So fährt die erste "richtige" Elektro-Honda: WN7 im Fahrtest

Honda WN7 im Fahrtest
So fährt die erste „richtige“ Elektro-Honda

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.03.2026
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Wie so oft im Leben gibt es auch in der Causa Honda WN7 gute und schlechte Nachrichten. Fangen wir mal mit den guten an: Die WN7 dürfte aktuell das am weitesten entwickelte E-Motorrad oberhalb der A1-Schwelle auf dem Markt sein. Wobei dieses Feld, von Livewire (Harley-Davidson) und Zero einmal abgesehen, vorrangig von ebenso hochmotivierten wie zumeist unterfinanzierten Start-ups bestellt wird. Deren Möglichkeiten sind aber letztlich ebenso überschaubar wie ihre Manpower. Das sieht beim weltgrößten Zweirad-Hersteller mit 78 Jahren Erfahrung im Zweiradbau, seit 36 Jahren auch mit elektrischen Antrieben, natürlich ganz anders aus.

Honda WN7 mit 9,3 kWh für real rund 100 Kilometer

Doch auch die neue Honda WN7 kann die Gesetze der Physik und der Chemie nicht aushebeln. Und im Gegensatz zu E-Autos sind dem Akkuvolumen und -gewicht beim Motorrad enge Grenzen gesetzt, weshalb die mitführbare Energiemenge überschaubar bleibt. Das sind in diesem Fall 9,31 kWh. Damit kommt man, so die erstmal ernüchternde Erkenntnis der ersten Ausfahrt, die zügig-flüssig, aber ohne Beschleunigungsexzesse zurückgelegt wurde, real rund 100 Kilometer weit. Was nur so lange enttäuschend klingt, bis man sich klar macht, dass dies umgerechnet einem Verbrauch von etwa einem (1!) Liter Benzin entspricht!

"Zündschloss" links unter dem Lenkkopf versteckt

Die Bedienung der Honda WN7 gibt, sofern man das links unter dem Lenkkopf versteckte "Zündschloss" entdeckt und den Stromer scharf gestellt hat, keinerlei Rätsel auf. Cockpit wie Armaturen sind von etlichen anderen Hondas bekannt. Also flugs den passenden Modus ("Econ", "Rain", "Standard", "Sport") gewählt, und los geht‘s.

Eine Honda ist eine Honda ist eine Honda – auch mit E-Motor

Wie die Honda WN7 die kWh in km/h transformiert, ist hochgradig begeisternd. Während es im "Econ"-Modus beim Beschleunigen erwartungsgemäß ziemlich zurückhaltend zugeht, sorgt die Rekuperation schon beim schlichten Schließen des Stromgriffs für deutliche Verzögerung. Ganz anders im nächstschärferen "Rain"-Modus: Der Anzug ist spürbar agiler, dafür gibt es keine Motorbremse/Rekuperation. Wie mit einem Freilauf versehen, segelt die WN7 dahin.

Von "Econ" bis "Sport"

Der "Standard"-Modus ist auch im Fall der Honda WN7 selbsterklärend, und bei "Sport" zerrt der permanenterregte Synchronmotor mit bis zu 100 Nm am – im Honda-Motorrad-Universum bislang solitären – Zahnriemen, als sei der Leibhaftige hinter ihm her. Diese 100 Nm liegen E-typisch bei Volllast immer und überall an, was sowohl raketenartige Ampelstarts als auch blitzartige Zwischenspurts wie etwa beim Überholen zu einer ebenso leichten wie immer wieder begeisternden Übung macht.

Als A1-Version oder offen mit bis zu 50 kW (68 PS)

Auch die A1-Version der Honda WN7, in der Dauerleistung auf die erlaubten 11 kW (15 PS) gedrosselt, drückt diese 100 Nm. Die offene Variante bietet 18 kW (25 PS) Dauerleistung und 50 kW (68 PS) in der Spitze, die Vmax wird bei 130 km/h abgeregelt. Der Rekuperationsgrad kann übrigens individuell und unabhängig vom gewählten Modus in 4 Stufen eingestellt werden, was nicht nur den Spieltrieb fördert, sondern oftmals auch den Einsatz der Bremse erspart. Zudem gibt es einen Tempomat, einen frei einstellbaren Speedlimiter sowie eine elektrische Rangierhilfe vorwärts wie rückwärts. Und die weitgehende Absenz von Geräuschen macht die Honda WN7 als Gesamtkonzept komplett, jedenfalls für viele in ihrer Zielgruppe.

Straffer Sitzkomfort wie auf einer Hornet

Von den Abmessungen und der Ergonomie her unterscheidet sie sich kaum von der Hornet 750, der elektrische Reiter ist also aktiv-komfortabel auf der überraschend straffen Bank untergebracht. Ebenso straff ist die Abstimmung des bis auf die hintere Federvorspannung fixen Fahrwerks. Zwar gibt es Dämpfung satt für die Momente, in denen es arg pressiert, doch dürfte das Ansprechverhalten besonders der 43er-USD-Gabel auf kleinere Unebenheiten durchaus sensibler sein.

Ladedauer zwischen 30 Minuten und 5,5 Stunden

Bei der Präsentation der Honda WN7 mussten sich die angereisten Pressevertreter nicht um das Laden kümmern. Generell lässt sich die WN7 mit Typ-2-Stecker oder mit dem deutlich schnelleren CCS2-Anschluss laden, wobei im Serienumfang lediglich ein Schuko-auf-Typ-2-Kabel enthalten ist, mit dem das Laden von 0 auf 100 Prozent 5,5 h dauert. Deutlich schneller, nämlich in 2,4 h, geht es mit einem Typ-3-Kabel, welches es als Original-Zubehör gibt. Das wesentlich praxisnähere Laden von 20 auf 80 Prozent ist damit in deutlich flotteren 45 Minuten erledigt. Nochmals schneller, nämlich in 30 Minuten, geht die Prozedur mit dem CCS2-Anschluss.

Honda WN7 – ein weiterer Elektro-Exot?

Wobei das alles entsprechende Hardware als Zubehör zur Honda WN7 erfordert, das man zur Verfügung hat, oder eben nicht. Honda sieht die WN7 als "Commuting-Bike" für Ballungsgebiete. Grundsätzlich keine schlechte Idee, doch dafür wären zumindest ein bisschen Wind-und Wetterschutz sowie wenigstens ein kleiner Gepäckträger sehr hilfreich. Honda selbst bietet nur eine kleine Soft-Tasche für den Sozius an. Und so wird wohl auch die WN7 ein Elektro-Exot bleiben. Preis 2026 in Deutschland: 14.780 Euro plus 629 Euro Liefernebenkosten.

Fazit