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Gebrauchtberatung Ducati Hypermotard 1100

Tipps für den Gebrauchtkauf

Es gibt vernünftigere Motorräder als diese ab 2007 um vergnügungssüchtige Motorradfahrer buhlende Ducati Hypermotard 1100. Es gibt sogar vernünftigere Ducatis. Muss immer alles vernünftig sein? Eben!

Der Herr da oben im Bild heißt Rubén Xaus, ist Spanier und verdiente vor rund zehn Jahren sein Geld damit, auf einer Ducati in der Superbike-WM mächtig anzugasen – oder aber auf der Hypermotard-Präsentation zu zeigen, wie man sich in Bologna die artgerechte Fortbewegung des zweirädrigen Muskels vorstellte. Die erstmals auf der Mailänder Motorrad-Messe EICMA 2005 als Konzeptstudie gezeigte Ducati Hypermotard 1100 war seit der Yamaha Vmax (1983) die vermutlich am sehnlichsten erwartete Motorrad-Neuheit. 2007 gab Ducati dem Flehen der schwer angefixten Fans nach und stellte das Serienmodell in zweifacher Ausführung (Basis- und S-Version) endlich in die Läden.

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Die Ducati Hypermotard 1100 basiert auf der Multistrada, Rahmen und luftgekühlter Zweiventil-Motor sind nahezu baugleich, das Getriebe stammt vom Supersportler 1098. Dazu ein paar edle, aber doch handelsübliche Zulieferteile – eben ein typisches Baukastenprodukt. Aber ein bildschönes, welches das Konzept des damaligen Ducati-Chefdesigners Pierre Terblanche perfekt umsetzte: „Die Optik einer 500er, dazu die Power einer 1000er." Volltreffer, nie wieder wurden Zierlichkeit, Sehnigkeit und muskulöse Stämmigkeit so perfekt vereint.

Von technischer oder gar alltagstauglicher Perfektion war aber zumindest die erste Auflage der Ducati Hypermotard 1100 noch ein ganzes Stück entfernt. In Sachen Ergonomie und Lenkverhalten gab es Verbesserungspotenzial, was Ducati mit der Evo-Modellpflege 2010 auch zumindest teilweise (besonders beim SP-Modell) umsetzte. Das war nett, aber nicht kriegsentscheidend, denn wer sich heute das Hypermotard-Gebrauchtangebot anschaut, versteht in Anbetracht der meist geringen Laufleistungen, worum es bei ihr wirklich geht. Vernunft ist es jedenfalls nicht.

Marktsituation

www.factstudio.de
Ausgekippelt: Basis-1100er Mitte 2009 mit Bridgestone BT 016 statt BT 014 und deutlich besserem Fahrverhalten.

Die Neuzulassungszahlen waren nie hoch, das Gebrauchtangebot fällt entsprechend übersichtlich aus – ist dafür aber erstaunlich weit gefächert: von ganz günstig bis echt teuer.

5990 EUR
Beispiel: 1100 Evo, EZ 3/2010, 53.422 km
Händler-Angebot aus Bayern: Preis wäre für eine frühe 1100er bereits im unteren Bereich, für ein Evo-Modell ist das extrem niedrig – die Kilometer schrecken wohl ab

ab 5500 Euro
Beispielanzeige: Hypermotard 1100, 19.000 km, EZ 7/2007, HU 6/2017, scheckheftgepflegt, viel Carbon, Alcantara-bezogene Sitzbank, Anti-Hopping-Kupplung mit offenem Kupplungsdeckel, LED-Lenkerendenblinker, abnehmbare Fußrasten, zweites Steuergerät, VHB 5699 Euro (Privatangebot aus Berlin)
Niedriges Preisniveau. Bis 6000 Euro sind vereinzelt Discount-Angebote der Basis-1100er zu finden. Gründe: hohe Kilometerleistungen, Um-/Unfallschäden, klassische „Notverkäufe“ (Geldmangel?).

ab 6500 Euro
Beispielanzeige: Hypermotard 1100 S, 7054 km, EZ 7/2008, HU neu, aus erster Hand, frische Werkstattdurchsicht, Reifen sehr gut, Top-Zustand, 6700 Euro (Händlerangebot aus Baden-Württemberg)
Mittleres Preisniveau. Das Gros des Angebots bewegt sich zwischen 6500 und 7800 Euro. Für gute S-Modelle werden ab 6800 Euro verlangt, Evo-Modelle (ab Modelljahr 2010) liegen meist deutlich über 7000 Euro (Ausnahme: siehe ganz oben).  Auffällig: selten mehr als 20.000 Kilometer.

ab 8000 Euro
Beispielanzeige: Hypermotard 1100 Evo SP, 18599 km, EZ 3/2010, HU 3/2010, aus zweiter Hand, Inspektion neu, Termignoni-Auspuff, alle Plastik-Anbauteile durch Carbon ersetzt, VHB 8599 Euro (Privatangebot aus Bayern)
Hohes Preisniveau. Über acht Mille wird die Luft aus Verkäufersicht mächtig dünn, da haben eigentlich nur noch Ersthand-Sahneschnitten mit sehr niedriger Kilometerleistung eine Chance. Oder eben – wie im Beispiel – die Top-Version Evo SP, möglichst noch zusätzlich veredelt.

Modellpflege

Katrin Sdun
Ungewöhnlich: Die Sozia sitzt ggf. bequemer als der zu weit nach vorn verrutschte Fahrer.
  • 2005: Im November Vorstellung als Konzeptstudie auf der Motorradmesse EICMA.
  • 2007: Erstes Modelljahr der Serienversion als Hypermotard 1100 (11245 Euro) und besser ausgestattete Hypermotard 1100 S (13245 Euro). S-Paket: Öhlins- statt Sachs-Federbein, kohlenstoffbeschichtete Gabelgleitrohre, Schmiede- statt Gussräder, Pirelli- statt Bridgestone-Reifen, einteilige Bremszangen, diverse Karbon-Blenden. Farben: Rot, Weiß; Zulassungen in D: 341.
  • 2008: Preise und Farben unverändert; Zulassungen in D: 459.
  • 2009: Neue Preise: 11445/13445 Euro; zusätzliche Farbe: Schwarz; Zulassungen in D: 251.
  • 2010: Markteinführung Hypermotard 1100 Evo (11750 Euro) und Hypermotard 1100 Evo SP (13990 Euro): leichterer und stärkerer Motor (91 PS), SP-Version auch mit Fahrwerksverbesserungen. Zulassungen in D: 191.
  • 2011: Preise und Farben unverändert; Zulassungen in D: 147.
  • 2012: Letztes Modelljahr; neue Preise: 11990/ 14190 Euro; Sondermodell „Evo SP Corse Edition“. Zulassungen in D: 96.

Infos

Tests in MOTORRAD:

  • 2/2006 (V)
  • 13/2007 (TT)
  • 14/2007 (VT)
  • 5/2008 (VT)
  • 18/2008 (V)
  • 20/2009 (VT)
  • 26/2009 (FB)
  • 9/2010 (VT)
  • 2/2011 (VT)
  • 2/2012 (VT)
  • 14/2012 (VT)

V = Vorstellung, TT =  Top-Test, VT =  Vergleichstest, FB = Fahrbericht;

Fansites

Literatur: Modellspezifische, womöglich sogar deutschsprachige Werkstatt-Literatur externer Anbieter ist MOTORRAD nicht bekannt. Lesewütige Hobbyschrauber kommen um den Kauf von „Werks-Literatur“ nicht herum. Gute Markenkunde: „Die Ducati-Story“ von Ian Falloon, 304 Seiten, 260 Bilder, 29,90 Euro, Motorbuch Verlag, ISBN 978-3-613-02516-5

Konkurrenz

  • Aprilia SMV 750 Dorsoduro: Zweizylinder-V-Motor, 750 cm³, 91 PS, 211 kg, 0–100 km/h in 3,9 sek, Vmax: 200 km/h, Verbrauch 4,8 Liter, ab 4900 Euro, Freche Verpackung, gutmütiger (Motor-)Charakter, saubere Verarbeitung, nette Details, seit Herbst 2008 mit ABS lieferbar
  • BMW HP2 Megamoto: Zweizylinder-Boxermotor, 1170 cm³, 113 PS, 202 kg, 0–100 km/h in 3,4 sek, Vmax: 215 km/h, Verbrauch 4,3 Liter, ab 12900 Euro, Hoch, lang, radikal und als (zu teure) Neumaschine ein ziemlicher Flop. Mittlerweile ein (immer noch teures) Liebhaberstück
  • Husqvarna Nuda 900: Zweizylinder-Reihenmotor, 898 cm³, 105 PS, 198 kg, 0–100 km/h in 3,3 sek, Vmax: 225 km/h, Verbrauch 4,5 Liter, ab 7500 Euro, Famoser Motor aus dem BMW F 800-Bau­kas­ten, der aber nahezu alles besser kann und noch viel besser klingt. Echtes Funbike!
  • KTM 990 Supermoto: Zweizylinder-V-Motor, 1000 cm³, 116 PS, 208 kg, 0–100 km/h in 3,7 sek, Vmax: 220 km/h, Verbrauch 5,9 Liter, ab 6500 Euro, Quicklebendiger und bärenstarker Motor, scharfes Handling, top Bremsen – das Original vom Zweizylinder-Supermoto-Pionier

Händler-Interview

InterviewJörg Wahlers, 44. Ducati- und Kawasaki-Vertragshändler im niedersächsischen Scheeßel (www.team-wahlers.de) mit ganz viel Herzblut und Know-how für umbauwütige Angaser.

Wer interessiert sich für eine gebrauchte Hypermotard?

Menschen, die etwas Leichtes, Handliches und dabei Geiles suchen. Keine Vielfahrer, aber gestandene Motorradfahrer, altersmäßig so von 30 bis Mitte 40. Oft kommen sie aus dem Japaner-Bereich.

Wie beliebt ist die Hypermotard aus Händlersicht als Inzahlungnahme?

Wenn sie gepflegt ist und vernünftige Eckdaten und Historie hat – Historie ist ganz wichtig, also Einhaltung der Inspektionsintervalle mit Zahnriemenwechsel und so weiter –, dann verkaufst du die immer. Die standen nie lange bei uns.

Die beliebtesten Umbauaktionen?

Auspuff an erster Stelle, meistens von Termignoni. Eine andere Zahnriemenabdeckung und Heckumbau werden auch gern gemacht. Ein offener Kupplungsdeckel ist ebenfalls ganz
wichtig, damit es noch etwas mehr rasselt. Dazu viele kleine Gimmicks: Kohlefaser und eloxierte Teile gehen immer.

Stichwort Ducatisti-Typenkunde – sind Hypermotard-Fahrer irgendwie anders?

Die fahren vergleichsweise nicht viel damit. Die Leute bauen um, freuen sich an der tollen Optik, aber Langstreckenkilometer kommen da nicht zusammen. Bei manchen nicht mehr als 1000 bis 2000 Kilometer pro Jahr.

Gibt’s bei denjenigen, die dann doch etwas mehr fahren, eine erhöhte Sturzquote? Die Hypermotard ist von der Grundidee schließlich ein Messer-zwischen-den-Zähnen-Motorrad?

Ganz klar nein. Das ist wirklich kein klassisches Baller-und-Unfall-Motorrad. Das kaufst du dir, machst es hübsch, das sieht dann geil aus und fährt auch so, aber dann wird auch nichts kaputt gemacht. Das sieht dann zum Beispiel bei der sehr gern auf Rennstrecken bewegten Panigale ganz anders aus.

Die Basis-1000er und die S-Version, später die Evo und Evo SP unterschieden sich beim Neupreis immer um mindestens 2000 Euro. Macht sich das auch noch bei den Gebrauchtpreisen bemerkbar?

Die S- und SP-Modelle sind auch bei gebrauchten Ducatis immer gefragter. Das macht beim Verkaufspreis bei ansonsten gleichen Eckdaten durchaus um die 1000 Euro aus. Außerdem sind die Top-Versionen meist auch schneller verkauft, länger als maximal vier bis sechs Wochen steht eine gute Hypermotard eigentlich nie im Laden.

Daten Ducati Hypermotard 1100 S (2007)

Ducati
Das ist laut Ducati-Sprech kein V-Twin, das ist ein L-Twin. Luftgekühlt, mit zwei Ventilen und Zahnriemen. Und sehr zuverlässig.
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