So einfach soll der Führerschein werden: Erster Entwurf zur neuen Fahrausbildung

Neue Motorrad-Führerscheinprüfung
So einfach soll der Führerschein werden

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.05.2026
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Motorrad Moped Führerschein Fahrschule 125er
Foto: Tyson Jopson

Die Ansage ist klar und wird sogar noch klarer: Es braucht eine günstigere und stärker digitalisierte Fahrausbildung bei gleichbleibenden Sicherheitsstandards. Der Entwurf aus dem Mai 2026 geht dabei teilweise deutlich weiter als die bisher bekannten Eckpunkte, die Bundesverkehrsminister Schnieder in seinem 8-Punkte-Plan Mitte Februar 2026 präsentiert hatte.

Remote möglich – Theorieunterricht komplett digital

Der Vorschlag will den theoretischen Unterricht maßgeblich ändern. Fahrschulen sollen selbst entscheiden, ob sie Unterricht in Präsenz, vollständig online oder als Mischform anbieten. Eine gesetzliche Präsenzpflicht entfiele. Der Entwurf geht weiter als bisherige Online-Angebote vieler Fahrschulen. Erstmals wären auch asynchrone Formate zulässig. Fahrschüler könnten damit teilweise zeitlich flexibel theoretische Inhalte abrufen.

Gestrichen werden sollen zahlreiche bisherige Vorgaben für Unterrichtsräume. Das betrifft unter anderem feste Anforderungen an Raumgrößen oder Ausstattung. Künftig sollen lediglich allgemeine Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung gelten. Gesetzliche Vorschriften zu Lehrmitteln sollen ebenfalls entfallen.

Theorieprüfung läuft anders

Im Grunde schon bekannt aus den Vorschlägen aus dem Februar: Der bisherige Fragenkatalog mit mehr als 1.100 Fragen soll stark reduziert werden. Eine Kürzung auf rund 840 Fragen steht im Raum. Gleichzeitig soll das bisherige, komplizierte Punktesystem der Theorieprüfung entfallen.

Heute werden Fragen je nach Schwierigkeit unterschiedlich gewichtet. Künftig haben Fragen den gleichen Wert. Sicherheitsrelevante Fragen dürfen allerdings weiterhin nicht falsch beantwortet werden.

Weniger Sonderfahrten nötig

Bei der praktischen Ausbildung sieht der Entwurf grundlegende Änderungen vor. Besonders auffällig ist die Neuregelung der bisherigen Sonderfahrten, die übrigens die einzigen Pflichtfahrten der Fahrausbildung darstellen.

Bislang sind 12 Pflichtfahrten vorgeschrieben. Diese teilen sich auf Überland-, Autobahn- und Nachtfahrten auf. Künftig soll es keine feste Anzahl mehr geben. Stattdessen müssen entsprechende Fahrten zwar weiterhin stattfinden, ihr Umfang richtet sich aber nach dem individuellen Ausbildungsstand des Fahrschülers. Praktisch würde damit ein deutlich flexibleres Ausbildungssystem entstehen. Die Fahrten müssen weiterhin im realen Straßenverkehr stattfinden.

Simulator-Ausbildung selbst ohne Fahrlehrer

Der Referentenentwurf sieht erstmals eine umfassende rechtliche Grundlage für Fahrsimulatoren vor. Diese sollen künftig grundsätzlich in allen Fahrerlaubnisklassen eingesetzt werden dürfen. Besonders weitreichend ist dabei eine Passage: Während der Simulator-Ausbildung muss nicht zwingend ein Fahrlehrer anwesend sein.

Die Simulationen müssen allerdings bestimmte Anforderungen erfüllen. Laut dem Papier müssen sie unterschiedliche Verkehrssituationen realitätsnah darstellen können. Von der Regelung ausgenommen bleiben die besonderen Ausbildungsfahrten. Überland-, Autobahn- und Nachtfahrten dürfen weiterhin nicht im Simulator stattfinden.

Praktische Prüfung soll kürzer werden

Die Fahrprüfung selbst soll ebenfalls verändert werden. Vorgesehen ist eine kürzere Mindestfahrzeit. Das Ministerium erhofft sich dadurch mehr Prüfungen pro Tag und kürzere Wartezeiten.

Weitere Änderungen bei Prüfern, Fahrschulen und Verwaltung

Darüber hinaus sieht der Referentenentwurf weitere Änderungen bei Fahrerlaubnisprüfern, Fahrschulen und Behörden vor. Der Zugang zum Beruf des Fahrerlaubnisprüfers soll erleichtert werden, unter anderem durch niedrigere formale Anforderungen und eine neue eigenständige Prüferqualifikation. Gleichzeitig sollen feste Kontrollintervalle für Fahrschulen weitgehend entfallen und stärker durch anlassbezogene Überprüfungen ersetzt werden.

Ausbildungsnachweise und Verwaltungsabläufe sollen künftig deutlich stärker digitalisiert werden. Außerdem plant das Ministerium mehr Transparenz bei den Fahrschulkosten. Fahrschulen sollen ihre Preise künftig standardisiert melden, damit Vergleichsportale diese öffentlich darstellen können. Zusätzlich sollen Erfolgsquoten bei praktischen Prüfungen veröffentlicht werden.

Fazit