Motorradlärm
Debatte um Lautstärke von Motorrädern
Méduse - Lärmblitzer im Straßenverkehr in Frankreich. Jörg Künstle, Bruitparif.fr.

Lärmradar in Frankreich

Lärmradar in Frankreich Radarsystem „Méduse“ hört mit

Ein System von Audiosensoren namens "Méduse" soll den Fahrern lärmender Motorräder und Autos auf die Spur kommen. Das System ist patentiert und soll ab Herbst auch eine Blitzerfunktion haben.

Entwickelt hat das System die französische Umweltorganisation Bruitparif, auf öffentlichen Straßen getestet wird es seit Ende September 2019 in Paris, im Vorort Villeneuve-le-Roi und im ländlichen Raum bei Chevreuse. Vier Mikrofone nehmen dabei die Geräusche aus der Umgebung auf und leiten sie zur Analyse an einen Computer weiter. Im ersten Schritt waren vor allem Baustellen und öffentliche Versammlungsorte von Medusa "belauscht" worden. Mittlerweile ist das System patentiert und weitere Tests im Straßenverkehr sind angeschoben. In Paris im allgemeinen Straßenverkehr, sowie an beliebten Motorradstrecken wie dem Col de la Schlucht in den Vogesen oder bei Saint-Forget südlich von Paris. Auch in Nizza sollen ab November 2021 innerstädtische Medusa-Systeme oder ähnliche Lärmradarsysteme testweise zum Einsatz kommen. Im Falle der Vogesen gilt dabei ein Grenzwert von 80 Dezibel – Fahrgeräusch – also der alte mittlere Grenzwert für volle Beschleunigung im zweiten und dritten Gang ab 50 km/h nach Euro 3.

Lärmblitzer ab Herbst

Die Entwickler des Medusa-Systems arbeiten derzeit daran das reine Detektionssystem von Lärmquellen mit einer Kamera zur Aufzeichnung des Kennzeichens des überlauten Fahrzeugs zu koppeln, beim Motorrad entsprechend von hinten. Das passt zur Praxis in Frankreich, wo die Halterhaftung im Straßenverkehr höher wiegt als die Fahrerhaftung. In einer Testphase sollen die Lärmblitzer ab Herbst 2021 gehen, eine mögliche Strafverfolgung könnte ab 2022 in Kraft treten. Eine entsprechende juristische Grundlage ist derzeit in der Abstimmung und würde eine zunächst zweijährige Testphase der Lärmblitzer und der Strafverfolgung nach sich ziehen.

Radarfalle «Méduse»
Bruitparif

Lärmradar flächendeckend ab 2023

Ob nun mit Knöllchen oder ohne: Der flächendeckende Einsatz des Lärmradars zur Bestimmung kritischer Lärmcluster könnte ab 2023 in Frankreich folgen. Mittel- oder langfristige Folgen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Fahrverbote könnten dann auch ohne Individualstrafe für einzelne Lärmsünder sein.

Lärmblitzer in Deutschland?

In den aktuellen, teils hochemotionalen Debatten über Motorradlärm, Fahrverbote, Grundlagen und Interpretationen würde ein Lärmmesssystem gekoppelt an Strafen einigen Parteien gut passen. Derzeit fehlt dazu in Deutschland eine entsprechende rechtliche Grundlage und vor allem eine dem enormen Aufwand angepasste Strafhöhe: Übermässiger Lärm durch ein Fahrzeug ist derzeit mit einem Bußgeld von 20 Euro belegt. Geplant ist zwar eine Erhöhung auf 100 Euro, aber der Beschluss dazu fehlt noch.

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Fazit

Erneut macht Frankreich Druck in Sachen Verkehrsberuhigung. Nachdem in Paris auch aus Lärmgründen nur noch 30 gefahren werden darf, geht das Lärmradar mit Blitzfunktion einen großen Schritt weiter und soll Autos, LKW und Zweiräder gleichermaßen kontrollieren. Klar: Hier und da wird das System an spaßigen Motorradrouten zum Einsatz kommen, ob Medusa soweit ist eine größere Gruppe Krafträder zu separieren ist spannend, ebenso ob eine Gruppe leiser Motorräder nicht lauter wahrgenommen wird als es das Einzel-Krad eigentlich ist. Wie immer in Sachen Motorradlärm: Auf der Straße sind wir unseres eigenen Glückes Schmied.

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