Sportreifen 2021 im Reifentest Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
Sportreifen 2021 im Reifentest
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Sportreifen 2021 im Reifentest 17 Bilder

Sportreifen 2021 auf Yamaha R1 im Test

Sportreifen 2021 auf Yamaha R1 im Test Surfin’ on Sunshine

Ziehen wir die Boxentore hoch und lassen sie raus: Sechs topaktuelle Sportgummis müssen ihre Qualitäten beweisen. Im Test auf der Yamaha YZF-R1 in den Dimensionen 120/70 ZR17 und 190/55 ZR17.

Die gute Nachricht vorweg: Verbandszeug und Gipsmatten und Ersatzteile bleiben in Schrank und Regal. Test beendet und trotz haariger Gratwanderung im Grenzbereich keine Schäden an Mensch und Maschine zu beklagen. Daumen hoch.

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Der zweite Daumen geht hoch, wenn man einen Strich unter die hier gebotene Performance der aktuellen Sportreifen Generation zieht. Es sei an dieser Stelle wieder erwähnt, dass es für den reinen Trackday-Einsatz eine weitere Reifengattung "on top" gibt – besagte Rennreifen, zum Teil mit, zum Teil ohne Straßenzulassung.

Mit den sechs Paarungen aus diesem Test ist der Ausflug auf die Rennstrecke machbar. Malträtiert von den 200 Big-Bang-PS der R1 geben sie bei schärferer Gangart und "auf Kante gefahren" nicht nach, bleiben stabil, stets gut kontrollier- und einschätzbar. Sehr viel wichtiger dürfte aber sein, dass trotz dieser Abstimmung die wesentlichen Alltagstugenden nicht auf der Strecke bleiben. Denn mal ganz ehrlich – die meisten werden mit ihren Doppel- und Triple-R oder Power-Nakeds auf Landstraßen und Alpenpässen unterwegs sein oder auch mal extrem flott auf der Bahn durchladen. Schlechtwetterpassagen gehören selbstverständlich dazu.

Bridgestone Battlax S 22

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Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
Den Testsieg lässt sich der knackig-sportliche Allrounder trotz erstarkter Konkurrenz auch 2021 nicht nehmen.

Gewicht: vorne 4,3 kg, hinten 6,8 kg

Landstraße: Einmal auf Temperatur gebracht, rollt der S 22 sehr geschmeidig und mit einer glasklaren Rückmeldung für seine Haftreserven ums Eck. Dabei verhält der Bridgestone sich angenehm neutral und lenkt fast schon kurvengierig in Schräglage ein. Mit guter Handlichkeit und satter Eigendämpfung liefert er auch bei zügigem Tempo weiterhin eine top Rückmeldung.

Rennstrecke (gefahren mit Fülldruck-Empfehlung v./h. 2,3/1,7 bar): Vorbildliche Lenkpräzision, satte Haftung, unerschütterliche Stabilität und sehr gute Handlichkeit sind die Vorzüge beim flotten Ritt auf der Rennstrecke. Dank des phänomenalen Feedbacks lässt er sich besonders extrem abwinkeln und beeindruckt mit den besten Rundenzeiten im Test.

Nasstest: Dank seines breiten Grenzbereichs kündigen sich Rutscher frühzeitig an – das macht ihn bei Regen sehr gut einschätzbar. Vorder- und Hinterreifen sind vom Gripniveau sehr gut ausbalanciert. Sehr gute Bremswerte!

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Bridgestone BT S22 Rear 200/55 R17 78W
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Fazit: Bereits 2019 fuhr der damals neu eingeführte S 22 ganz oben aufs Treppchen. Den Testsieg lässt sich der knackig-sportliche Allrounder trotz erstarkter Konkurrenz auch 2021 nicht nehmen. Ein "Kampai" nach Japan!

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Continental Sport Attack 4

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Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
Unterm Strich positioniert sich der Conti als solider Allrounder.

Gewicht: vorne 4,4 kg, hinten 6,7 kg

Landstraße: Mit seiner rauen Oberfläche ("Traction Skin") ist der Conti auf Anhieb präsent da – diesen Vorteil bringt kein anderer Neureifen mit! Nr. 4 kann allerdings nicht mehr an die überragende Handlichkeit der Vorgänger anknüpfen, hier setzt die Konkurrenz inzwischen Akzente. Überzeugen kann er dagegen durch seine Neutralität über den gesamten Schräglagenbereich.

Rennstrecke (gefahren mit Fülldruck-Empfehlung v./h. 2,5/1,9 bar): Auch im Racemodus steckt der Sport Attack 4 in puncto Handlichkeit und Lenkpräzision etwas zurück. Die Haftreserven sind unterm Strich zwar ausreichend für Trackdays, aber ein etwas zu schmaler Grenzbereich schränkt das Ausloten des Limits bei extremer Gangart etwas ein.

Nasstest: Nässe plus Kälte sind nicht das Ding des Sport Attack 4. Bei schnellen Schräglagenwechseln fehlt es ein wenig an klarem Feedback für die vorhandenen Gripreserven. Auch auf der Bremse bleibt er zu verhalten.

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Conti-Sportattack 4 190/50 R17 73W
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Fazit: Seinen Vorgängern konnte man ob ihrer überragenden Handlichkeit stets die "Hausstrecken-Plakette" umhängen. Der Sport Attack 4 will dieses Erbe nicht fortsetzen. Unterm Strich positioniert sich der Conti als solider Allrounder.

MOTORRAD-Urteil: gut

Dunlop Sportsmart TT

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Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
Der Dunlop muss sorgfältig warmgefahren werden, damit er kommt.

Gewicht: vorne 4,6 kg, hinten 7,1 kg

Landstraße: Bei kühlen Temperaturen will der Sportsmart TT gefühlvoll warmgefahren werden. Dann aber überzeugt er mit Agilität und Handlichkeit, lässt sich mit geringen Lenkkräften einlenken und besticht durch eine satte Haftung mit guter Rückmeldung. Die Stabilität ist top, selbst beim Bremsen in Schräglage fällt das Aufstellmoment vertretbar gering aus.

Rennstrecke (gefahren mit Fülldruck-Empfehlung v./h. 2,0/1,6 bar): Der Dunlop vermittelt im neuen/kalten Zustand eine eher durchschnittliche Rückmeldung in Sachen Haftung und lenkt etwas träge ein. Erst wenn man ihn auf Temperatur gebracht hat, brennt die Hütte des auf Trackdays ausgerichteten Sportsmart TT. Dann lässt er sich bockstabil, präzise und agil von einer Schräglage in die nächste werfen.

Nasstest: Ein schnell durchdrehendes Hinterrad kündet von viel Schlupf und wenig Grip. Auch in Schräglage baut sich durch frühe Rutscher kein hohes Vertrauen auf.

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Dunlop SportSmart TT Rear 180/55 R17 73W
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MOTORRAD-Urteil: gut

Metzeler Sportec M9 RR

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Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
In Summe macht der ausgewogene Mix aus Alltag und Sport den M9 RR zu einer Eins-a-Empfehlung für alle Tage.

Gewicht: vorne 4,4 kg, hinten 6,8 kg

Landstraße: Nahezu vorbildlich meistert der M9 RR von Metzeler den Spagat zwischen hoher Sportlichkeit und sehr gutem Alltagseinsatz. Auf Anhieb kann er mit satter Haftung und guter Rückmeldung auf der Landstraße überzeugen, lenkt zudem neutral in Kurven ein. Die Handlichkeit ist zwar nicht ganz so überragend wie bei den Konkurrenten von Bridgestone und Michelin, aber immer noch bemerkenswert gut.

Rennstrecke (gefahren mit Fülldruck-Empfehlung v./h. 2,5/2,3 bar): Mit der zweitbesten Rundenzeit kann uns der M9 RR beeindrucken. Er liefert eine satte Haftung bei sehr guter Zielgenauigkeit. In Sachen Agilität und Handlichkeit gibt er sich etwas verhaltener als der S 22 und Sportsmart TT. Dafür liefert er eine perfekte Stabilität aus schnellen Kurven!

Nasstest: Die Bestzeit auf dem Nasstesttrack belegt, dass der M9 RR phänomenalen Grip im Regen aufbaut. Sein Feedback ist top, der Grenzbereich macht ihn perfekt einschätzbar!

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Sportec M9 RR 160/60 R17 69W
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Fazit: Mit einem Supereinstand präsentiert sich der Nachfolger des bereits "sehr guten" M7 RR im 2021er-Sportreifentest. In Summe macht der ausgewogene Mix aus Alltag und Sport den M9 RR zu einer Eins-a-Empfehlung für alle Tage.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Michelin Power 5

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Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
Mit dem Power 5 setzt Michelin die Tradition fort, die besten Landstraßenreifen für Superbikes und Co. bei allen Wetterlagen zu backen.

Gewicht: vorne 4,3 kg, hinten 5,8 kg

Landstraße: Mehr als auf dem Track kann der Power Nr. 5 seine Vorzüge vor allem auf der Landstraße ausspielen. Er besticht mit Agilität, ist der handlichste Reifen in diesem Vergleich. Auch die Rückmeldung für seine Haftreserven ist überdurchschnittlich hoch, selbst bei kalten Temperaturen bleibt er top einschätzbar. Weitere Punkte: die Neutralität und nahezu kein Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage.

Rennstrecke (gefahren mit Fülldruck-Empfehlung v./h. 2,5/2,9 bar): Trotz der Alltagstauglichkeit will der Power auch auf dem Racetrack nicht nachgeben. Die Rückmeldung ist sehr gut, die Eigendämpfung am höchsten, dazu lenkt er ultraleicht in Schräglage ein. Erst bei sehr rennsportlicher Gangart liefert er nicht die Stabilität wie die Konkurrenz.

Nasstest: Vorbildlich gestalteter Grenzbereich, hervorragende Gripreserven beim Beschleunigen und in Schräglagen – der Power 5 liebt Regen. Kürzester Bremsweg im Test! Noch Fragen?

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Fazit: Mit dem Power 5 setzt Michelin die Tradition fort, die besten Landstraßenreifen für Superbikes und Co. bei allen Wetterlagen zu backen. Und auch wenn es mal zum Trackday geht, kann der Michelin lange Zeit mithalten.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Pirelli Diablo Rosso Corsa II

Gewicht: vorne 4,4 kg, hinten 6,6 kg

Sportreifen 2021 im Reifentest
Markus Jahn, mps-Fotostudio, Yamaha
Der DRC II kann bei Trackdays genauso überzeugen wie beim sportlichen Turn über die Landstraße. Einbußen im Regen? Nicht wirklich?...

Landstraße: Je niedriger die Temperaturen, des­to mehr Einfahrzeit braucht auch der DRC II. Dann aber überzeugt er mit vorbildlicher Haftung und guter Rückmeldung. Dank der zwei Gummimischungen am Vorderreifen respektive drei am Hinterreifen stellt sich schnell ein gutes Vertrauen für sein Grippolster ein.

Rennstrecke (gefahren mit Fülldruck-Empfehlung v./h. 2,5/2,3 bar): Bereits beim Einrollen, wo er nach etwas Druck verlangt, vermittelt der Pirelli eine vorbildliche Rückmeldung für die Haftung. Seine exorbitanten Stärken sind dann aber die hohe Kurvenstabilität und der satte Grip mit zunehmendem Kurvenspeed. Er ist nicht der agilste im Testfeld, lenkt aber handlich und neutral ein. Vorbildlich: die Stabilität beim Beschleunigen aus Kurven!

Nasstest: Die Ähnlichkeit zum Metzeler aus gleicher Entwicklungsschmiede ist spürbar: Auch der DRC II ist ein gripstarker und sehr gut einschätzbarer Regenreifen.

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Fazit: Mit seiner unerschütterlichen Stabilität ist der DRC II ein Supersportreifen aus dem Bilderbuch. Er kann bei Trackdays genauso überzeugen wie beim sportlichen Turn über die Landstraße. Einbußen im Regen? Nicht wirklich.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Ready for Hausstrecke?

Lockeres Aufwärmen, bevor es ernst wird? Nein, im Alltag lauern Besonderheiten, die nicht auf die leichte Reifenschulter zu nehmen sind. Kapitel eins: Landstraße!

Wenn Sie in diesen Wochen Ihren Supersportler, das Naked Bike oder den Power-Crossover morgens vor die Garage rollen, werden nicht nur Sie ein wenig frösteln. Gleiches gilt auch für die Gummis auf den Felgen, denen aber die Gänsehaut zunächst nicht anzusehen ist. Umso mehr ist sie beim Einrollen in den ersten Kurven zu spüren: hartes und knöchernes Ansprechverhalten, diffuses Feedback, störrisches Handling. Wie auch Motoröl und Kühlflüssigkeit wollen die Gummis auf den Felgen ordentlich warmgefahren werden, um schließlich ihre optimale Funktion zu entfalten. Und genau das macht den Entwicklungsprozess in dieser Gattung nicht einfach. Auf der einen Seite stehen immer leistungsstärkere Naked- und Superbikes, die nach einer entsprechend stabilen Grundkonstruktion verlangen. Die sich geschmeidig um Kurven aller Coleur bewegen, aber auch zum Ü-250-km/h-Ritt auf der Bahn ausgedreht werden. Superbe Handlichkeit auf der einen Seite, unerschütterlicher Geradeauslauf auf der anderen. Kommen wir nochmals auf die Temperaturen zu sprechen. Wir reden bei den Sportreifen in diesem Test nicht von reinen Hochsommergummis, die nur bei Asphalt-Temperaturen jenseits der 40 Grad funktionieren sollen. Die Saison dauert von Ostern bis Oktober und allem Klimawandel zum Trotz muss sich Otto Normalfahrer an vielen Tagen im Jahr mit sehr mäßigen Wetterbedingungen auseinandersetzen. Weshalb nun sehr spitz auf maximale Höchstleistung konfigurierte Sportgummis in diesem Testabschnitt ein wenig das Nachsehen haben. Sie kommen im Alltagsflow einfach nicht auf optimale Betriebstemperatur bzw. können dort nicht stabil gehalten werden. Wer in erster Linie einen sportlichen Allrounder sucht, guckt sich deshalb diese Tabelle etwas genauer an.

BMW F 900 XR
Reifen

Rundlauf auf dem Rundkurs?

Raus aus dem Alltag, rein ins Vergnügen, rauf auf den Racetrack. Machen die sechs Sportreifen den Ausflug mit oder droht ein Abflug? Kapitel zwei: Rennstrecke!

Gleich vorneweg: Wer auf der Rennstrecke sehr ambitioniert der persönlichen Bestzeit nachjagen will, sollte seinen Fokus nicht auf diese Reifengattung legen. Für den überwiegenden Einsatz auf Asphaltbahnen abseits der StVO empfehlen sich entsprechend spitz konfigurierte Rennreifen, die es zum Teil mit und ohne Straßenzulassung gibt. Allerdings sollte auch der "normale" Sportreifen nicht einknicken, wenn es zum Hobbytraining nach Hockenheim, auf den Sachsenring oder nach Oschersleben geht – gerne auch mal engagierter! Nur und ausschließlich für diesen Testabschnitt haben wir die Fülldrücke gemäß der Empfehlungen der Reifenhersteller auf die unten in der Tabelle angegebenen Werte abgesenkt. Die zuvor beschriebene Landstraßenwertung wurde mit den üblichen Empfehlungen der Fahrzeughersteller von 2,5 bar (vorne), bzw. 2,9 (hinten) eingefahren. 60 Grad und mehr zeigte unser Einstichthermometer beim regelmäßigen Temperaturcheck der Reifenlauffläche an – also konstant perfekte Bedingungen, um die Test-R1 auf der alten Grand-Prix-Strecke namens "Carland" in volle Schräglage abzuwinkeln. Welche Sportreifen machen im Hobby-Rennmodus besonders viel Lust und Laune? Werfen wir einen genauen Blick auf die Tabelle und die per 2D-DataRecording ermittelten Rundenzeiten.

Aufregen im Regen?

Für uns ein, für viele aber das entscheidende Testkapitel: Fahren bei Nässe. Denn mit falschen Reifen kann einem auf einem 200-PS-Bike da schnell das Herz in die Hose sacken.

Es gibt natürlich ein Zaubermittel gegen Regen und das heißt Silica. Mit dieser Kieselsäureverbindung schaffen es Reifenentwickler, den Gummis auch bei Nässe eine gewisse Geschmeidigkeit einzuimpfen. Nässe heißt in erster Linie kalt. Denn Regen hat im Prinzip den gleichen Effekt wie die Kühlflüssigkeit im Motor, indem die Temperaturen permanent runtergeregelt werden – was beim Triebwerk wünschenswert ist, beim Reifen aber unglaubliche Nachteile mit sich bringt. Denn das an sich zähe, widerspenstige Gummi benötigt schon eine gewisse Kerntemperatur, um sich optimal mit dem Asphalt zu verzahnen. Während man die Reifen bei sportlicher Kurvenfahrt in der Sonne schnell in die Komfortzone zwischen 40 und 60 Grad Celsius bewegen kann, schafft man auf nassen Straßen maximal die Hälfte – man ist sozusagen permanent "garagenkalt" unterwegs. Nun hilft erwähntes Silica, damit es trotzdem einigermaßen gript. Allerdings ist dieser Weichmacher nicht ultimo der Gummi­mischung unterzurühren. Bestes und ansehnliches Beispiel: ein MotoGP-Rennen, das im Dauerschiff auf Regenreifen gestartet wird. Unfassbar, welche Schräglagen und Beschleunigungsorgien aus Kurven möglich sind, oder? Dann aber lässt der Niederschlag plötzlich nach, die Strecke trocknet ab, die Reifen bekommen ohne Regenwasserkühlung einen heftigen Hitzeschub – und schlagartig fliegen den Piloten die Profilblöcke von den Pellen. Haben wir alle schon gesehen und wollen es am eigenen Leib bzw. Bike nicht erleben! Genau deshalb muss für den Alltag eine bestmögliche Balance gefunden werden, damit die Gummimischung auf nasskalten Straßen ausreichend haftet, im heißen Kurvenritt aber nicht gefährlich walkt und beim Highspeedbolzen weiterhin souveräne Stabilität gewährt. Das ist der Job des umsichtigen Reifenkonstrukteurs. Und wenn er es gut gemacht hat, wird sein Gummi nach Kapitel eins und zwei auch in diesem funktionieren. Um zu hieb- und stichfesten, vor allem aber vergleichbaren Ergebnissen zu kommen, muss man die alltägliche Regenfahrt bestmöglich simulieren. Wie hier auf dem Testgelände von Goodyear-Dunlop, wo per Data-Recording alle Fahrten auf dem permanent und gleichmäßig bewässerten Rundkurs aufgezeichnet werden. Bei der Kurvenauswertung zeigen sich schließlich deutliche Unterschiede, wenn die Reifen bei Regen im Grenzbereich bewegt werden.

Das Motorrad im Reifentest: Yamaha YZF-R1

Während im Bestand die 17-Zoll-Reifen­dimensionen 120/70 (vorn) und 180/55 (hinten) weitverbreitet sind, rollen ­aktuelle Superbikes hinten inzwischen auf breiten 190/55-Gummis, teilweise sogar auf 200/55. Entsprechend den Anforderungen für die Erst­ausrüstung stimmen Reifenentwickler neue Modelle zunehmend auf diese fetten Dimensionen ab. Bewusst haben wir mit der aktuellen R1 eine typische Supersportlerin ausgewählt, damit die Erkenntnisse in diesem Vergleich möglichst allgemeingültig sind.

Surfin' On Sunshine

Coronabedingt musste auch unser für 2020 geplanter Sportreifentest pausieren. Aber keine Sorge, im Wesentlichen hat keiner was verpasst. Im Gegenteil. Bedingt durch die Umstellung bei den Testabläufen können wir den 2021er-Reifentest nun deutlich früher als sonst auflegen. Die alten Hasen erinnern sich, dass wir unsere Gummi-Hitparade meist in den Mai- bis frühen Juni-Ausgaben von MOTORRAD ausgespielt haben. Nicht selten wurde aber der Wunsch geäußert, diese nicht ganz unwesentliche Kaufberatung fürs ultimative Kurvenglück etwas früher im Jahr zu platzieren. Am besten Richtung Saisonstart. Und voilà, machen wir aus der Hitparade ein Wunschkonzert – und lassen die Reifentest-Combo schon jetzt in die Tasten greifen, äh klimpern.

Im Fokus von Teil 2 nun sechs Sportreifenpaarungen der Premium-Marken Bridgestone, Continental, Dunlop, Metzeler, Michelin und Pirelli. In den hochglänzenden Herstellerprospekten werden diese gerne mit den Attributen Super- oder gar Hypersport versehen. Meist gibt es je nach Hersteller diverse Modellvarianten zur Auswahl. Wir haben den Fokus auf eine möglichst allroundertaugliche Komposition gelegt. Die einzelnen Testkapitel belegen es klar: In gleicher Gewichtung zu je einem Drittel werden wir alle sechs Sportgummis auf der Landstraße, auf der Rennstrecke und bei Regen bewerten. In Summe (zu zwei Dritteln) überwiegt damit der Alltagsanteil in diesem Test. Gemäß dieser Vorgabe war es den oben genannten Herstellern freigestellt, das ihrer Ansicht nach passende Modell zu Testzwecken einzuschicken.

Bridgestones S 22 ist uns bereits aus dem 2019er-Test bekannt. Und tritt als damaliger Testsieger zur Titelverteidigung an. Conti schickt mit dem Sport Attack 4 das Nachfolgemodell der Nr. 3 erstmals ins Rennen. Wir sind gespannt, ob der Vierer ein ähnliches Handlingwunder ist. Dunlops Sportsmart TT ist ein interessantes Zwittermodell: Stark auf Trackdays ausgelegt, aber wie funktioniert der Mix im Alltag? Wir werden sehen! Während mit dem Pirelli Diablo Rosso Corsa II ein bekanntes Profil in der Aufstellung bleibt, kommt von der Konzern-Schwestermarke Metzeler der M9 RR als Nachfolger zum Allrounder M7. Kann der M9 das starke Erbe verteidigen? Das Erbe wieder anzutreten hat sich Michelins neuer Power 5 ins Profil geritzt. Nach RS und RS+ will der Fünfer an alte Power-Tugenden – Stichwort Regenpace – anknüpfen. Es verspricht also, spannend zu werden. Nun aber genug des Vorspiels, Regler auf für die Top Six!

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Maxxis, die sind super.
Kenda, tolle Offroad-Pellen
Heidenau, die bringen mich überall hin
Mitas, die überzeugen mich.

Fazit

Den besten Mix aus allen Welten bietet Bridgestones famoser S 22 und verteidigt den 2019er-Testsieg. Knapp dahinter können sich als Newcomer die beiden Regenkönige Metzeler M9 RR und Michelin Po­wer 5 platzieren. Und jetzt? Können Sie beruhigt ans Gas gehen – grab the flag!

Dunlop
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