Noch sind es Vorschläge, doch die lesen sich überraschend konkret. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder legt die Latte hoch und stellt die Ideen für günstigere Führerscheine detailliert dar. Hauptsächlich – natürlich – für die Klasse B. Doch schwingt in jedem Vorschlag der Wille mit, die Klasse A und alle anderen ebenfalls zu modernisieren.
Dabei sprechen die Vorschläge fast alle Bausteine an, die zum Mtorradführerschein benötigt werden.
1. Online zum Lappen
Heute gilt: Für den Motorradführerschein sind 12 Doppelstunden Präsenzunterricht vorgeschrieben. Und nicht nur das: Die Schulungsräume der Fahrschule müssen hohen Standards für Raumgrößen sowie Ausstattung genügen. Weiterhin sind Lehrmittel und Dokumentationspflichten detailliert geregelt.
Das soll kommen: Der Präsenzunterricht kann komplett entfallen und der theoretische Unterricht kann vollständig online möglich sein. Fahrschulen können frei entscheiden, ob sie Präsenzunterricht, reine Onlineformate oder Mischformen anbieten. Eine gesetzliche Präsenzpflicht soll entfallen.
Die strengen Vorgaben zu den Unterrichtsräumen sollen gestrichen werden. Die bisher detaillierten Quadratmeter- und Luftvolumenvorgaben für die Unterrichtsräume sollen den allgemeinen Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung entsprechen. Ebenfalls sollen die konkreten gesetzlichen Vorgaben zu Lehr- und Lernmitteln entfallen. Die Fahrschule entscheidet eigenständig, wie sie die europarechtlich vorgegebenen Inhalte vermittelt.
2. Weniger Fragen, gleiche Punkte
Heute gilt: Stand April 2025 umfasst der Fragenkatalog für den Motorradführerschein 973 Fragen. Je nach Wertung mit Fehlerpunkten von 2 bis 5 gewichtet. 11 Fehlerpunkte bedeutet nicht bestanden, ebenso wenn 2 Fragen mit einer Wertung von 5 Punkten falsch beantwortet wurden – meist Fragen zur Vorfahrt.
Das soll kommen: Am Beispiel des Fragenkatalogs für die Klasse B mit derzeit 1.169 Fragen zeigen die Vorschläge das Reduzieren um gut ein Drittel (28,14%) auf rund 840 Fragen. Im gleichen Zug soll das Punktesystem auf "Eine Frage, ein Punkt" vereinfacht werden, allerdings dürfen dann sicherheitsrelevante Fragen nicht falsch beantwortet werden. Ähnliche Neuerungen stellt der Minister für die anderen Fahrerlaubnisklassen in Aussicht.
Übrigens: Aktuell gelten als sicherheitsrelevante Fragen alle Fragen, die sich auf den technischen Zustand des Fahrzeugs beziehen.
3. Endlich weniger zahlen
Der wohl wichtigste Punkt für Fahrschüler, der tatsächlich direkt die Kosten senken könnte, ist der Vorschlag, die obligatorischen Sonderfahrten zu reduzieren.
Heute gilt: Für den Motorradführerschein vorgeschrieben sind aktuell zwölf verpflichtende Sonderfahrten à 45 Minuten, aufgeteilt in Überland-, Autobahn- und Dunkelfahrten.
Das soll kommen: Es sollen nur noch drei Sonderfahrten vorgeschrieben sein, jeweils eine Überlandfahrt, eine Autobahnfahrt und eine Dunkelfahrt. Diese müssen weiterhin im realen Straßenverkehr stattfinden und dürfen nicht auf einem Simulator durchgeführt werden.
Übrigens: Die vorgeschriebenen Sonderfahrten sind eine Eigenart. In der EU-Verordnung zur Fahrausbildung sind die nicht vorgesehen, was nicht heißt, dass es sie nur in Deutschland gibt.
4. Übungsstunden am Simulator
Heute gilt: Im Gegensatz zu Sonderfahrten sind Übungsfahrten für den Motorradführerschein nicht vorgeschrieben, gehören aber in der Realität zur Fahrausbildung dazu – und machen einen wesentlichen Teil der Führerscheinkosten aus. Teilweise können diese Übungsfahrten heute schon teilweise an Simulatoren erfahren werden, das ist jedoch nicht für alle Klassen ausdrücklich geregelt.
Das soll kommen: Simulatoren sollen künftig in allen Fahrerlaubnisklassen rechtlich zulässig sein. Eine Nutzungspflicht ist nicht vorgesehen.
5. Weniger Zeit zum Durchfallen
Heute gilt: Die Mindestfahrzeit in der praktischen Prüfung zum Motorradführerschein beträgt 30 Minuten, die Prüfungsdauer selbst ist auf 55 Minuten angesetzt.
Das soll kommen: Ebenfalls auf die vom EU-Recht erlaubte Mindestfahrzeit von 25 Minuten soll dieser Teil reduziert werden. Die Prüfungsdauer soll künftig maximal 40 Minuten betragen. Ziel ist es, mehr Prüfungen pro Tag durchführen zu können und Wartezeiten zu verkürzen.
6. Was kostet die Fahrstunde im Preisvergleich?
Ebenfalls wohl einer der wichtigsten Punkte für Fahrschüler ist die geplante Preistransparenz der Fahrschulen.
Heute gilt: Fahrschulen müssen ihre Preise nur vor Ort aushängen. Das erschwert oder verhindert klare Preisvergleiche von Fahrschule zu Fahrschule.
Das soll kommen: Künftig sollen Fahrschulen ihre Preise vierteljährlich in einem einheitlichen Format an die Mobilithek melden. Vergleichsportale können diese Daten abrufen und online darstellen. Zusätzlich soll der Erfolg in den praktischen Prüfungen je Fahrschule veröffentlicht werden.
Weitere Vorschläge des Ministeriums betreffen das Vereinfachen der Ausbildung zum Fahrlehrer/zur Fahrlehrerin und zum Prüfer/zur Prüferin. Ebenfalls soll für die Klasse B eine Laienschulung mit nahen Angehörigen möglich sein, um die Zahl der Übungsstunden zu reduzieren.












