In den 1970er-Jahren war die Van Veen OCR 1000 mit ihrem Wankel-Motor nicht nur exotisch, mit ihren 100 PS war sie sogar ein Superbike. Doch ein kommerzieller Erfolg war sie nicht. Nur 38 Exemplare der OCR 1000 wurden von 1976 bis 1978 gefertigt.
Van Veen OCR 1000 – Rarität mit Wankel-Motor
Obwohl Henk Van Veen der niederländische Importeur und rennsportliche Antreiber der schwäbischen Kreidler-Mopeds war, lief die Wankel-Kleinserienproduktion der Van Veen GmbH im niedersächsischen Duderstadt. Von circa 24.000 bis 28.000 Deutsche Mark waren die stolzen Preise der OCR 1000 aufgespannt. Sogar jeweils 85.000 Euro sollte ab dem Jahr 2010 eines von 10 weiteren, aus Restbeständen neu aufgelegten Exemplaren der Van Veen OCR 1000 kosten.
Versteigerung von Mecum Auctions 2026 in Las Vegas
Eine weitere seltene Gelegenheit, eine Van Veen OCR 1000 zu kaufen, haben Wankel-Fans am 31. Januar 2026: Mecum Auctions versteigert ein Exemplar in Las Vegas (und online). Die dort angebotene OCR 1000, Baujahr 1978, scheint gut erhalten, mit originaler Lackierung in Schwarz-Grün, leichten Gebrauchsspuren und angeblich 8.853 Kilometer am Tacho. Ihre bisher letzte Station sei Sam Costanzo’s Rotary Recycle Collection in Cleveland, Ohio gewesen.
Der Wankel-Motor der Van Veen OCR 1000
Herzstück der Van Veen OCR 1000 ist ihr Wankel-Motor, und das Typkürzel OCR ist die Abkürzung für Oil Cooled Rotors – also für die Ölkühlung der Rotoren, zusätzlich zur Wasserkühlung des Triebwerks. Die 1000 sind die aufgerundeten 996 Kubik des Zweischeiben-Wankels mit jeweils 498 Kubik. Diesen Motor lieferte damals Comotor, ein Joint-Venture von NSU/Audi und Citroen, bei der Motorrad-Adaption mitsamt 4-Gang-Fußschaltung und Kardan unterstützte Porsche.
135 Nm, 100 PS und über 200 km/h
Immerhin 100 PS bei 6.500 Kreiskolben-Umdrehungen pro Minute waren die starke Ansage zur Van Veen OCR 1000 – die in den 1970er-Jahren umso stärker klang. Über 200 km/h Höchstgeschwindigkeit ebenso, und fett unterstrichen ist die geschmeidige Wankel-Performance mit 135 Nm Maximal-Drehmoment bei nur circa 3.000/min.
Im Wesentlichen besteht ein Wankel-Motor aus einem oder mehreren rotierenden Kolben anstelle konventioneller Hubkolben. Prinzipieller Vorteil ist die direkte Drehbewegung statt umzulenkender Hubbewegungen. Als Vorteile in der Praxis haben sich kompakte Bauweise und Laufruhe erwiesen, als Nachteile hoher Spritverbrauch plus Ölverbrauch.
Motorräder mit Wankel-Antrieb gab, beziehungsweise gibt es nur sehr wenige, außer von Van Veen von Hercules, Suzuki und Norton. Am längsten am Wankel-Prinzip festgehalten hat Pkw-Hersteller Mazda.

So sieht ein Wankel-Motor innen aus. Aktuelles Beispiel von Mazda, hier allerdings nicht (mehr) als Pkw-Antrieb, sondern nur als Range-Extender, also als Stromgenerator für ein elektrisch angetriebenes Modell (Mazda MX-30 R-EV).
Das Classic-Superbike-Fahrwerk der Van Veen OCR 1000
Auf vergleichsweise sportlichem, zeitgenössischem Stand der 1970er-Jahre ist das Fahrwerk der Van Veen OCR 1000, mit Doppelschleifen-Stahlrohr-Rahmen, Aluminium-Hinterradschwinge samt zwei Federbeinen und Telegabel vorn. Zudem mit Aluminiumguss-Rädern, Vorderreifen in 110/90-18 und Hinterreifen in 130/80-18 sowie mit Doppelscheibenbremse vorn und Scheibenbremse hinten.
Sprichwörtlich ins Gewicht fallen allerdings heute wie damals die über 300 Kilogramm Gesamtmasse der OCR 1000 (292 kg ohne Sprit im 22-Liter-Tank). Immerhin wird das den Kilo-Preis bei der anstehenden Auktion etwas relativieren.












