Auf der Rennstrecke entwickelt
Die Desmo 250 MX komplettiert Ducatis rasant gewachsene Sport-Offroad-Palette, die zum 100-jährigen Jubiläum binnen rund eines Jahres von einem auf fünf Modelle angewachsen ist. Entwickelt wurde der Neuling der Ducati-DNA entsprechend im Renneinsatz: Alessandro Lupino führt mit dem Motorrad aktuell die italienische MX2-Meisterschaft an, Ferruccio Zanchi fährt es in der MX2-Weltmeisterschaft, und Simone Mancini liegt in der 250er-Europameisterschaft vorn. Das Entwicklungsgerät hat also bereits bewiesen, was es kann – umso spannender die Frage, was davon in der Serie ankommt.
44,5 PS bei 12.500/min, 28,3 Nm bei 8.800/min
Das Herzstück der Ducati Desmo 250 MX ist ein komplett neu konstruierter 249,7-ccm-Einzylinder, dessen desmodromischer Ventiltrieb mit Titan-Einlass- und Stahl-Auslassventilen Drehzahlen bis zum Begrenzer bei 15.000 Umdrehungen erlaubt. Bohrung und Hub (81 x 48,4 Millimeter) übernimmt der kleine Racer übrigens vom Superbike Panigale V4 R. Die Eckdaten: 44,5 PS bei 12.500 Touren, 28,3 Nm maximales Drehmoment bei 8.800 Umdrehungen.
Wichtiger als die Spitzenwerte war den Entwicklern ein breit nutzbares Drehzahlband – mit einer guten Gasannahme soll das Triebwerk von unten heraus bis zum langen Überdrehen kräftig anziehen. Dank der hohen Drehzahlen und Überdrehfähigkeit soll man die Gänge in entscheidenden Momenten wie Start und Kurvenausgang lange eingelegt lassen können.
Trotz des Desmo-Ventiltriebs, der konstruktionsbedingt etwas mehr wiegt, bringt der Motor ohne Betriebsflüssigkeiten nur 24,7 Kilogramm auf die Waage. Gespeist wird er von einem 44er-Mikuni-Drosselklappenkörper, geschaltet über ein klassenübliches Fünfganggetriebe mit zuschaltbarem Quickshifter für die Hochschaltvorgänge. Die hydraulische Brembo-Kupplung der Ducati Desmo 250 MX arbeitet mit sieben Scheiben und Tellerfeder, was auch bei fortschreitendem Verschleiß konstante Dosierbarkeit sichern soll.
Bewusst straff abgestimmt
Der Aluminium-Perimeter-Rahmen der Ducati Desmo 250 MX stammt von der 450er, wurde aber über die Motorhalterungen gezielt auf die 250er-Klasse abgestimmt und gehört mit rund neun Kilogramm zu den leichtesten im Feld. Beim Fahrwerk kommen die bekannten Showa-Komponenten zum Einsatz: die 49er-Closed-Cartridge-Gabel mit Kashima-Beschichtung und das Federbein mit progressiver Umlenkung, jedoch mit einer eigenen Abstimmung.
Interessantes Detail: Obwohl die Ducati Desmo 250 MX rund zwei Kilogramm leichter ist, verbaut Ducati die gleichen Federraten wie an der 450er. Der Hintergrund: Eine 250er wird aggressiver gefahren und stärker attackiert, entsprechend straffer soll das Fahrwerk diesen Fahrstil unterstützen, während die große Schwester komfortabler abgestimmt ist.
Ducati Desmo 250 MX: Bis 15.000/min dreht dieser neue Einzylinder-Motor
Ducati Desmo 250 MX wiegt 103 Kilogramm
Fahrfertig ohne Sprit wiegt die Maschine 103 Kilogramm. Die Bremsanlage mit Brembo-Zangen und Galfer-Scheiben (260/240 Millimeter) übernimmt die Ducati Desmo 250 MX unverändert von der 450er, dazu kommen Excel-Felgen mit gefrästen Alu-Naben und die neuen Pirelli Scorpion MX32 Mid-Soft-Reifen. Aus dem Feedback der 450er-Kunden sind zudem einige Detailverbesserungen eingeflossen: ein größerer Tankeinfüllstutzen, weiter herausragende Spitzen an Schalt- und Fußbremshebel und eine stabilere Kettenführung.
Bei der Elektronik profitiert die Desmo 250 MX von Ducatis MotoGP- und Superbike-Erfahrung: Zwei über die X-Link-App individualisierbare Mappings, eine dreistufige (und komplett abschaltbare) Traktionskontrolle, zweistufige Motorbremse, Launch Control und der Quickshifter sind an Bord. Die patentierte Ducati Traction Control (DTC) regelt dabei anhand des tatsächlichen Schlupfs am Hinterrad.
Auch die vorausschauende Wartung übernimmt der Neuling: Ein Algorithmus errechnet aus der tatsächlichen Belastung die Serviceintervalle. Öl und Filter sind nach 15 Stunden fällig, Ventilspielkontrolle und erster Kolbenwechsel je nach Einsatzhärte nach 45 bis 60 Stunden, die komplette Motorrevision nach 90 bis 120 Stunden.
Hochdrehen erwünscht
Doch genug der Theorie – die Ducati Desmo 250 MX machte es einem vom ersten Meter an leicht, Vertrauen zu fassen. Der Star ist auch hier der Motor. Er dreht unheimlich hoch, und wer verstanden hat, wie er gefahren werden will – niedrige Gänge lange stehen lassen, den Motor drehen lassen –, wird mit einem richtig starken Vortrieb belohnt.
Die Ducati Desmo 250 MX lebt in den oberen Drehzahlregionen, ohne unten herum schwach zu sein: Wer an ausgefahrenen Streckenabschnitten dennoch lieber einen Gang höher fährt, um Ruhe ins Fahrwerk zu bringen, kann sich auf das Drehmoment in der Mitte verlassen, der Motor zieht sauber und geradlinig durch. Von den zwei Mappings bin ich hauptsächlich das aggressive gefahren; das sanftere fühlt sich jedoch keineswegs langsam an und dürfte mit einer weicheren Gasannahme auf rutschigem Geläuf eine echte Hilfe sein.
Ducati Desmo 450 MX: Die erste Motocross-Ducati
Elektronische Fahrhilfen der Ducati Desmo 250 MX sind echtes Plus
Ein weiteres Plus an der Ducati Desmo 250 MX sind die elektronischen Fahrhilfen. Der typische Motocrosser sagt oft: brauche ich nicht, will ich nicht – doch Ducati beherrscht die Technologie so gut, dass jede Funktion als angenehmer Assistent arbeitet. Mit aktivierter Traktionskontrolle (Stufe eins von drei reichte mir) bin ich an rutschigen Stellen deutlich selbstbewusster ans Gas gegangen und fehlerfreier gefahren. Zudem konnte ich damit noch weiter springen.
Wichtig zu wissen: Ein kurzes Antippen der Kupplung deaktiviert das System für einen Moment – praktisch überall dort, wo man bewusst mit vollem Schub beschleunigen will. Entwicklungsfahrer Lupino bringt den Unterschied zu anderen Systemen auf den Punkt: Die DTC nimmt keine Leistung weg, sondern passt die Charakteristik an, sobald das Rad durchdreht.
Quickshifter und Launch Control
Der Quickshifter blieb bei mir nach kurzem Ausprobieren den ganzen Tag aktiviert. In Kombination von Traktionskontrolle und Quickshifter kann der "Kupplungsfinger" mit den anderen Fingern am Lenker bleiben, das Festhalten wird dadurch lockerer und man spart spürbar Kraft. Auch die Launch Control der Ducati Desmo 250 MX verrichtete bei mehreren Starts zuverlässig ihren Dienst.
Fahrwerk, Reifen, Bremsen, Ergonomie
Das Fahrwerk brauchte kaum Zuwendung: ein Klick mehr Druckstufe an der Gabel, eine Viertelumdrehung mehr Highspeed-Druckstufe am Federbein – damit stand die Ducati Desmo 250 MX etwas höher im Federweg und passte für mein relativ hohes Tempo perfekt. Selbst bei großen Sprüngen schlug nichts durch, die Maschine blieb stets ruhig und vertrauenerweckend.
Die neuen Pirellis überzeugten sowohl im tiefen, schweren Boden der Morgenstunden als auch auf den hart gefahrenen Stellen am Abend. Bremsen und Kupplung arbeiten auf Top-Niveau, die Ergonomie bietet ausreichend Bewegungsfreiheit und Kontaktflächen mit gutem Grip.
Ducati Desmo 250 MX auf einen Blick
- Motor: Einzylinder-Viertakt "Desmo250", 249,7 ccm, desmodromische Ventilsteuerung (Titan-Einlassventile), bis 15.000/min, 44-mm-Mikuni-Drosselklappe, 5-Gang-Getriebe mit Quickshifter, Brembo-Hydraulikkupplung
- Leistung: 44,5 PS bei 12.500/min, 28,3 Nm bei 8.800/min; Motorgewicht 24,7 kg
- Chassis: Aluminium-Perimeter-Rahmen (ca. 9 kg), Alu-Gussschwinge; Gewicht fahrfertig ohne Kraftstoff: 103 kg
- Fahrwerk: Showa 49-mm-Closed-Cartridge-Gabel, 310 mm Federweg, Kashima-Beschichtung / Showa-Federbein, 301 mm, voll einstellbar, modellspezifische Abstimmung
- Bremsen: Brembo-Zangen, Galfer-Scheiben 260 mm vorne / 240 mm hinten
- Räder/Reifen: Takasago Excel-Felgen mit Alpina-Speichen, 21 Zoll vorne / 19 Zoll hinten, Pirelli Scorpion MX32 Mid-Soft
- Tank: 7,2 Liter
- Elektronik: 2 Power Modes, 2 Riding Modes (via X-Link-App konfigurierbar), Ducati Traction Control (3 Stufen, abschaltbar), Launch Control (3 Stufen), Engine Brake Control (2 Stufen), Quickshifter
- Service: Öl/Filter alle 15 h; Ventilspiel/Kolben nach 45–60 h; Motorrevision nach 90–120 h (belastungsabhängig via X-Link)
- Farbe: Ducati Red
- Preis: ab 11.290 Euro
- Verfügbarkeit: ab sofort bei weltweit rund 310 Ducati-Offroad-Händlern
















