Kawasaki Ninja H2 HySE mit Wasserstoff-Motor
Das erste Wasserstoff-Motorrad ist eine Kawasaki

Kawasaki entwickelt die Kompressor-Ninja H2 HySE mit Wasserstoff-Motor samt Direkteinspritzung und Kompressor. 2024 startet der erste Test-Prototyp – in Wasserstoff-Blau statt in Kawasaki-Grün.

Kawasaki Ninja H2 HySE Wasserstoff (12/2023)
Foto: Kawasaki

Die inzwischen ausgegliederte Motor-Sparte von Kawasaki setzt nicht nur weiter auf die traditionelle Marken-Farbe Grün, auch bei den Antrieben wollen die Japaner deutlich grüner werden. Oder neuerdings wasserstoffblau.

Kawasaki Ninja H2 HySE startet 2024

Am 12. Dezember 2023 präsentierte Kawasaki im Rahmen einer Konferenz zur "Group Vision 2030" das erste Motorrad mit Wasserstoff-Motor, die Ninja H2 HySE, erstmals als fahrbereiten Prototyp. Damit will Kawasaki ab Anfang 2024 in der Praxis testen. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um eine umgerüstete Ninja H2 SX, in Blau statt Grün und mit H-förmigem LED-Scheinwerfer – als Anspielung auf H wie Wasserstoff, zusätzlich zum zufällig passenden Typkürzel H2.

Unsere Highlights

Wasserstoff-Motor mit Kompressor und Direkteinspritzung

Bereits auf der EICMA 2022 hatte Kawasaki eine entsprechende Studie auf Kawasaki H2-Basis mit Kompressor gezeigt. Das Besondere: Dieser Motor arbeitet mit Direkteinspritzung in die Brennräume, ein Novum bei Motorrad-Motoren. Mit rund 1.000 Kubik und Kompressor-Aufladung ist der Reihenvierzylinder-Motor für mindestens 200 PS bekannt – mit Benzin als Treibstoff. Konkrete Angaben zum Betrieb mit Wasserstoff liegen bislang nicht vor.

Hydrogen – grüner Wasserstoff für die blaue Kawasaki

Kawasaki steht mit dieser CO₂-neutralen Lösung nur dann wirklich grün da, wenn der Wasserstoff mit regenerativen Quellen erzeugt wird und dadurch sogenannter grüner Wasserstoff ist. Das Problem der Schadstoffemissionen umgeht der Wasserstoff als Kraftstoff nicht. Primär entstehen Stickstoffoxide, die theoretisch per SCR-Kat gewandelt werden müssten. Zusätzlich entstehen kleine Mengen Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und sogar Kohlenwasserstoff, durch minimale Einträge an Schmieröl in die Verbrennung.

Kawasaki Group Vision 2030

Ob und wie der erste Wasserstoff-Motor überhaupt je in Serie kommt, macht Kawasaki von der Versorgung mit Wasserstoff als Treibstoff abhängig. Beides sieht Kawasaki frühestens ab 2030 gegeben ("Group Vision 2030"), wobei der Konzern Kawasaki Heavy Industries proaktiv am Aufbau der Infrastruktur mitwirkt.

Wasserstoff-Kooperation HySE

Gemeinsam mit den anderen japanischen Kraftfahrzeug-Herstellern Honda, Yamaha und Suzuki betreibt Kawasaki die Wasserstoff-Kooperation namens HySE (Hydrogen Small mobility & Engine technology). Am 8. März 2023 meldete Kawasaki selbst die Marke HySE zum Schutz an. Angemeldet hat Kawasaki allerdings nicht nur die Nizza-Klasse 12 für Motorräder und verwandte Fahrzeuge, sondern ebenfalls die Klasse 7 für die sogenannten Nicht-Land-Fahrzeuge sowie die Klasse 42 für Apparate zur Erprobung der Wasserstoff-Motoren. Neben der Ninja H2 HySE befindet sich ein vierrädriger Gelände-Buggy mit demselben Wasserstoff-Motor in Erprobung, ab 2024 sollen ebenfalls damit angetriebene Flugzeuge folgen.

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Fazit

Das erste Motorrad mit Wasserstoff-Motor ist eine Kawasaki. Als fahrtüchtigen Prototyp gibt es die Ninja H2 HySE bereits, ab Anfang 2024 will Kawasaki damit in der Praxis testen. Basis ist die Ninja H2 SX mit 200 PS starkem Kompressor-Vierzylinder, umgerüstet auf Wasserstoff-Betrieb mit Direkteinspritzung und Tanks in den großen Seitenkoffern. Bemerkenswert: Diese Kawasaki Ninja ist nicht grün, sondern wasserstoffblau. Konkrete Eckdaten und Pläne für eine Serien-Version verkündete Kawasaki bislang nicht. Frühestens 2030 könnte es so weit sein.

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