Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest Uwe Rattay
Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest 29 Bilder

Elektronisch gesteuerte Airbag-Westen im Crashtest

Elektronisch gesteuerte Airbag-Westen im Vergleich MOTORRAD- und ADAC-Crashtest

Im Pkw längst Usus, im Rennsport längst Pflicht: Elektronisch auslösende Airbags bieten blitzschnellen Schutz – auch für Motorradfahrer? Mithilfe von ADAC-Experten fanden wir es heraus.

Nachdem mechanisch ausgelöste Airbag-Westen für Motorradfahrer schon relativ lange zu bekommen sind, die Aktivierung via Reißleine jedoch oft zu langsam erfolgt, stürmen immer mehr elektronische Systeme den Markt. Also Airbags, die genau wie die Assistenzsysteme moderner Sportmotorräder brenzlige Situationen blitzschnell erfassen und den Oberkörper des Fahrers explosionsartig mit einer Luftkammer ummanteln.

Alpinestars Tech-Air 5

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Hersteller
  • Anbieter: Alpinestars
  • Preis: 599,95 Euro
  • Farbe: Grau
  • Gewicht: 1,9 Kilogramm
  • Größen: XS bis 4XL
  • Verwendung: unter jeder Jacke, 4 cm Luft zwischen Airbag und Jacke
  • Batterielaufzeit (Herstellerangabe): 30 Stunden
  • Schutzbereich: Rücken, Brust, Schulter, Nieren, Bauch, Rippen
  • Ausstattung: Mesh-Gewebe, Luftgitter am Rücken, Rückenprotektor
  • Wiederinstandsetzung: Aufladung und Sicherheitscheck durch Tech-Air-Servicecenter, empfohlene Wartung bei Servicecenter oder Hersteller alle zwei Jahre oder nach 500 Betriebsstunden
  • Kontrolle Betriebsbereitschaft: farbige LED am vorderen Bund
  • Connectivity: App via Bluetooth, USB (zum Laden)

 sehr großer Schutzbereich bis zu Oberarmen, unabhängig von Jacke nutzbar, großes Größenspektrum, einfache Handhabung und Inbetriebnahme, gute Belüftung, Smartphone-App und Bluetooth, guter Tragekomfort, trägt im Bauch-Bereich nicht auf

 trägt am Rücken etwas auf, Ärmel rutschen beim Überziehen der Jacke leicht hoch, System geht an, sobald sich Reißverschluss (magnetisch) verbindet und Klett geschlossen ist – somit häufig aus Versehen, kein separater Ausschalter, Jacke muss in Bewegung sein, um aktiviert zu werden, keine automatische Aktivierung

Fazit: Die neueste, nun flexibel nutzbare Airbagweste von Alpinestars ist günstiger, flexibler, leichter und hat einen noch größeren Schutzbereich. Etwas weniger Sensorik rechtfertigt den geringeren Preis.

Angebote
Alpinestars Tech-Air 5 Airbag Weste, grau, Größe 4XL
Alpinestars Tech-Air 5 Airbag Weste, grau, Größe 4XL
552,46 € inkl. Versand
Alpinestars Tech-Air 5 System, Airbagweste - Dunkelgrau/Schwarz - XXL
Alpinestars Tech-Air 5 System, Airbagweste - Dunkelgrau/Schwarz - XXL
649,95 € zzgl. 5,90 € Versand

Alpinestars Tech-Air Street

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Hersteller
Alpinestars Tech-Air Street
  • Anbieter: Alpinestars
  • Preis: 849,95 Euro
  • Farbe: Schwarz
  • Gewicht: 2,2 Kilogramm
  • Größen: S bis 3XL
  • Verwendung: nur in kompatibler Jacke
  • Batterielaufzeit (Herstellerangabe): 25 Stunden
  • Schutzbereich: Rücken, Brust, Schultern, Nieren, oberer Bauch
  • Ausstattung: Gurt zur Anpassung an Taille, Mesh-Gewebe, Rückenprotektor
  • Wiederinstandsetzung: Aufladung und Sicherheitscheck durch Händler bei Hersteller, empfohlene Wartung alle zwei Jahre
  • Kontrolle Betriebsbereitschaft: farbige LED am Jackenärmel
  • Connectivity: Tech-Air-Datenportal online, USB

 kurze Interventionszeit, großer Schutzbereich der Airbagfläche, sogar bis über die Schultern hinaus, Betriebsanzeige am Ärmel gut ablesbar, hoher Tragekomfort, integrierter Rückenprotektor, informatives Analyseprogramm, gute Belüftung, einfache Inbetriebnahme

 spürbar schwer, Einbau recht umständlich mit Klettpunkten und Verbindungskabel, Bedienungsanleitung teilweise unübersichtlich, kostenpflichtige und externe Wiederinstandsetzung, Airbag nur in Kombination mit kompatiblen Jacken verwendbar, Ein-/Ausschalter am Rücken klein und versteckt

Fazit: Das Tech-Air-Street-System punktet mit einer großen Schutzfläche, funktioniert jedoch nur in einer kompatiblen Jacke. Der Trend zum freien System ist klar erkennbar, Alpinestars zeigt es mit Tech-Air 5.

Angebote
Alpinestars Tech-Air Street-e Airbag Weste, schwarz, Größe M
Alpinestars Tech-Air Street-e Airbag Weste, schwarz, Größe M
722,46 € zzgl. 3,99 € Versand

Dainese Smart Jacket

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Hersteller
  • Anbieter: Dainese
  • Preis: 599,95 Euro
  • Farbe: Schwarz
  • Gewicht: 1,8 Kilogramm
  • Größen: XS bis 2XL, Damen & Herren
  • Verwendung: über oder unter jeder Jacke mit 5 cm Platz, nur nach Registrierung
  • Batterielaufzeit (Herstellerangabe): 26 Stunden
  • Schutzbereich: Brustkorb, zentraler Rücken
  • Ausstattung: abriebfestes Material, Mesh-Gewebe, drei Taschen mit Reißverschluss, faltbar, Gurt zur Anpassung an der Taille, Reflektoren
  • Wiederinstandsetzung: Wiederinstandsetzung bei Händler oder Kundendienst, empfohlene Wartung nach drei Jahren
  • Kontrolle Betriebsbereitschaft: farbige LED an der Brust, Vibration
  • Connectivity: online, USB

 Damen-Version erhältlich, abriebfest für Verwendung über Jacke, unabhängig von Jacke nutzbar, vereinfachte Anleitung online, schnelle Interventionszeit, einfache Handhabung, relativ leicht, faltbar, Transportsicherung an Aktivierungsknopf

 Registrierung zwingend erforderlich, Schutzfläche im Vergleich kleiner, kein fester Rückenprotektor, Weste trägt besonders im Brustbereich auf, Luftdurchlässigkeit mäßig

Fazit: Die Smart Jacket von Dainese punktet vor allem mit ihrem flexiblen Einsatzbereich und einigen Extras. Enttäuscht wird, wem seine Daten lieb sind: Ohne Online-Registrierung kann die Weste nicht benutzt werden.

Angebote
Dainese Smart D-Air® Airbag Weste, schwarz-gelb, Größe XS
Dainese Smart D-Air® Airbag Weste, schwarz-gelb, Größe XS
535,46 € zzgl. 3,99 € Versand
Dainese D-Air Smart 20M, Airbagweste - Schwarz/Neon-Gelb - XS
Dainese D-Air Smart 20M, Airbagweste - Schwarz/Neon-Gelb - XS
564,00 € zzgl. 5,90 € Versand

Held eVest Clip-in

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Hersteller
  • Anbieter: Held; System: In&Motion
  • Preis: 342,13 Euro Weste + 399 Euro (Kaufoption) oder 12 Euro pro Monat/120 Euro pro Jahr (Leasing), Track-Modus gegen Aufpreis
  • Farbe: Schwarz
  • Gewicht: 1,7 Kilogramm
  • Größen: S bis 2XL
  • Verwendung: in kompatibler Jacke, nach Registrierung und kostenpflichtiger Aktivierung
  • Batterielaufzeit (Herstellerangabe): 20 Stunden
  • Schutzbereich: seitlicher Brust- und Rückenbereich
  • Ausstattung: Track-Modus gegen Aufpreis, verschiedene Kauf­optionen, Hartschalen-Rückenprotektor, Rippen- und Brustprotektor nachrüstbar, Mesh-Gewebe
  • Wiederinstandsetzung: Gaskartusche für circa 100 Euro kann vom Kunden selbst gewechselt werden, alle drei Jahre Upgrade auf neueste Steuereinheit bei Option "Revolution"
  • Kontrolle Betriebsbereitschaft: LED an Box am Rücken
  • Connectivity: WLAN, Bluetooth, USB

 kürzeste Interventionszeit, im Vergleich sehr leicht, gute Konnektivität, Gaskartusche kann selbst gewechselt werden, einfaches Einbauen in die Jacke, verschiedene Kauf- und Leihoptionen

 Zusatzkosten treiben Gesamtpreis hoch, nur in kompatibler Jacke von Held verwendbar, Betriebs- und Ladezustand sind nur an der Steuereinheit am Rücken oder in der App ablesbar

Fazit: Kundenfreundliches, schnelles System. Fluch und Segen: die kostenpflichtigen Kauf- und Leihoptionen.

Angebote
Held eVest Clip-in Weste, Größe 2XL
Held eVest Clip-in Weste, Größe 2XL
297,46 € zzgl. 3,99 € Versand
Held eVest Clip-in, Airbagweste - Schwarz - S
Held eVest Clip-in, Airbagweste - Schwarz - S
330,70 € zzgl. 5,90 € Versand

Held eVest

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Hersteller
  • Anbieter: Held; System: In&Motion
  • Preis: 342,13 Euro Weste + 399 Euro (Kaufoption) oder 12 Euro pro Monat/120 Euro pro Jahr (Leasing), Track-Modus gegen Aufpreis
  • Farbe: Schwarz
  • Gewicht: 1,7 Kilogramm
  • Größen: S bis 3XL
  • Verwendung: unter jeder Jacke, nach Registrierung und kostenpflichtiger Aktivierung
  • Batterielaufzeit (Herstellerangabe): 20 Stunden
  • Schutzbereich: seitlicher Brust- und Rückenbereich
  • Ausstattung: Track-Modus gegen Aufpreis, verschiedene Kauf­optionen, Hartschalen-Rückenprotektor, Rippen- und Brustprotektor nachrüstbar, Mesh-Gewebe, Clip-in-Vorrichtung inklusive
  • Wiederinstandsetzung: Gaskartusche für circa 100 Euro kann vom Kunden selbst gewechselt werden, alle drei Jahre Upgrade auf neueste Steuereinheit bei Option "Revolution"
  • Kontrolle Betriebsbereitschaft: LED an Box am Rücken
  • Connectivity: WLAN, Bluetooth, USB

 im Vergleich eher leicht, gute Konnektivität, Gaskartusche kann selbst gewechselt werden, verschiedene Kauf- und Leihoptionen, angenehmes, dünnes Obermaterial, unabhängig von Jacke nutzbar

 Zusatzkosten treiben Gesamtpreis hoch, Betriebs- und Ladezustand sind nur an der Steuereinheit am Rücken oder in der App ablesbar, Klett am Kragen fängt Haare, Kragen kratzt leicht

Fazit: Held hat mit der eVest genau richtig auf den Trend zur autonomen Weste reagiert. Flexibler nutzbar, gleiches Innenleben.

Angebote
Held Inflator Gaskapsel für eVest, schwarz
Held Inflator Gaskapsel für eVest, schwarz
84,96 € zzgl. 3,99 € Versand
Held eVest, Airbagweste - Schwarz - S
Held eVest, Airbagweste - Schwarz - S
330,70 € zzgl. 5,90 € Versand

Helite e-Turtle

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Hersteller
  • Anbieter: Helite
  • Preis: 671,63 Euro, optionaler Gabelsensor 115,04 Euro
  • Farbe: Schwarz, farbig gegen Aufpreis
  • Gewicht: 1,8 Kilogramm
  • Größen: XS bis XL
  • Verwendung: über jeder Jacke, bei optionalem Gabelsensor nach Kopplung mit diesem
  • Batterielaufzeit (Herstellerangabe): 25 Stunden
  • Schutzbereich: Brust, seitlicher Bauch, Rücken, Steißbein, oberes Gesäß
  • Ausstattung: Sas-Tec-Rückenprotektor, optionaler Gabelsensor (kostenpflichtig), wasserdichte Brusttasche, Reflektoren, Mesh-Einsätze
  • Wiederinstandsetzung: Gaskartusche kann vom Kunden selbst gewechselt werden, Gabelsensor muss nach 5 Jahren erneuert werden
  • Kontrolle Betriebsbereitschaft: farbige LEDs im Brustbereich
  • Connectivity: keine, Koppelung mit Gabelsensor

 großes Volumen, unabhängig von Jacke nutzbar, Weite mit drei Riemen verstellbar, einfache Handhabung, Gaskartusche kann selbst gewechselt werden, Schutzbereich weit über das Steißbein, optionaler Gabelsensor verbessert Aufprallerkennung

 trägt auf, Schnallen können Tank verkratzen, seitlicher Schutz begrenzt, für aufrechte Sitzposition etwas lang, keine App, kein Programm für Systemupdates oder Analyse, Flatterneigung, wenig luftdurchlässig, daher im Sommer sehr schwitzig

Fazit: Bereits bekannt von den Reißleinen-Modellen bleibt die Weste in ihren Grundzügen bestehen: einfache Handhabung, universell einsetzbar, selbstständige Instandsetzung. Willkommen im E-Game.

Angebote
Helite e-Turtle Airbag Weste, rot, Größe XS
Helite e-Turtle Airbag Weste, rot, Größe XS
502,52 € zzgl. 3,99 € Versand

Entwicklung im Rennsport

Die ersten Prototypen dieser zusätzlichen Schutzschicht wurden im Rennsport entwickelt . Dainese legte vor: 2007 staunten Fans und Presse nicht schlecht, als gleich drei Vertragsfahrer des italienischen Bekleidungsherstellers beim Grand-Prix-Finale in Valencia mit einer Art Halskrause an den Start gingen. Der D-air Racing war geboren und zeigte sich sogleich in voller Pracht: Alle drei Fahrer stürzten, der weiße Luftsack löste aus und umschloss Kopf und Schulterbereich – wenn auch noch etwas komisch dimensioniert. Die Welt hat’s gesehen, elektronische Airbags für Motorradfahrer mussten her. 2011 kam das Rennsystem D-air Racing auf den Markt, 2014 zog Alpinestars mit dem Tech-Air nach, 2015 führte Dainese die erste autonome Airbagjacke für den Straßengebrauch ein – dann folgte ein Patentstreit der Italiener. Und nun? Fünf Jahre später sind es vier Konkurrenten: Die französische Firma In&Motion wurde 2014 gegründet und stattet nun verschiedene Hersteller aus, darunter die in dieser Geschichte behandelten Modelle von Held. 2019 stellte auch Helite auf der EICMA ein elektronisches System vor, nachdem der (ebenfalls französische) Hersteller bislang nur Systeme mit Reißleinen im Programm hatte.

Motorrad-Airbags im ADAC-Crashtest

Ist das nun der Durchbruch? Sind die Airbags von heute die Anschnallgurte von morgen? Ganz so einfach ist dies natürlich nicht zu beantworten. Zunächst ist da das grundsätzliche Problem, dass nahezu kein Motorradunfall dem anderen gleicht. Außerdem ist der Fahrer immer unmittelbarer Krafteinwirkung ausgesetzt, alles begleitet vom Faktor Geschwindigkeit: Je höher, desto schneller segelt der Fahrer vom Motorrad, desto weniger Zeit hat ein Airbag, um sich zu entfalten. Dass dieser per se besser schützt als keiner, zeigten bisherige Einsätze und zahlreiche Rennunfälle zur Genüge. Entscheidend ist jedoch, wie schnell der Airbag auslöst, genauer: ob er vor dem Einschlag des Fahrers auslöst.

Elektronische Airbagwesten im Vergleichstest
Uwe Rattay
Hinter den Kulissen des großen Airbag-Tests: Wir haben viel, einen Crashtest-Aufbau jedoch leider nicht in der Redaktion. Das Team der ADAC Fahrzeugtechnik-Abteilung versorgte uns daher mit Daten und Material zu drei elektronischen Airbag-Systemen.

Der ADAC-Crashtest, dem sich drei der hier vorgestellten Modelle unterzogen, macht dieses Szenario in Zahlen deutlich. Die Unfall-Experten testeten mit einer geringen Geschwindigkeit von 50 km/h auf ein stehendes Auto, nach 120 Millisekunden berührte es der Dummy erstmals. Diese Zeitspanne galt es also zu unterbieten. Die Kandidaten schafften Zeiten um die 80 Millisekunden, genug für innerorts. Doch leider bedeutet dies auch, dass selbst die aktuellen elektronischen Systeme bei einem direkten Aufprall ohne Flugphase bei höherer Geschwindigkeit nicht schnell genug auslösen. Klingt zunächst ernüchternd, sind wir doch selten mit nur 50 km/h unterwegs. Doch hier greift wieder das Thema der verschiedenen Unfallarten: Bei einem Highsider oder auch einem Lowsider mit längerer Rutschphase bleibt genug Zeit, der Aufprall erfolgt später, der Airbag schützt – so auch in der MotoGP.Sicher ist ein Airbag kein Garant, kein Freifahrtschein fürs Stürzen. In jedem Fall aber ein zusätzlicher Schutz. Erinnern Sie sich noch, als kaum einer einen Helm trug? Kaum mehr vorstellbar. Gut Ding will Weile haben – das gilt fast immer und besonders für Sicherheitssysteme.

Interview mit Ruprecht Müller vom ADAC

Ruprecht Müller: "Ich werde mir eine Airbag-Weste anschaffen." Der 58-jährige Fahrzeugtechnik-Ingenieur ist bereits seit 30 Jahren Motorradexperte in der Abteilung Fahrzeugtechnik des ADAC. Seit 2012 befasst er sich mit dem Thema Motorrad-Airbags, wir haben ihn zum Thema befragt.

Wo liegt die Grenze des Airbag-Schutzes?

Wenn man sich die Highspeed-Aufnahmen ansieht, ist gut zu erkennen, dass bei einer Anprallgeschwindigkeit des Motorrads an ein Hindernis von circa 50 km/h nach 80 bis 90 Millisekunden der Airbag seine Schutzwirkung voll entfaltet haben muss, um bereits beim ersten Kontakt des Dummys die Anprallkräfte zu reduzieren. Diese Geschwindigkeit ist für diese Unfallkonstellation mit direktem Aufprall somit als Grenze zu sehen. Bei höheren Geschwindigkeiten und damit schnelleren Abläufen ist zu erwarten, dass der Schutz entsprechend weniger wirksam ist. Darauf weisen die meisten Hersteller in ihren Dokumentationen auch hin.

In der MotoGP ist ein Airbag längst Pflicht, hier aber werden Geschwindigkeiten bis über 300 km/h gefahren.

Die Entwicklung der Airbag-Systeme hat ja seinen Ursprung im Motorsport. Deswegen sind die dort verwendeten Systeme für den Betrieb auf Rennstrecken optimiert. Zusammen mit den hier vorhandenen meist großen Sturzräumen können die Airbags besonders bei den Alleinunfällen selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten ihre positive Wirkung entfalten – im Wortsinn.

Glauben Sie, dass dies erst der Anfang der Airbag-Entwicklung ist?

Die Komponenten und auch die Entwicklung der Systeme werden günstiger, der Wettbewerb kommt in Gang. Wir sind zuversichtlich, dass jetzt der Knoten aufgeht, die Nachfrage bei den Motorradfahrerinnen und -fahrern steigt. Erste Hinweise gibt es. Dessen ungeachtet müssen und werden die Erfahrungen aus den realen Unfallgeschehen in die Weiterentwicklung einfließen.

Wo sollten die Hersteller noch nachbessern?

Ein mittels Airbags schwer zu schützender Körperbereich ist sicher die Halswirbelsäule, da im Normalbetrieb die Beweglichkeit des Kopfes möglichst wenig eingeschränkt werden soll. Umso mehr sollten die vorhandenen Systeme auf diesen Bereich erweitert werden. Das ist sicher eine echte Herausforderung. Ein anderer Schutzbereich betrifft die Gesäßzone. Stumpfe, heftige Anstöße in Längsrichtung der Wirbelsäule können ebenso schwere, teilweise irreversible Schäden anrichten. Eine Reduzierung der Interventionszeit, also der Zeit bis zur Entfaltung des vollen Schutzes, ist natürlich auch anzustreben.

Was entgegnen Sie Airbag-Gegnern?

Die jetzt angebotenen Airbags sind als Chance für mehr Verletzungsschutz auf dem Motorrad zu sehen. Motorradfahren birgt erhöhte Risiken, das wird kein aktiver Fahrer leugnen wollen. Wer also schon mal erlebt hat, welche Beschwerden in dem relevanten Schutzbereich von Brust und Rücken bereits durch vergleichsweise harmlose Unfälle entstehen können, wird sich überlegen, diese modernen Schutzmöglichkeiten zu nutzen.

Ein Airbag als Weihnachtsgeschenk … Worauf sollte das Christkind achten?

In erster Linie sollte das Christkind auch an sich denken und selbst einen Airbag tragen, damit eine nie auszuschließende Bruchlandung nicht so wehtut. Nein, Scherz beiseite! Wahrscheinlich führt kein Weg vorbei an dem unbeliebten Gutschein. Eine gute Beratung vor dem Kauf ist sicher sehr wichtig. Das System sollte nach der besten und unkompliziertesten Verwendung sowie entsprechender ausgiebiger Probefahrt ausgewählt werden. Schließlich soll es später bei jeder Fahrt so selbstverständlich getragen werden wie der Helm. Ob eine Weste zum Drüberziehen oder eine Jacke mit integriertem Airbag näherliegt, wird sicher auch von der vorhandenen Motorradbekleidung bestimmt. Da kommt es auf die Ausgangssituation an.

Fazit

Es erschien uns unpassend, einen Testsieger zu küren. Dies wäre vermessen, im Wortsinn: Nur drei der sechs Teilnehmer wurden beim ADAC-Crashtest untersucht, da drei weitere erst später auf den Markt kamen. Welcher schützt am besten? Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, wie Ihr nächster Sturz aussieht. Einen Aspekt jedoch haben wir auf den vorherigen Seiten vernachlässigt: Der Kopf spielt beim Motorradfahren immer eine zentrale Rolle. Und tatsächlich fühlt sich ein Airbag am Körper – so unauffällig er auch ist – einfach sehr sicher an. Ob dies nun die autonome Weste von Dainese ist, Alpinestars’ Neuer oder Held mit In&Motion, entscheiden Sie ganz nach persönlichem Bedarf. Alle drei Crash-Kandidaten sind etwa gleich schnell, die Schutzfläche von Alpinestars ist am größten, Dainese dafür am universellsten. E-Airbags schützen – ja, auch Motorradfahrer.

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