Die Nische ist eng. Und sie ist recht voll. Wenn Yamaha wirklich eine Ténéré 900 mit Triple bringt und es mit einer 21/18-Bereifung ernst meint, dann warten schon einige etablierte Modelle an der Startlinie. Und selbst mit ihrem Triple wäre die Yamaha nicht allein.
Enduros um 900 Kubik mit Offroad-Rädern
Stilprägend dürfte bei der erhofften Yamaha Ténéré 900 die Mischung sein aus Dreizylinder mit bis zu 119 PS und der Bereifung in den adäquaten Größen 90/90-21 vorn und 150/70-18 hinten. Also eine echte Enduro mit deutlich über 200 Millimetern Federweg, um die 20 Liter Volumen im Tank und im besten Falle nur um die 230 Kilo schwer. Und wenn wir uns noch etwas wünschen dürften: gerne um die 15.000 Euro Einstiegspreis.
Wer nach diesen Daten sucht, findet bereits einige Modelle namhafter Hersteller um 100 PS, mit unterschiedlichen Interpretationen einer 900er-Enduro, die es ernst meint.
BMW F 900 GS – 105 PS ab 13.750 Euro
Wir starten im Alphabet bei B wie BMW. Mit der aktuellen F 900 GS gibt es eine überraschend günstige und vergleichsweise leichte Enduro aus München. Ihr Twin mit 895 Kubik erzeugt beachtliche 93 Nm bei 6.750/min und leistet 105 PS bei 8.500/min. Dabei wiegt die GS in der Basis und fahrfertig nur 219 Kilogramm. Und bietet mit Reifen in 90/90-21 vorn und 150/70 R17 hinten, sowie voll einstellbaren Federwegen von 230 Millimeter vorn und 215 hinten einiges an Offroad-Potenzial. Die Sitzhöhen liegen je nach gekaufter Sitzbank zwischen 835 und 890 Millimeter.
Das Gewicht kommt natürlich auch durch den vergleichsweise kleinen Tank, der nur 14,5 Liter Volumen bietet, während die elektronische Ausstattung mit Schräglagen-sensiblen Systemen bereits in der Basis vollständig ist.
Aktuell bietet BMW die F 900 GS in der Basis ab 13.750 Euro an, wobei im Konfigurator mit ein paar Klicks schnell mal 20.000 Euro stehen können.
So fährt die BMW F 900 GS nach ihrer Diät
CFMoto 1000 MT-X – 112 PS ab 10.999 Euro
CFMoto bietet mit der 1000 MT-X einen Preis-Leistung-Kracher im Segment: 112 PS bei 8.500/min aus 946 Kubik gibt es bereits ab 10.999 Euro. Der Motor stammt aus dem Joint Venture mit KTM und ist aktuell in den 990er-Modellen von KTM verbaut. Fun-Fact: Aktuell bietet KTM keine 990 Adventure an, sondern "nur" eine 890er. Und wie vom aktuellen KTM-Twin gewohnt: starke 105 Nm bei 6.250/min.
Dabei wiegt die riesig wirkende 1000 MT-X mit fahrfertigen 222 Kilogramm nicht sehr viel und bietet mit 22,5 Liter Tankvolumen enorme Reichweiten. Das Elektro-Paket von Bosch ist schräglagensensibel und das Fahrwerk bietet mit je 230 Millimeter Federweg ausreichend Reserven. Die Reifen messen 90/90-21 vorn und 150/70 R 18 hinten, während die Sitzhöhe mit 875 Millimeter niedriger ausfällt als befürchtet.
Über 4 Jahre oder bis 40.000 Kilometer gewährt CFMoto Garantie. Das Ganze ab 10.990 Euro. Wem das zu viel ist: Mit der 800 MT-X bietet CFMoto die kleinere Schwester mit nur 91 PS ab 9.499 Euro an.
So fährt die CFMoto 1000 MT-X
KTM 890 Adventure R – 105 PS ab 15.490 Euro
Die Performance-Krone dürfte wohl in Summe an die KTM 890 Adventure R gehen. Und zwar nicht nur durch ihre 105 PS und 100 Nm aus 889 Kubik, sondern durch ihr Gewicht von vollgetankt nur 215 Kilo in Kombination mit einem 20-Liter-Tank. Ebenfalls kaum Zweifel an der Offroad-Leistung dürfte es an den Federelementen mit je 240 Millimeter Federweg je Achse geben.
Elektronisch fährt KTM ohnehin seit Jahren vorn mit, die Systeme der Adventure sind schräglagensensibel und die Räder in 21 und 18 Zoll ebenfalls voll auf Offroad ausgelegt.
Bleibt der Preis: Mit 15.490 Euro nach Liste ist die KTM 890 Adventure R im Bereich "hochpreisig" zu verorten. Ob dieser Preis allerdings beim Händler wirklich gezahlt werden muss, ist fraglich. Vor allem: Auf die 890 Adventure müsste logischerweise alsbald die 990 folgen, die es im Grunde bereits als CFMoto 1000 MT-X gibt.
KTM 890 Adventure R im Einzeltest
MV Agusta Enduro Veloce – 124 PS ab 19.100 Euro
Doch selbst der hohe Preis der KTM kommt nicht gegen den Einstandspreis der Enduro Veloce von MV Agusta an. Für mindestens 19.100 Euro stehen bei der MV-Enduro 124 PS bei 10.000/min zur Verfügung, generiert aus stattlichen 931 Kubik, die 102 Nm bei 7.000/min erzeugen.
Optisch sehr groß und als Reiseenduro zu erkennen, doch mit ihrer Radkombination in 21/18 und den Federwegen von je 210 Millimetern je Achse will sie schon deutlich abseits der Straßen gesehen werden. Wobei, so hart soll es dann doch nicht werden: Die Bodenfreiheit von 230 Millimeter, der lange Radstand von 1.610 Millimeter und das Gewicht von 240 Kilogramm grenzen den Radius ein.
Außerdem ist fraglich: Möchte ich eine Enduro für knapp 20.000 Euro hart durch's Gelände treiben? Doch für MV-Fans sicherlich eine schöne Option.
MV Agusta Enduro Veloce im Adventure-Test
Triumph Tiger 900 Desert Edition -108 PS ab 16.995 Euro
Noch ein Triple um 900 Kubik, der in einer Enduro mit 21-Zoll-Vorderrad arbeitet. Aus 888 Kubik erzeugt dieser doch besondere Motor 90 Nm bei 6.850/min und leistet 108 PS bei 9.500/min. Das Besondere – und hier schließt sich der Kreis zur erwarteten Ténéré 900: Der Triple zündet unregelmäßig. Anstatt den säuselnden 120 Grad, zündet der T-Plane Motor einmal mit 90 Grad Abstand und dann wieder bei 270 Grad. Das ergibt einen eher bollernden Lauf und soll das Drehmoment im Gelände begünstigen.
Na ja: Ob der wirklich Einfluss auf die gegebenen Fähigkeiten mit 21/17-Rädern sowie den 240 Millimetern Federweg vorn und 230 hinten hat, muss jeder selbst erfahren. Im Rahmen des Bekannten jedoch: 20 Liter im Tank und fahrfertig 231 Kilo schwer. Dazu eine hochmoderne Elektronik und 4 Jahre Garantie, für allerdings üppige 16.995 Euro.
Yamaha Ténéré 900 – wenn dann mit 119 PS für um 15.000 Euro
Sollte Yamaha die Ténéré 900 wirklich bringen, dann sind die Eckdaten von der Konkurrenz umrissen. Der Triple scheint gesetzt mit 890 Kubik. Doch der Teaser Ende August erlaubt Gedanken an eine ebenfalls unregelmäßige Zündfolge, wie bei der T-Plane von Triumph. Und vielleicht setzt Yamaha das kreativ um und baut eine Y-plane mit exotischen Zündabständen.
Ob die 119 PS des Triples dann wirklich sein müssen, darf hinterfragt werden. Mehr Drehmoment von um 105 Nm passen zum Konzept deutlich besser. Und die 230 Kilo sollte die Ténéré 900 dann auch nicht reißen. Und zudem am besten unter 15.000 Euro kosten. Wobei sie dann die einzige Enduro der Klasse sein dürfte mit einer optionalen Automatik.













