt offensichtliche Parallelen zu damals, aber auch klare Abweichungen von den nie aufgeklärten Fällen von 2007 bis 2011. So wurde laut Polizei das Öl auf der B308 jetzt in Plastikbeuteln, die dabei aufplatzten, in die Kurven geworfen, nicht wie früher in zerbrechlichen Glasflaschen. Doch die Region ist ungefähr die gleiche, weniger als 100 Kilometer von den damaligen Ölfallen-Fundstellen entfernt.
Hass auf Motorradfahrer als Motiv?
Und auch die Zeit, Freitagabend, deutet darauf hin, dass Hass auf Motorradfahrer das Motiv der neuen Öl-Anschläge sein könnte. Doch die Polizei hält sich aktuell mit Infos zurück: "Natürlich untersuchen wir mögliche Parallelen," erklärte ein Polizeisprecher aus Kempten gegenüber MOTORRAD. Zu Details, etwa zur Art und Beschaffenheit der Beutel oder des Öls, wollte er aber keinerlei Angaben machen. Auch nicht dazu, ob es Zeugen gibt, oder ob gar, wie vor 15 Jahren, eine DNA-Spur isoliert werden konnte oder wenigstens danach gesucht wird. "Aufgrund der früheren Fälle sind wir aber sensibilisiert, wir ermitteln in alle Richtungen." Hoffentlich bald erfolgreich!





