Selbst ohne den neuen Super-Akku "Donut Solid State" ist die Verge TS Pro das fortschrittlichste leistungsstarke Elektro-Motorrad. Doch die neue Feststoffbatterie stößt in eine neue Dimension vor. Nicht nur durch die Kapazität: 33,3 kWh.
Viel heftiger als die theoretische Reichweite von 600 Kilometer ist die Ladeleistung von bis zu 200 kW per Gleichstrom. Und damit gut das 4-fache wie bisher, das 15-fache einer Zero DSR/X, das 18-fache der neuen Honda WN7 und das 12-fache einer LiveWire One.
Ladeleistung schlägt Reichweite
In der echten Welt schlägt die Ladeleistung die Reichweite. Immer. Nichts bringt weniger als nach 200 Kilometern in 3 Stunden ebenso lange zu laden, um weiterzukommen. Die neue Verge TS Pro soll für 300 Kilometer in 10 Minuten laden können. Und nicht nur schnell, sondern mittlerweile fast überall, denn dank Gleichstrom-Laden per CCS kann die Verge an die verbreiteten Schnelllader ran.
Hier muss gerade Zero Blöße zeigen, denn ihr Typ-2-Stecker ist heute im Feld vom Aussterben bedroht. Hondas neue WN7 profitiert von einem CSS zwar nicht direkt, kann allerdings angeschlossen werden. Die aktuellen Ladeleistungen im Überblick:
- Verge TS Pro: bis zu 200 kW
- Energica Experia: bis zu 24 kW
- Livewire One: bis zu 22 kW
- Zero DSR/X und SR/F: bis 12.6 kW
- Honda WN7: bis zu 11 kW (errechnet)
Die größten Akkus in aktuellen Bikes
33,3 kWh Kapazität gibt Verge für die neue große Feststoffbatterie in der TS Pro an. In der Basis sind es weiterhin 20,2 kWh. Jeweils brutto.
An die große Version kommt derzeit kein anderer Hersteller ran, und selbst die bekannten Energica-Modelle hatten am Ende maximal 22,5 kWh brutto. Einzig die beiden Top-Modelle DSR/X und SR/F von Zero können optional um 3,6 kWh erweitert auf 20,9 kWh Kapazität kommen. Die aktuellen Akku-Kapazitäten im Überblick:
- Verge TS Pro: 20,2 kWh oder 33,3 kWh brutto
- Energica Experia: 22,5 kWh brutto (aktuell nicht neu zu haben)
- Zero DSR/X und SR/F: 17,3 kWh oder 20,9 kWh brutto
- LiveWire One (früher Harley-Davidson LiveWire): 15,4 kWh brutto
- Honda WN7: 9,3 kWh brutto
- BMW CE 04: 8,9 kWh brutto
Was ist eigentlich eine Feststoffbatterie?
Verge rüstet die neue TS Pro erstmals mit einer Feststoffbatterie aus. Derartige Zellen weisen eine hohe Energiedichte auf. Im Falle der Zellen von Verge sind es laut Hersteller Donut Lab 400 Wh/kg. Zum Vergleich kommen herkömmliche Lithium-Zellen auf derzeit knapp über 200 Wh/kg.
Der Kniff der Solid-State-Zellen ist: Durch den festen Separator kann die Anode statt aus Grafit aus Lithium bestehen, was die Energiedichte sowie die Ladeleistungen deutlich steigert. Aus welchem Material Donut Lab den Separator und die Kathode fertigt, ist bislang geheim, denn exakt das scheint der Clou zu sein. Donut Lab als kleines Start-up hat mit geringen Investitionen wohl geschafft, was große Hersteller mit Milliarden bisher nicht fertigbrachten.
Ein weiterer großer Vorteil der Feststoffzellen ist die Sicherheit. Durch den Wegfall flüssiger oder gelartiger Elektrolyte liegt die kritische Temperatur für das thermische Durchgehen viel höher als bei herkömmlichen Zellen.
Grob: Beginnen ungewollte Reaktionen in der Zelle bei herkömmlicher Bauweise schon ab 50 Grad Celsius, sind Solid-State-Zellen theoretisch bis 200 Grad frei von ungewollten Reaktionen. Aber: Darüber geht alles rasant und heftig.
Und die hohe Stabilität bei hohen Temperaturen bringt einen Nachteil mit sich: Solid-State-Zellen benötigen eine vergleichsweise hohe Temperatur von mindestens 25 Grad Celsius für optimale Funktion. Entsprechend überrascht, dass Donut Lab von bis zu -30 Grad und über 100 Grad wirbt.
Unterm Strich: Die Feststoffbatterie gilt aus gutem Grund als Zukunftstechnik.
Punktet die Verge weiter?
Hohe Kapazität mit theoretisch hoher Reichweite und hohe Ladeleistung schaufeln der neuen Verge TS Pro viele Punkte auf das Konto. Passend dazu sind große Zahlen für die Leistung des Radmotors. 102 Kilowatt oder 139 PS leistet der nabenfreie Radmotor und damit deutlich mehr als die vergleichbaren Top-Modelle von Zero mit 111 PS.
Nicht vergleichbar sind allerdings die von Verge gern beworbenen 1.000 Nm Drehmoment. Zwar ist die Angabe technisch korrekt, da der Motor das Rad ist, doch aus den 190 Nm des Zero-Antriebs kann je nach Lastzustand und Geschwindigkeit ein ähnlich hoher Wert entstehen. Denn das Raddrehmoment hängt von der Übersetzung und dem Wirkungsgrad ab.
Zum Vergleich: Die TS Pro benötigt laut Verge von 0 auf 100 km/h 3,5 Sekunden. Diesen Wert gab Energica bei der Experia in Verbindung mit 115 Nm Drehmoment an. Und die Zero SR/F liegt in einem ähnlichen Bereich. Dito das Gewicht.
Überraschend leichte Verge
Bereits vor dem neuen Akku rüstete Verge die TS Pro mit einem überarbeiteten Motor auf. Insbesondere das Gewicht des Antriebs wurde adressiert. Wog der Vorgänger noch um die 50 Kilo, soll der neue Motor "Donut 2.0" um 50 Prozent leichter sein. Einziger Hinweis darauf: Die neue Verge TS Pro ist mit einem Gewicht von 235 Kilo angegeben. Der Vorgänger noch mit 250 Kilogramm.
Und mit den 235 Kilo pirscht die Verge sich überraschend nahe an die etablierten Modelle heran. So wiegt eine Zero SR/F 227 Kilo, die Enduro DSR/X gar 247 Kilo. Und selbst der BMW CE 04 bringt als Roller 231 Kilo auf die Waage.
Leistung kostet
So abgedroschen es klingt: Elektro fahren ist teuer. Egal, auf wie vielen Rädern. Verge verlangt für die neue TS Pro 36.581 Euro. Das Upgrade auf die große Batterie kostet 3.000 Euro, dann also insgesamt knapp 40.000 Euro.
Die Zero SR/F kostet mit dem Upgrade der Batterie auf 21 kWh 26.759 Euro, die DSR/X 27.749 Euro. Die Energica Experia kostete neu grob 25.000 Euro, und ein voll ausgestatteter BMW CE 04 kommt knapp über 15.000 Euro.












