8 Motorradreifen für Klassiker und Youngtimer im Test

Dimensionen 100/90-18 und 120/90-18

Der Reifentest für Klassiker und Youngtimer wurde mit einer 1991er-Yamaha XJ 900 F gemacht.
Der Reifentest für Klassiker und Youngtimer wurde mit einer 1991er-Yamaha XJ 900 F gemacht.In zwei Tagen acht Reifensätze auf dem Handlingkurs, im Highspeed-Oval und bei Nässe testen. Das bedeutet auch eine ­stramme Akkordarbeit für die SchraubercrewTrockene Straße, eine Kurve jagt die nächste – so ist das Ideal des Bikers. Andererseits: Was tun, wenn es ­geradeaus ohne Ende wackelt? Ein Reifentest hat viele FacettenGratwanderung: Auf bewässertem Handlingparcours testen, wann das Ende der Haftreserven erreicht ist. Tatsächlich hat unsere XJ keine Blessuren erleiden müssen
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Acht Motorradreifen der Dimensionen 100/90-18 und 120/90-18 für Youngtimer, Klassiker und solche, die es werden wollen, im Test auf sehr steilen, sehr kurvigen und manchmal auch sehr nassen Straßen.

"Soll ich wieder zum BT45 greifen, oder gibt es inzwischen was Besseres?" Wie kein Zweiter hat sich der Bridgestone BT45 in der Klassikszene etabliert. Fast schon unnahbar wirkt er mit seinen knapp zwei Jahrzehnten, die er auf seinen schwarzen Schultern trägt. Nach Rücksprache mit Kollegen, die auch den einen oder anderen persönlich gefärbten Fahreindruck beisteuern konnten, hat man die Frage schnell geklärt: Der BT45 ist immer noch eine Empfehlung. Schlecht ist man mit diesem Ratschlag nicht gefahren, aber wie ist es, wenn man diese Frage akkurat per Testprotokoll abarbeitet? Genau das ist dieser Artikel: ein Motorradreifen-Test für Klassiker und Youngtimer.

Platz 1: Continental Road Attack 2 CR/Classic Attack

Gewicht: vorn 4,7 kg, hinten 6,5 kg
Herstellungsland: Deutschland
DOT-Nummern (v/h): 23/16 und 36/16

Foto: mps-Fotostudio
Gesamtplatz 1: Continental Road Attack 2 CR/Classic Attack.
Gesamtplatz 1: Continental Road Attack 2 CR/Classic Attack.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 1):
Erwartungsgemäß kann der einzige Radialreifen in diesem Test den Diagonalreifen in Sachen ­Geradeauslaufstabilität nicht ganz das Wasser reichen. Damit ist aber auch der einzige Kritikpunkt genannt. Shimmy ist für diese Conti-­Paarung ein Fremdwort. Selbst wenn man es hartnäckig ­provoziert, bleibt das Lenkerschlagen im kalten sowie warmen Zustand aus. Zu seiner vollen Größe läuft die CR-Version des ­Road ­Attack 2 (vorn) beziehungsweise des Classic Attack ­(hinten) bei sportlicher Gangart auf ­kurvenreichen Land­straßen auf: extrem handlich, tolles Feedback, viel Grip und hoher Komfort!

Nasstest (Platz 1):
Bei Regen fährt die radial bereifte Yamaha das Diagonalfeld förmlich in Grund und Boden. Die Haftreserven beim Beschleunigen sowie in Schräglage sind gigantisch, dazu punktet dieser Conti mit Eins-a-Handlichkeit und sattem Feedback.

Fazit: Ein mutiger Schritt, nun das Radialreifen-Konzept auch im Klassik-Lager zu etablieren. Der Blick auf die Punktebilanz zeigt aber: Es ist der richtige Schritt! In ­Sachen Sportlichkeit und Sicherheit (vor allem bei Nässe) gibt es nichts Besseres.

Platz 2: Michelin Pilot Activ

Gewicht: vorn 4,9 kg, hinten 6,6 kg
Herstellungsland: Tschechien
DOT-Nummern (v/h): 18/16 und 19/16

Foto: Michelin
Gesamtplatz 2: Michelin Pilot Activ.
Gesamtplatz 2: Michelin Pilot Activ.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 2):
Egal, ob im kalten Zustand oder warm gefahren – der Pilot Activ zeigt keinerlei Tendenz zum Lenkerflattern, selbst wenn man den Shimmy-­Effekt bewusst provoziert. Auch in Sachen Eigendämpfung gibt sich der Michelin keine Blöße, Schläge beim Überfahren von Querrillen werden komfortabel glatt gebügelt. Seine Paradedisziplin ist die flotte Fahrt durch kurvenreiches Revier, wo er sich neutral wie präzise ums Eck steuern lässt. Ebenfalls top: seine prima Rückmeldung, sodass sich beim Piloten schnell ein sicheres ­Gefühl für die Gripreserven einstellt. Lediglich beim Geradeauslauf wirkt er ­etwas zu nervös.

Nasstest (Platz 4):
Auf regennassen Straßen überzeugt der Michelin weiterhin durch seine Handlichkeit, auch das Grippolster in Kurven ist ausreichend. Im ­direkten Vergleich bleibt das Niveau bei Nässe aber unterhalb vom Klassenprimus Dunlop.

Fazit: Der Name ist Programm. Wie kein ­anderer Diagonalreifen lässt sich der handliche Pilot Activ ums Eck steuern – ein Gummi für die Sportsfreunde in der Oldie-Liga. Bei Nässe nicht ganz top, aber abschütteln lässt er sich auch dort noch lange nicht.

Platz 3: Dunlop Arrowmax Streetsmart

Gewicht: vorn 5,0 kg, hinten 6,6 kg
Herstellungsland: Frankreich
DOT-Nummern (v/h): 27/16 und 09/16

Foto: Dunlop
Gesamtplatz 3: Dunlop Arrowmax Streetsmart.
Gesamtplatz 3: Dunlop Arrowmax Streetsmart.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 4):
Lenkerflattern? Negativ! Schon ab den ersten Metern gefällt der Streetsmart auf der XJ durch seine unerschütterliche Ruhe. Selbst wenn bisweilen Stöße bei Fahrbahnabsätzen an den ­Fahrer durchgereicht werden, macht der Dunlop auch in der Komfortwertung einen guten Job und punktet mit insgesamt satter Eigendämpfung. Während die Geradeauslaufstabilität noch vorbildlich ist, müssen dagegen kleine Abstriche beim Handling in Kauf genommen werden. Fürs engagierte Streetsurfen gibt sich der Streetsmart etwas zu träge. Das Aufstellmoment beim ­Bremsen in Schräglage ist dagegen tolerierbar.    

Nasstest (Platz 2):
Trotz seines etwas trägen Grundcharakters punktet der Dunlop auf nasser Strecke durch breiten Grenzbereich, klasse Rückmeldung ­sowie satten Grip beim Beschleunigen und in Schräglage. Bester Diagonalreifen bei Regen!

Fazit: Vor allem mit seiner überzeugenden Vorstellung auf nassem Parkett sichert sich der Streetsmart den beachtlichen dritten Platz im Test. Wer einen tollen Regenreifen sucht, darf gern zum Dunlop greifen. Sein Manko: die Tendenz zur Trägheit. 

Platz 4: Bridgestone Battlax BT45

Gewicht: vorn 4,1 kg, hinten 6,2 kg
Herstellungsland: Japan
DOT-Nummern (v/h): 16/16 und 26/16

Foto: Bridgestone
Gesamtplatz 4: Bridgestone Battlax BT45.
Gesamtplatz 4: Bridgestone Battlax BT45.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 3):
Auf den ersten Kilometern hat auch der BT45 ­eine leichte Shimmy-Neigung, die aber warm­ gefahren rasch verschwindet. Eine besondere Stärke des Japaners ist sein stabiler Gerade­auslauf, wobei Metzeler und Dunlop die Nase ­allerdings noch etwas weiter vorn haben. Reichlich Pluspunkte sammelt der BT45 auf kurvigen Strecken, wo er seine gute Handlichkeit ausspielen kann. Im Vergleich zur Diagonal-Konkurrenz bleibt der Bridgestone exakt auf dem angepeilten Kurs und lässt sich präzise ums Eck steuern. Das Aufstellmoment beim Bremsen in Schräg­lage bleibt insgesamt tolerierbar.

Nasstest (Platz 5):
Bei Regen zeigt sich im Vergleich zu den teils deutlich jüngeren Konkurrenten im Test, dass der BT45 in die Jahre gekommen ist: etwas schmaler Grenzbereich, wenig Traktion beim Beschleunigen und eine nur mäßige Rückmeldung.

Fazit: Unser Oldie im Test schlägt sich ­wacker. Bei Schönwetter auf der Landstraße zeigt der BT45 eindrucksvoll, dass er immer noch up to date ist. Nur bei Nässe knickt der Japaner leicht ein – da kann man in­zwischen deutlich mehr Leistung erwarten.

Platz 4: Continental ContiGo!

Gewicht: vorn 4,6 kg, hinten 6,0 kg
Herstellungsland: Südkorea
DOT-Nummern (v/h): 16/15 und 44/15

Foto: Continental
Gesamtplatz 4: Continental ContiGo!.
Gesamtplatz 4: Continental ContiGo!.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 4):
In Sachen Stabilität heißt es beim Conti schon auf den ersten Metern Go! Selbst im kalten ­Zustand bleibt der nervige Shimmy-Effekt aus, und auch die Geradeauslaufstabilität kann ­überzeugen – im Vergleich zum BT45 gibt sich der Go! allerdings eine Spur nervöser. Auch beim Komfort kann er mit guter Eigendämpfung auf holprigen Wegstrecken überzeugen. Dank seiner Handlichkeit und des guten Feedbacks für seine Gripreserven lässt sich die Conti-bereifte ­Yamaha souverän durch kurviges ­Geläuf ­steuern. Das Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage ist allerdings deutlich spürbar.

Nasstest (Platz 3):
Trotz seines etwas schmaler gestalteten Grenzbereichs vermittelt der Go! eine klasse Rück­meldung für seine satten Haftreserven. Gepaart mit guter Handlichkeit macht der Conti deshalb auch bei Schlechtwetter Spaß.

Fazit: Der Diagonalreifen der Hannoveraner Reifenbäcker gefällt durch seine ausgewogene Machart. In Sachen Stabilität ist er ganz vorn mit dabei, dazu punktet er mit Grip und Komfort. Vor allem aber macht er auch bei ­Regen nicht schlapp.

Platz 6: Metzeler Sportec Klassik

Gewicht: vorn 5,1 kg, hinten 6,7 kg
Herstellungsland: Brasilien
DOT-Nummern (v/h): 21/15 und 17/15

Foto: Metzeler
Platz 6: Metzeler Sportec Klassik.
Platz 6: Metzeler Sportec Klassik.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 6):
Im kalten Zustand fällt der Klassik gleich durch einen ausgeprägten Shimmy-Effekt auf. Warm gefahren wird das Lenkerflattern zwar deutlich weniger, allerdings klingt es bei bewusster Anregung deutlich langsamer ab als bei der Konkurrenz. Beim Geradeauslauf kann der Metzeler noch überzeugen, viele andere Punkte bleiben aber zu unbefriedigend. Seine Handlichkeit ist zu träge, sein Feedback für die vorhandenen Haftreserven zu trocken. Entsprechend unsicher, wie es um den Maximalgrip bestellt ist, tastet man sich um die Kurven. Auch der deutliche Aufstellimpuls beim Bremsen in Schräglage stört.  

Nasstest (Platz 6):
Beim Beschleunigen dreht der Hinterreifen schon reichlich früh durch, und auch in Schräg­lage sind die Haftreserven zu schnell aufgebraucht. Sein schmaler Grenzbereich lässt bei Regen kein gutes Gefühl aufkommen.

Fazit: Obwohl der Metzeler erst seit kurzer Zeit erhältlich ist, zeigt er sich besonders im Vergleich zur ebenso jungen Konkurrenz nicht wirklich auf der Höhe der Zeit. Auf der Landstraße bleibt er zu farblos, und im ­Nassen ­gerät er schnell ins Hintertreffen. 

Platz 7: Pirelli Sport Demon

Gewicht: vorn 5,2 kg, hinten 6,5 kg
Herstellungsland: Brasilien
DOT-Nummern (v/h): 46/14 und 15/16

Foto: mps-Fotostudio
Gesamtplatz 7: Pirelli Sport Demon.
Gesamtplatz 7: Pirelli Sport Demon.

Bewertung Landstraße/Alltag (Platz 7):
Wenn man es provoziert, muss man auch beim Pirelli ein starkes Shimmy in Kauf nehmen. Ohne Anregung bleibt es aber ruhig, weshalb sich der Sport Demon in diesem Kapitel doch etwas vom ähnlich weit hinten platzierten Avon Road­rider absetzen kann. Mit trägem Einlenkverhalten, schlechter Rückmeldung, wenig Gripreserven, spontanen Rutschern beim schnellen ­Abwinkeln und spürbarem Aufstellmoment kann die Pirelli-bereifte XJ aber nicht zu den besseren Reifen im Test aufschließen. Nur beim Geradeauslauf punktet der Sport Demon mit satter Stabilität.

Nasstest (Platz 7):
Wenn schon unter Idealbedingungen das Grippolster schnell aufgezehrt ist, lassen sich bei Nässe auch keine Wunder mehr erwarten. Bilanz im Regen: weite Bögen in Kurven, frühzeitiges Durchdrehen beim Beschleunigen, schmaler Grenzbereich, wenig Feedback.

Fazit: Einer der dienstältesten Reifen in ­diesem Test kann keine Akzente mehr ­setzen. Auf der Test-Yamaha verliert der Pirelli durch seinen trägen Grundcharakter und schwachen Grip reichlich Punkte. Auch die Regenperformance ist sehr schwach.

Platz 8: Avon Roadrider

Gewicht: vorn 5,0 kg, hinten 6,6 kg
Herstellungsland: England
DOT-Nummern (v/h): 27/16 und 09/16

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