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Honda VFR 800 F im PS-Fahrbericht

Die beste VFR aller Zeiten?

Das Design der neuen Honda VFR 800 F erinnert durchaus an vergangene Jahrzehnte. Hoffentlich fährt der Tourensportler nicht auch noch so! PS fand das heraus.

Da steht man vor der neuen Honda VFR 800 F und erlebt ein Déjà-vu. Wie bei den alten Modellen bis zum Jahr 2001 ist der Schalldämpfer wieder unten rechts positioniert, und die Verkleidung mit dem Scheinwerfer wirkt ähnlich bullig wie die des ersten 800er-Modells von 1998. Nichts wirkt gewagt oder gar aggressiv. „Alles dreht sich um die Historie“, sagt Projektleiter Masatsuga Tanaka auf Nachfrage. Er könnte auch sagen: Die VFR-Kundschaft ist grundsätzlich konservativ. Deshalb serviert man lieber Schweinebraten mit Soße statt Affenhirn auf Eis.

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Bloß keine Experimente! Denn über 75.000 VFR-Modelle mit 750 und 800 Kubik aus den letzten drei Jahrzehnten flitzen aktuell über europäische Straßen. Natürlich möchte man mit der neuen Honda VFR 800 F auch Neukunden ködern. Doch die Erfahrung zeigt auch, dass viele eingefleischte VFR-Fans gern zum neuen Modell greifen. Warum diese also verschrecken? Zurück in die Zukunft quasi. Warum? Weil die Liste der Neuerungen doch ellenlang ist. Sie umfasst die neue Alu-Schwinge, radial verschraubte Vierkolbensättel, Gabel, variable Sitzhöhe, zehn Kilogramm weniger Speck, das Felgendesign, Schalldämpfer, Kühlsystem sowie ABS und Traktionskontrolle – Kleinigkeiten wollen wir hier gar nicht aufführen. Eine wichtige Maßnahme allerdings darf nicht vergessen werden: Die VTEC-Ventilsteuerung im V4-Motor ist neu abgestimmt. Klingt vielversprechend. Also rein in den Sattel und Gas auf.

Sitzposition des Tourensportlers ist jetzt etwas mehr Tour als Sport

Spanien im April. Sonne satt über wüstenartiger Weite, die von grandiosen Kurven mit Gourmet-Belag durchschnitten wird. Hier darf man als Journalist die ersten 200 Kilometer abspulen. Doch was ist das? Die Sitzposition des Tourensportlers ist jetzt etwas mehr Tour als Sport, denn der Lenker baut leicht höher und ist geringfügig dichter am Fahrer. Wer’s noch touristischer mag, der kann diesen Effekt durch eine Adapterplatte (Zubehör) verstärken. Keine Frage, die Honda VFR 800 F fährt sich nicht weltbewegend anders als ihre Vorgängerinnen. Sie liegt sehr stabil, ist kein Handlingwunder, lässt sich aber präzise lenken.

Die propagierte Gewichtsersparnis von zehn Kilo lässt sich nicht ohne Weiteres im Fahrbetrieb feststellen. Der Alu-Brückenrahmen wurde unverändert vom Vorgängermodell übernommen, ein geänderter Heckrahmen aus Aluguss soll drei Kilo gegenüber der Vorgängerin einsparen. Sieben Kilo wird allein der neuen Vier-in-eins-Auspuffanlage attestiert. Zudem wanderte diese schwerpunktgünstig wieder nach unten. Was dagegen wirklich was bringt, ist die neue Bremsanlage. Sie brilliert mit guter Wirkung sowie definiertem Druckpunkt und guter Dosierbarkeit. Auch auf der Bremse lässt sich die auf Dunlop Sportmax 222 rollende Honda VFR 800 F präzise lenken und harmonisch durch die Radien schießen.

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Leistung des V4-Antriebs ist gegenüber dem Vorgängermodell gesunken

Beim Thema Schießen sind wir gleich beim Motor. Die Leistung des V4-Antriebs der Honda VFR 800 F ist gegenüber dem Vorgängermodell gesunken! Statt 109 PS bei 10.500/min gibt Honda für das 2014er-Modell 106 PS bei 10.250/min an. Das ist bitter. Jetzt zur guten Nachricht: Die von vielen kritisierten Eigenheiten des VTEC-Systems sind passé. Das patentierte Ventilsteuerungssystem, bei dem bis zirka 7000/min nur zwei Ventile pro Zylinder und darüber vier Ventile pro Zylinder arbeiten, funktioniert jetzt ruckelfrei und tadellos. Seidenweich prescht der V4 durchs Drehzahlband.

Böse gesagt: Man merkt kaum noch, dass es an Bord ist. Lediglich bei rund 7000/min verändert sich der Sound des Ventiltriebs, das Schnarren wird nervöser und der Antrieb spannt seine Muskeln ein bisschen mehr. Leider nur ein bisschen. Große Taten darf man bei 106 PS und 239 Kilo vollgetankt nicht erwarten, vor allem, wenn man diese Werte mit denen der Konkurrenz vergleicht: Eine Kawasaki Z 1000 SX beispielsweise hinterlässt mit ihren 142 PS bei 231 Kilo einen stärkeren Eindruck. Trotzdem: Die neue Honda VFR 800 F ist vielleicht sogar die beste ihrer gesamten Geschichte.

Technische Daten Honda VFR 800 F

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Erhältlich ist die Honda VFR 800 in den Farben Rot, Schwarz und Weiß.

Fazit

Honda
Mit mit dem Neu-Modell möchte man unter anderem Neukunden ködern.

Die Honda VFR 800 F ist ein guter, sehr wertig verarbeiteter Tourensportler. Wir hätten uns statt selbst rückstellenden Blinkern, serienmäßigen Heizgriffen und variabler Sitzhöhe lieber mehr Qualm und vielleicht auch eine Schippe mehr Hubraum gewünscht. Die Gewichtsreduktion ist kaum spürbar. Nur wer keinen Wert auf Höchstleistung legt und einen moderaten V4 mag, kann mit der neuen VFR glücklich werden.

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