Kawasaki Z 650 S (2026) im Fahrtest: Dauerbrenner jetzt mit Zusatz-S

Kawasaki Z 650 S (2026) im Fahrtest
Dauerbrenner jetzt mit Zusatz-S

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.03.2026
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Vor mittlerweile zehn Jahren, anno 2016, ersetzte die Kawasaki Z 650 die etwas angestaubte ER-6 und katapultierte sich beinahe in Lichtgeschwindigkeit zu einer DER Vertreterinnen in der kleinen Naked Bike-Klasse. Ihre Tugenden, ein scharfes Design mit einem adäquaten Antrieb sowie hohe Benutzerfreundlichkeit bei maximalem Kampfpreis zu kombinieren, sorgten für einen gigantischen Erfolg.

Kawasaki Z 650 S – ein Quäntchen besser

Bis heute ist die Kawasaki Z 650 nach ihrer größeren Schwester mit 900 Kubik Kawas wichtigste Cashcow. Aus diesem Grund blieb die Z 650 in ihrer zehnjährigen Lebensspanne im Großen und Ganzen auch immer die Alte. Klar, hier und da bekam sie kleine Updates, der Motor wurde den Euro-Abgasnormen angepasst. Aber im Grunde galt bei ihr das Credo "Never change a running System". Doch ganz auf den Lorbeeren des ausgereiften Konzeptes wollte sich Kawasaki für 2026 dann doch nicht ausruhen und spitzt die 650er an. An dieser Stelle können wir schon einmal Entwarnung geben: Sie bleibt ganz die Alte – jedoch ein Quäntchen besser.

Feine Evolution statt große Revolution

Im Grunde sprechen wir bei der neuen Kawasaki Z 650 S – ein Modell ohne "S" im Namen wird es nicht mehr geben – von einer feinen Evolution statt großer Revolution. Ihre Grundmerkmale bleiben weiterhin vorhanden. Dazu zählt vor allem der Antrieb: Der 649 Kubik große Reihenmotor mit zwei Zylindern hat zwar schon in seinem Grundgerüst über zehn Jahre auf dem Buckel, von seinen Qualitäten büßt er jedoch nichts ein.

Neben Euro-5-Plus dopten die Kawa-Ingenieure den Parallel-Twin für die Kawasaki Z 650 S mittels angepassten Mapping im unteren bis mittleren Drehzahlbereich. Im echten Fahrbetrieb ist davon jedoch kaum etwas zu spüren – was aber kein Manko darstellt. Auf unserer kurvigen Teststrecke schiebt der 68 Pferde starke Twin die laut Kawasaki 190 Kilogramm leichte Z 650 S (Trockengewicht: 171 Kilogramm) spielerisch und lustvoll durch die Landschaft.

Kawasaki Z 650 S optional mit Quickshifter

Schon ab 2.000 Touren liefert das Aggregat genügend Schmalz, um schaltfaul im dritten von sechs Gangstufen des kurz übersetzten Getriebes aus jedweder engen Kehre zu galoppieren. Bei 6.700 Umdrehungen liegt die Drehomentspitze bei 64 Newtonmeter – ein Wert, der für die Kawasaki Z 650 S vollkommen ausreicht.

Apropos schaltfaul: Neuerdings kann die Kawasaki Z 650 S mit Quickshifter geordert werden – ein Wunsch, der bei vielen Fans der Zett schon lange auf Erfüllung wartete.

Ab etwa 5.500 Umdrehungen flutscht der nächst-höhere Gang mittels Schaltautomat sauber hinein – unter dieser Marke braucht es jedoch etwas Nachdruck, weshalb im untertourigen Drehzahlbereich eher konventionell über die leicht zu bedienende Anti-Hopping-Kupplung eine Stufe höher geschaltet werden sollte.

Gabel und Federbein arbeiten sauber

Ebenfalls bleibt die Kawasaki Z 650 S ihrem Chassis sowie Fahrwerk treu. Wie schon bei ihrer Vorgängerin trägt der identische 15 Kilogramm leichte Rohrrahmen den Twin, eine klassische Zweiarmschwinge mit angedeuteter Bananenoptik und gut 4,8 Kilogramm Gewicht führt das Hinterrad. Vorn arbeitet eine nicht einstellbare, konventionelle Telegabel und hinten ein in der Vorspannung anpassbares Federbein. Fahrdynamisch reicht dieses Set-Up vollkommen aus.

Beim flotten Kurvenwedeln oder gemütlichen Cruisen bietet das Fahrwerk keinen Grund zur Beanstandung. Sauber schlucken Forke und Federbein Bodenwellen, Reserven bieten beide Fahrwerkskomponenten zur Genüge. In der Abstimmung ist das Fahrwerk der Kawasaki Z 650 S eher auf der komfortableren Seite angesiedelt, sprich eher soft und weniger straff – beim wirklich derben Anfeuern kommt besonders die 41 Millimeter im Durchmesser fassende Gabel daher an ihre Grenzen.

OEM-Bereifung vermittelt ein top Gefühl

Ein kleiner Wehrmutstropfen: Beim harten Ankern in Schräglage stellt sich die Kawasaki Z 650 S leicht auf und benötigt etwas Nachdruck, um auf der angepeilten Linie zu bleiben. Ob mit anderen Pneus – die Kawa rollt auf Dunlop Roadsport 2 in den Dimensionen 120/70 ZR 17 und 160/60 ZR 17 – hier Abhilfe geschaffen werden kann, muss in einem ausführlicheren Test geklärt werden. Aber, keine Panik: Die OEM-Bereifung der Kawasaki Z 650 S gript genügend und vermittelt ein top Gefühl!

Doch, seien wir ehrlich: Die Kawasaki Z 650 S will kein Renntier sein, sondern richtet sich besonders an Einsteiger oder 125er-Aufsteiger – weshalb die Kawasaki Z 650 S auch von Haus aus als A2-taugliche Variante mit 48 PS angeboten wird. Aus diesem Grund passt das Fahrwerk, so wie es ist, auch bestens zu der kleinen Kawa – es überfordert nicht, bietet genügend Fahrkomfort und reicht dick für mächtig Kurvenspaß.

Vorderradbremse überzeugt durch feinen Druckpunkt

Selbiges gilt auch für die Bremse der Kawasaki Z 650 S: Mittels Zweikolben-Sätteln und 300er-Bremsscheiben vorn und Einkolben-Sattel sowie 220er-Scheibe hinten stoppt die Kawasaki Z 650 S souverän ab. Gerade das Gefühl für die vordere Bremse überzeugt durch einen feinen Druckpunkt, der selbst nach dutzenden harten Bremsmanövern hinein in enge Serpentinen nicht schwammig wird.

Traktionskontrolle und ABS

Gibt es denn Neuerungen im Bereich der Elektronik? Nein – und wir können sagen, dass das auch nicht vonnöten war. Die in drei Stufen einstellbare Traktionskontrolle verrichtet ihren Job gewissenhaft, kommt aber – so ehrlich müssen wir sein – bei den 68 PS der Kawasaki Z 650 S kaum ins Schwitzen. Doch: Besser haben als brauchen.

Ebenfalls arbeitet das ABS von Continental ordentlich und greift nicht zu früh ein. Falls das ABS dann doch mal einhaken muss, fallen die Regelintervalle nicht allzu ruppig aus und halten das Vorderrad der Kawasaki Z 650 S sauber auf Kurs.

Neues 4,3 Zoll großes TFT-Display

Neu hingegen ist ein 4,3 Zoll großes TFT-Display, das im Look und in der Darstellung dem der Z 900 ähnelt.

Wirklich neu an der Kawasaki Z 650 S: das Design

Nun aber kommen wir zur größten und wichtigsten Neuerung: dem Design. Die Kawasaki Z 650 S bekam von den Designern einen erwachseneren Look verpasst, der dem Naked Bike einen wahrlich bulligen Auftritt verschafft. Dem Look geschuldet hat die Kawasaki Z 650 S nun eine leicht veränderte Sitzgeometrie – und die kommt dem Bike wirklich zugute. Der Lenker sitzt 40 Millimeter weiter vorn, zehn Millimeter höher und baut dreißig Millimeter breiter, was in Verbindung mit einem 15 Millimter höherem Höcker für eine sportlich aktive Haltung, die einerseits für ein tolles Vorderradgefühl und andererseits für viel Bewegungsspielraum sowie Komfort sorgt.

Besonders größer gewachsene Personen profitieren von der neuen Geometrie. Dennoch bleibt die Kawasaki Z 650 S auch weiterhin eine adäquate Wahl für kleinere Menschen – die Sitzgeometrie kann sozusagen als eierlegende Wollmilchsau für jedwede Personengröße bezeichnet werden.

Fazit