Die Suzuki Hayabusa war 1999 im Rückblick weder heftig noch hart. Ihre homologierte Höchstgeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde hallt 26 Jahre später immer noch nach und gilt weiterhin als magische Marke, die selbst heute nur eine Handvoll Bikes überschreiten. Und nie als Gentleman, eher als Hooligan: Das genaue Gegenteil der Hayabusa war 2000 die Kawasaki Ninja ZX-12 R. An ihr war alles heftig und hart, was in verbrieften 308 km/h gipfelte – ebenfalls nur ein Jahr. Und diesen Charakter haben die Ü300-Bikes heute noch: Sie sind nichts für den Alltag und wollen das nicht.
Übrigens Vor der Hayabusa war das schnellste Motorrad mit 285 km/h homologiert, kam von Honda und hieß CBR 1100 XX Blackbird.
Schnell wieder langsamer
Schon im zweiten Modelljahr der Suzuki Hayabusa und nach einem Jahr Kawasaki Ninja ZX-12 R drosselten die Hersteller die Höchstgeschwindigkeit offiziell auf 295 und 298 km/h und skalierten die Tachos neu. Wo zuvor noch Zahlen und Zeiger bis 340 km/h reichten, endeten die Zifferblätter bereits bei 280, und die Skala strichelte bis dorthin, wo vorher die 300 stand.
Doch dieser freiwilligen Maßnahme von Suzuki und Kawasaki unterwarfen sich nicht alle Hersteller. 2004 stand im Fahrzeugschein der MV Agusta F4 1000 in Feld 6: 301. Und ab da gab es keine Grenzen mehr. Aktuell ist das schnellste Motorrad der letzten Dekaden mit 315 km/h homologiert, und die neue CFMoto V4 SR-RR hat bereits einen nationalen Rekord in China eingefahren, mit 315,82 km/h – aufgerundet 316 km/h.
ÜbrigensSeit 2006 heißt der Fahrzeugschein offiziell Zulassungsbescheinigung I, und die Höchstgeschwindigkeit steht im Feld T.
Die schnellsten Bikes ab Werk
Suzuki GSX 1300 R Hayabusa (1999): 300 km/h
Über die Suzuki Hayabusa wurde sicherlich schon alles geschrieben. Mit 175 PS und 138 Nm aus 1.299 Kubik in der ersten Generation zwar nicht außergewöhnlich stark, dafür windschlüpfrig. 2 Jahre lang offiziell als 300-Sachen-Suzi zu haben, dann folgte die freiwillige Drosselung auf seither eingetragene 295 km/h. Und trotz stärkerer Daten – 1.340 Kubik, 155 Nm und 197 PS ab 2008 – wurde die Hayabusa nie wieder offiziell ein 300-km/h-Motorrad. In der aktuellen Generation generiert der Motor aus 1.340 Kubik Hubraum nach Werksangaben 190 PS und 150 Nm.
Kawasaki Ninja ZX-12 R (2000): 308 km/h
Kawasaki ließ die Suzuki Hayabusa nicht lange allein im 300er-Klub. Die Ninja ZX-12 R kam ein Jahr nach der Suzuki. 190 PS per Ram-Air und eine deutlich sportlichere Richtung aller Facetten des Kraftrads zeigten: 308 km/h müssen nicht mit einem Übermaß an Rundungen einhergehen, sondern können mit der Kante kommen. Doch wie bei der Hayabusa schritt Kawasaki selbst ein, drosselte ab 2002 auf 298 km/h, brachte allerdings keine weitere Generation mehr nach, sondern stellte die 12er-Ninja 2006 ein. Als Nachfolgerin gilt die deutlich touristischere ZZR 1400, die heute noch in den USA als Ninja ZX-14 mit 193 PS zu haben ist.
MV Agusta F4 1000 (2004): 301 km/h
Bei den Herstellern aus Japan hält sich die freiwillige Drossel auf unter 300 km/h selbst bei Krädern, die mit über 200 PS kommen. MV Agusta brachte bereits 2004 ein Modell mit offiziellen 301 km/h im Schein: die F4 1000. Und damit die erste 1000er, die die 300er-Marke knackte. Und wie: nur 998 Kubik, trotzdem 165 PS und 109 Nm, bei 11.750/min und 10.200/min, und dabei nur 192 Kilo Trockengewicht.
Die F4 war der Auftakt von MV Agusta für eine lange Reihe von Motorrädern, die über 300 km/h in Serie fuhren, darunter sogar Naked Bikes wie die Rush. Aktuell steht die MV Agusta F4 CC von 2007 mit 315 km/h und 191 PS ganz oben. Sie führt nicht nur bei MV Agusta die Liste der schnellsten Motorräder mit Straßenzulassung an, sondern die Liste aller Serienmodelle.
Aprilia RSV4 (2015): 305 km/h
Erst 9 Jahre später kam ein weiteres Serienmodell in den "300 Club" und stellte sich gegen unzählige ähnlich schnelle MV-Agusta-Modelle. Die Aprilia RSV4 hat 305 km/h im Schein stehen, einen V4 mit 999 Kubik im Rahmen hängen, der 201 PS leistete. Seit 2021 misst der V4 1.099 Kubik und erzeugt in der aktuellen RSV4 sagenhafte 220 PS. Topspeed wie gehabt: 305 km/h.
BMW S 1000 RR (2019): 306 km/h
Erst 2019 und damit nach 10 Jahren am Markt knackte die BMW S 1000 RR die 300 km/h ab Werk. Die 3. Generation (K67) bekam den Shift-Cam-Motor mit 207 PS, der 306 km/h ermöglichte. In der aktuellen Version ist die S 1000 RR 210 PS stark und mit 303 km/h eingetragen.
BMW M 1000 RR (2022): 314 km/h
Aktuell ist die BMW M 1000 RR das schnellste Serienmodell nach Homologation, das es neu noch gibt. Doch nicht seit Beginn. Die erste Generation kam 2021 zwar mit 212 PS, aber "nur" 306 km/h. Erst die Modellpflege für 2023 erreichte bei gleicher Leistung die 314 km/h, die trotz weiterer 5 PS mehr die M 1000 RR ab 2025 nicht weiter überboten hat.
CFMoto V4 SR-RR (2027?): 316 km/h?
Noch nicht zu haben, weil noch kein Serienmodell, doch die sicher kommende CFMoto V4 SR-RR dürfte mit ihren angekündigten 212 PS bei 14.500/min aus 997 Kubik die im Juni 2026 gemessenen rund 316 km/h des Prototyps kaum unterschreiten. Dazu scheint das aktive Spoiler-System a.k.a Winglets ein interessantes Feature in der Klasse zu werden. Wann genau, ist noch offen, aber MOTORRAD rät: aufmerksam die EICMA 2026 auf motorradonline.de verfolgen.





