Ducati Multistrada 950 im 50.000 km-Dauertest

Getriebe nervt, Anlasserfreilauf streikt

Die neue Ducati Multistrada 950 wurde von Robert Glück, Ex-Kollege und nun Pressesprecher Ducati Deutschland, an die Redaktion übergeben.Die Ducati Multistrada 950 rückte mit exakt 1.037 Kilometern das erste Mal in die Redaktionsgarage ein.Das Dauertestmotorrad trat am 4.5.2017 ausgerüstet mit dem Touring-Paket, bestehend aus Hauptständer und einem Satz Kunststoff-Koffern, Aufpreis 748,51 Euro, den Dauertest an.Wer keine Koffer mag, mag eben keine Koffer: Herbstausfahrt 2017 mit Gepäckrolle in gewagter Farbe.
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Die Ducati Multistrada 950 durchläuft seit Mai 2017 den MOTORRAD-Dauertest über 50.000 Kilometer. Hier erfahrt ihr wie sich das Zweizylinder-Multitool aus Italien schlägt.

Das Dauertestmotorrad trat am 4.5.2017 ausgerüstet mit dem Touring-Paket, bestehend aus Hauptständer und einem Satz Kunststoff-Koffern, Aufpreis 748,51 Euro, den Dauertest an und hat bis kurz vor den Weihnachtsferien bereits über die Hälfte der Dauertest-Distanz hinter sich gebracht. Dass auf den bis dahin zurückgelegten 25.797 Kilometern exakt 118-mal getankt wurde, liegt nicht etwa an der geringen Reichweite des Vielstraßen-Motorrads, sondern an der Vorgabe, es stets vollgetankt zu übergeben. Der tatsächliche Verbrauch schwankte zwischen rund 4,5 Litern beim gemütlichen Cruisen und gut eingeschenkten acht Litern im gestreckten Galopp auf der Autobahn. Im Mittel lag der Verbrauch bis dato bei 5,7 Litern, was bei 20 Liter Tankinhalt für 350 Kilometer Strecke gut ist. Probleme oder Ausfälle bis dahin: keine. Ärgerliche Auffälligkeiten: durchaus.

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Foto: Tobias Wassermann
Bei Ducati Deutschland wurde die Duc überprüft.
Bei Ducati Deutschland wurde die Duc überprüft.

Kilometerstand: 35.105, 5/2018

Auf einem längeren Korsika-Tripp begleitete die Multistrada den MOTORRAD-Reifentest. Zurück in Deutschland stand die 30.000-km-Inspektion an. In deren Rahmen wurde der Kupplungszug getauscht. Zudem wurden unter anderem Ventile eingestellt, die Zahnriemen und die Bremsbeläge hinten gewechselt. Die hintere Bremsscheibe nist kurz vor der Verschleißgrenze, wurde von der Werkstatt angemerkt. In Summe kostete der Service rund 1.385 Euro. Bei 29.353 km gab es einen neuen Satz Michelin Anakee III-Reifen.

Das Getriebe lässt sich nach wie vor schwer schalten, die Kupplung rupft bei kaltem Motor und kommt schlagartig. An der Tankstelle kam es dann zu einem Zwangsstopp. Der Anlasser dreht zwar, wirft den V2 aber nicht an. Hier scheint der Freilauf nicht mehr mitzuspielen. Ducati Deutschland hat sich den möglichen Defekt angeschaut. Anlasserfreilauf und auch die Stahlscheiben der Kupplung wurden getauscht. Jetzt springt die Duc wieder an und auch die Kupplung lässt sich besser dosieren. Bei 35.000 km wurde zudem ein neuer Reifensatz fällig. Jetzt steht die Multistrada auf Bridgestone A40. Weiter unter Beobachtung steht der Öldurst der Duc. Seit der Inspektion musste bereits wieder rund 1 Liter Schmierstoff nachgefüllt werden.

Kilometerstand 26.900, 2/2018

In neun Monaten hat die kleine Multistrada mittlerweile rund 27.000 Kilometer zurückgelegt. Das entspricht, einschließlich Weihnachtspause, rund 3.000 Kilometern pro Monat. Die Gründe: Sie läuft größtenteils problemlos, zuverlässig, schnell und komfortabel. Einzige Kritikpunkte sind die für manchen Fahrer zu lautstarken Luftverwirbelungen der Scheibe, der plärrende Motorsound sowie die in kaltem Zustand kaum zu dosierende Kupplung. Trotz mittlerweile zweimaliger Justage der Kupplungs- Beölung, mit der die Dosierbarkeit in Maßen zu beeinflussen ist, blieb dieses Manko bis heute erhalten. Sobald der Motor handwarm ist, verringern sich die Bedienschwierigkeiten.

Ein Motorrad, vier verschiedene Reifen. Welche Reifen passt am besten zur Ducati Multistrada 950?

Kilometerstand: 25.797, 1/2018, Zwischenbilanz

Bereits der erste Eintrag im Fahrtenbuch von Testredakteur Andreas Bildl gilt dem Getriebe, das wohl noch etwas Einlaufzeit benötige. Der zweite, geschrieben von FUEL-Mann Rolf Henniges, den in Sachen Eigenheiten von Zweirädern nichts mehr schockieren kann, galt der Kupplung, mit der er sicher kein Freund werde.

Zwei weitere Fahrer schalten die Duc als Luftpumpe und Low Performer, revidierten ihre Meinung aber, nachdem ihnen aufgezeigt wurde, wie man die Leistung im, dies zur Entschuldigung der Kollegen, nur bedingt selbsterklärenden Menü von LOW wieder auf SPORT stellt.

Tatsächlich klafft zwischen diesen beiden Modi eine Lücke von 38 PS (109 zu 71). Das degradiert den Sprinter zum Ackergaul. Sobald alle Pferde zum Dienst antraten, waren die Klagen diesbezüglich perdu. Dafür monierten andere Fahrer dann ein leichtes Pendeln, sobald mit Koffern über 170 km/h gefahren wurde. Offensichtlich reagiert die Duc recht sensibel auf Fahrergrößen, denn beim Autor (1,86 Meter) trat dieses Phänomen nicht auf. Dafür empfand dieser, dass es hinter der Serienscheibe, egal in welcher Position sie eingestellt ist, arg laut zuging, was in Verbindung mit dem ebenfalls unter Last heftigen Röhren aus der Airbox auf langen Strecken etwas nervt.

Nach 7.600 Kilometern war der erste Reifensatz fällig, zudem 350 Milliliter Öl. Besonders auf schnellen Autobahn-Etappen gönnt sich die Multi etwas Schmierstoff. Es ist also ratsam, den Ölstand im Auge zu behalten, was angesichts des Schauglases auch kein Problem darstellt. Insgesamt mussten bis dato 2,4 Liter nachgefüllt werden, im Schnitt also rund 0,1 Liter auf 1.000 Kilometer, allerdings mit steigender Tendenz.

Foto: Stefan Glück
Wiederkehrende Krtik liefert die Kupplung, die schon mehrfach nachjustiert wurde - bislang ohne Erfolg.
Wiederkehrende Krtik liefert die Kupplung, die schon mehrfach nachjustiert wurde - bislang ohne Erfolg.

Kupplung, Kupplung, Kupplung

Weiterhin wurden die recht unmotiviert aufleuchtenden Lampen für Leerlauf und Reserve öfters erwähnt, und natürlich die Kupplung. Die 15.000er-Inspektion (424 Euro) beinhaltete neben einer Justage derselben auch einen Satz Bremsbeläge hinten. Kurz danach gab es den ersten von insgesamt drei Plattfüßen (einer hinten, zwei vorne), die zwar für die Betroffenen ärgerlich waren, aber nicht dem Motorrad zuzuschreiben sind. Leider wurden die Klagen über die besonders in kaltem Zustand rupfende Kupplung nicht weniger, weswegen diese bei Kilometerstand 24.150 im Beisein von MOTORRAD abermals justiert wurde. Jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Bei dieser Gelegenheit erfolgte auch der Anbau einigen Ducati-Originalzubehörs. Während die Motorschutzplatte sowie die Sturzbügel nebst Nebelscheinwerfern eher der Optik als dem Alltagsnutzwert geschuldet sind, waren die dreistufigen Heizgriffe in der aktuellen Jahreszeit hochwillkommen, auch die größere Tourenscheibe lässt sich gut an, wenngleich die Bewährungsprobe auf einer ausgiebigen Reise noch aussteht. Die steht den Aluboxen ebenfalls noch bevor, die erste Nacht im Freien führte bei einer Schließe bereits zu leichter Korrosion.

Quasi zu Weihnachten bekam die Duc einen neuen Kettensatz sowie die Radlager hinten, Kosten alles in allem rund 560 Euro.

Weitgehend Einigkeit und Freude herrscht im Fahrtenbuch über die fahrerischen Qualitäten der Duc: sportlich drehfreudiger Motor, ausgewogenes, homogenes Fahrwerk, das sowohl straff genug für die sportliche Einlage als auch hinreichend komfortabel für Slow-Bike-Runden ist, das Ganze gepaart mit einer komfortablen Unterbringung für Fahrer und Beifahrer. Eine rundherum gelungene Reiseenduro also.

Foto: Hertler

Kilometerstand: 1.037, 5/2017

Die Ducati Multistrada 950 rückte mit exakt 1.037 Kilometern das erste Mal in die Redaktionsgarage ein, überbracht von Ex-PS-Redakteur Robert Glück, heute PR-Mann bei Ducati in Deutschland. MOTORRAD-Redakteur An­dreas Bildl hat sich das feuerrote Multitool mit dem 113 PS starken L-Twin nach der Übergabe gleich für den Heimweg geschnappt. Schließlich weiß die unter dem Aspekt Preis-Leistungs-Note beste Ducati (Note 1,6), die jemals die 1.000-Punkte-Wertung durchlaufen hat, gerade unter Gesichtspunkten wie Sitzkomfort, Windschutz und Reichweite zu glänzen. Eigenschaften, die auch und besonders im Alltag gerne goutiert werden.

Dazu kommt noch eine Ausstattung, die mit dreistufigem ABS, achtstufiger Traktionskontrolle, drei Motormappings und vier Fahrmodi, unter denen die vorher genannten Modi gebündelt werden, wenig Wünsche offenlässt. Zwar strotzt die Multistrada 950 nicht vor Leistung, diese lässt sich aber sehr harmonisch abrufen. Klingt alles sehr vernünftig und nach hohem Nutzwert. Emotionen gibt's aber auch, spätestens dann, wenn der eingefahrene Motor über 7.000/min jubeln, sein motorisches Feuern entwickeln darf.

Diese Eigenschaften haben zweifellos auch Testredakteur Bildl überzeugt, dennoch weist er darauf hin, dass die Leerlaufsuche im Stand und bei kaltem Motor schon mal erfolglos bleibt. Ob’s nach einer gewissen Einlaufzeit besser wird? Das würden wir zudem der Kupplung wünschen, die mit knappem Schleifpunkt nach hohen Anfahrdrehzahlen verlangt. Wir bleiben am Ball, wenngleich die kommenden Tage für die Ducati Multistrada 950 eher von ruhiger Natur sind. Sie erwartet zum Dauertest-Beginn das gleiche Prozedere wie alle anderen Kandidaten, und das lautet nun mal: Prüfstandslauf, Fahrleistungen ermitteln und Motor verplomben. 

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