Der Motor: Thunderstroke 116 vs. Milwaukee-Eight 117
Stehen Indian und Harley-Davidson im Raum, spielt der Motor die zentrale Rolle. Im Grunde nur der Hubraum, der maximal aus 2 Zylindern entstehen darf. Die Indian Chief Vintage ist motorisch ein echter Klassiker. Im Stahlrahmen steht der rein luftgekühlte Thunderstroke 116-Motor. Mit einem Hubraum von 1.890 cm³ und einem maximalen Drehmoment von 156 Nm bei 3.300/min bietet der Zweiventiler alles, was das Klassik-Herz begehrt. Die Leistung ist zwar zweitrangig, doch um die 90 PS leistet der Thunderstroke im Schnitt. Bei der Chief Vintage ist Chrom allerdings kein Asset, Indian nutzt seidenmatte Lacke in Schwarz und Silber.
Dem gegenüber steht der modernere Milwaukee-Eight 117 der Harley-Davidson Heritage Classic. Der V2 mit 1.923 cm³ Hubraum hat 4 Ventile je Brennraum und einen Ölkühler. Er erzeugt wie der Thunderstroke 156 Nm Drehmoment, allerdings schon bei 2.750/min. Mit 91 PS ist die Harley nicht deutlich stärker als die Indian, die Nennleistung ist bei 5.020/min erreicht (Werksangaben).
Interessant: Indian erzeugt also mit einem betont unmodernen Motor die gleiche Kraft und Leistung wie Harley-Davidson mit der moderneren V2-Konstruktion. Allerdings: Der Thunderstroke gilt als technisch ausgereizt. Der Milwaukee-Eight der Heritage Classic ist im Grunde die einfachste Ausführung, mit partieller Wasserkühlung steigen die Zahlen auf 175 Nm und 109 PS.
Alter Look, neue Technik
Weder Vintage, Heritage noch Classic darf jemand die Indian und Harley-Davidson im Kontext Elektronik schimpfen. Beide sind auf dem Stand der Technik ausgerüstet und bieten viel Elektronik im klassischen Gewand. Die Details machen jedoch den Unterschied. Die Indian Chief Vintage bietet moderne Features wie LED-Beleuchtung, ein 4-Zoll-Touchscreen-Display mit integriertem Navigationssystem, Connectivity, 3 wählbare Fahrmodi ("Tour", "Standard", "Sport") und das obligatorische ABS.
Die Harley-Davidson Heritage Classic legt die Messlatte anderweitig höher: Neben LED-Beleuchtung und einem analogen Tacho mit integriertem LC-Display bietet sie schräglagensensible Systeme für das ABS und die Traktionskontrolle sowie ein Reifendrucküberwachungssystem. "Keyless go" können beide, die Harley-Davidson allerdings mit Alarmanlage.
Leicht bauen sollen andere
Mit einem fahrbereiten Gewicht von 327 kg ist die Indian Chief Vintage ein echtes Schwergewicht, das jedoch durch den niedrigen Schwerpunkt und die gut ausbalancierte Geometrie leicht zu handhaben ist. Die Harley-Davidson Heritage Classic ist mit 326 kg fahrbereit um 1 Kilo leichter, was in der Praxis jedoch nicht spürbar ist. Beide Modelle bieten eine niedrige Sitzhöhe von 680 mm (Indian) und 690 mm (Harley-Davidson).
Interessant ist der Unterschied bei der Tankkapazität: Die Harley-Davidson bietet mit 18,9 Liter einen deutlich größeren Tank als die Indian mit 15,1 Liter. Das bedeutet nicht nur eine größere Reichweite, sondern auch weniger Tankstopps auf langen Touren – ein klarer Vorteil für Vielfahrer.
Indian 8.000 Euro günstiger
Auf den ersten Blick ist die Indian das Schnäppchen. Die Indian Chief Vintage startet in Deutschland bei 20.990 Euro. Harley-Davidson verlangt für die Heritage Classic hingegen stolze 28.170 Euro. Wer allerdings die Indian auf dem Level der Harley ausstatten will, muss knapp über 5.000 Euro extra einplanen. Für Windschild, Satteltaschen und Zusatzscheinwerfer verlangt Indian entsprechenden Aufpreis.
Unterm Strich: Wer das pure Vergnügen des alten Looks in einem neuen Cruiser sucht, ist mit der Indian bestens und vergleichsweise günstig bedient. Wer touren will, ist mit der Harley-Davidson wohl besser unterwegs, da sie etwas besser ausgestattet ist.












