Fast zwei Jahrzehnte lang ignorierte KTM das Segment leichter, einzylindriger Offroad-Reiseenduros mit Wind- und Wetterschutz. Dabei stand mit der 690 Enduro das perfekte Basis-Bike längst bereit. Stattdessen übernahmen Firmen wie Rebel X Sports und Rade Garage die Aufgabe, diese Enduro zu einer "Adventure" umzubauen – mit Vorbau, lenkerfester Verkleidung und zusätzlichen Fronttanks. Das Ergebnis: eine KTM 690 "Adventure", die an die 2007 eingestellte 640er erinnerte. Diese Umbauten waren erfolgreich und sind seit einigen Jahren in Deutschland sogar legal eintragungsfähig.
Für Schotterpisten, unbefestigte Straßen und Single-Trails
Doch das ist Geschichte. Mit dem Modelljahr 2027 bringt KTM endlich die 690 Rally auf den Markt – eine Reiseenduro unter 200 Kilogramm, die Abenteurer anspricht, die Schotterpisten, unbefestigte Straßen und Single-Trails erobern wollen, ohne ein schweres Motorrad zu bewegen. Der Markt bietet zwar Alternativen, doch die meisten sind schwer und überladen.
Yamahas Ténéré 700 lockt Puristen, während Modelle wie die BMW F 900 GS mit Zubehörpaketen die 20.000-Euro-Marke knacken. CFMoto, Aprilia, Honda und Suzuki liefern ähnliche Konzepte: Reihen-Twins mit 75 bis 110 PS, vollgetankt über 200 Kilo schwer und ausgestattet mit Komfort-Features wie riesigen Displays und Konnektivität. Dabei gilt offroad seit jeher: Weniger ist mehr.
KTM 690 Rally wiegt fahrbereit 177 Kilo
Hier punktet die KTM 690 Rally. KTM gibt ein Trockengewicht von 162 Kilogramm an. Mit 20 Litern Sprit wiegt sie fahrbereit etwa 177 Kilo – ein Spitzenwert. Voll beladen für eine Weltreise bleibt sie so leicht wie die Konkurrenz ohne Gepäck. Das zahlt sich aus, wenn man auf rutschigem Untergrund balanciert oder das Motorrad in unwegsamem Gelände aufrichten muss.
Natürlich werden Besitzer schwerer Maschinen einwenden: "Ich habe Komfort, den eine 690er nicht bietet." Das stimmt nur bedingt. Die KTM 690 Rally hat aufgerüstet: Windschutz und Reichweite sind vorhanden, ein Tempomat (leider optional) ebenfalls. Auch Schaltautomat und der "Rally-Mode" kosten extra – dazu später mehr.
Ergonomie überzeugt, bis auf die Sitzbank
Dafür überzeugt die Ergonomie, ob im Sitzen oder Stehen. KTMs Rallye-Erfahrung zeigt sich in Details wie den extrabreiten Fußrasten, die perfekten Halt bieten. Ein Schwachpunkt bleibt die Sitzbank: Sie ist höher und besser gepolstert als bei der KTM 690 Enduro, aber nach 90 Minuten unbequem. Hier besteht Nachholbedarf – ähnlich wie bei der ersten Ténéré 700, deren Sitzbank im Dauertest ebenfalls durchfiel.
Vorstellung KTM 690 Rally
Zwischen entspanntem Reisen und sportlichem Fahren
Und sonst? Alles bestens bei der KTM 690 Rally. Fahrwerk und Motor meistern den Spagat zwischen entspanntem Reisen und sportlichem Fahren. Das Fahrwerk spricht sensibel an, dämpft Unebenheiten sauber weg und bietet mit großzügigen Federwegen Sicherheit bei hohem Tempo. Der 79 PS starke Einzylinder zieht ab 2.500 Umdrehungen kräftig durch – ideal für Tourenfahrer. Wer es sportlicher mag, dreht über 4.500 Touren und erlebt ein Triebwerk, das mitreißt, während der Hinterreifen nach Grip sucht.
Rally-Mode kostet Aufpreis
KTM liefert die 690 Rally serienmäßig mit zwei Fahrmodi: Street und Offroad. Der Street-Mode eignet sich für nasse, rutschige Straßen, bremst aber den Fahrspaß erfahrener Piloten. Wenigfahrer oder vorsichtige Fahrer werden ihn schätzen. Der Offroad-Mode ist für den Einsatz im Gelände gedacht, bietet aber keine Dynamic Slip Control (DSC). Diese gibt es nur im Rally-Mode – und der kostet extra. Wie viel, verriet KTM bislang nicht.
Das ist schade, denn der Rally-Mode ist das Highlight der KTM 690 Rally. Besonders die Slip Control überzeugt: Sie erlaubt kontrollierte Drifts und steigert den Fahrspaß enorm. Nach zwei Testtagen steht fest: Wer die KTM 690 Rally kauft, sollte diesen Modus unbedingt dazubuchen.
Preis für die KTM 690 Rally
Die KTM 690 Rally kostet 13.499 Euro, hinzu kommen 495 Euro Liefernebenkosten. Um alle elektronischen Helferlein inklusive des Fahrmodus Rally nutzen zu können, sollte das TechPack für 639 Euro mitbestellt werden. Erst dann wir aus der neuen Adventure – sorry, der neuen 690 Rally – auch wirklich eine Rally.
















