Adventure für alle! So kündigte die italo-chinesische Marke Moto Morini ihre neue 450er bei der Vorstellung an. Als leicht beherrschbare Maschine, die weder auf der Straße noch im Gelände überfordert, sondern vor allem eins machen soll: Spaß. Von diesem Konzept zeugt auch der gewöhnungsbedürftige Name: Moto Morini Alltrhike 450. Der Zungenbrecher Alltrhike bedeutet laut Hersteller, dass sich der Reihentwin für "all Terrain" und zum "Hiken" eignet. Nicht zum atemlosen Flug über Stock und Stein soll das Motorrad verleiten, sondern zur genussvollen Entdeckertour.
Moto Morini Alltrhike 450 mit 18,5-Liter-Tank
Optisch hat sich die Moto Morini Alltrhike 450 ganz dem Adventure-Stil verschrieben, vom flachen Lenker über das 21-Zoll-Vorderrad und die Drahtspeichenräder bis zu den langen Federwegen und dem Motorschutz. Dazu kommen gelungene Details wie die serienmäßigen Befestigungshaken für den Tankrucksack, den Moto Morini als Zubehör anbietet, oder die dezent tarnfarbenen Lackierungen.
CFMoto-Parallel-Twin mit 449 cm³ und 45 PS
Als Antrieb dient ein Parallel-Twin mit 449 cm³ von CFMoto, aus deren 450 MT bekannt. In der Moto Morini Alltrhike 450 liefert er 45 PS und ist damit A2-tauglich. Er steckt in einem stählernen Gitterrohrrahmen, flankiert von einstellbaren Kayaba-Fahrwerkskomponenten. Vorn bietet die Gabel 208 mm Federweg, hinten liefert das per Umlenkung angesteuerte Federbein 190 mm.
Ebenfalls bestens für Geländeausflüge eignen sich die Tubeless-Speichenräder mit 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten. An Bord der Moto Morini Alltrhike 450 sind außerdem ein Hauptständer und ein horizontales TFT-Farbdisplay. Es lässt sich per App mit dem Smartphone koppeln und zeigt dann Navigationsinformationen an. Zwei Fahrmodi stehen zur Wahl: Standard und Offroad, Letzterer deaktiviert die Traktionskontrolle und das ABS am Hinterrad.
Ergonomie und Sitzposition: Gut beherrschbar mit 840 mm Sitzhöhe
Wie beim Debüt versprochen, lässt sich die Moto Morini Alltrhike 450 gut beherrschen, auch wenn es im Segment noch zugänglichere Modelle gibt. Die Sitzhöhe beträgt 840 mm, der Schwerpunkt liegt relativ hoch. Trotzdem sitzt man angenehm: Die Bank ist gut gepolstert, der Schaumstoff nicht übermäßig dick, aber ausreichend straff für Fahrer wie Beifahrer.
Der Lenker fällt etwas schmal aus, ist aber korrekt positioniert, der Oberkörper bleibt aufrecht. Weniger erfreulich für den knapp 1,80 Meter großen Tester sind die stark angewinkelten Knie, die Fußrasten sitzen vergleichsweise hoch. Beim Fahren im Stehen fallen der breite Tank und der etwas zu niedrige Lenker an der Moto Morini Alltrhike 450 auf. Wer öfter ins Gelände will, sollte über höhere Riser nachdenken.
Italienisches Design, chinesische Großserie
Sich von der Konkurrenz abzuheben ist heute schwierig, zumal bei Adventurebikes mit mittleren und kleinen Hubräumen, wo auch in Europa inzwischen die chinesischen Hersteller vorherrschen. Zu denen gehört Moto Morini ebenfalls, denn 2018 wurde die Firma, die ihre Modelle nur noch in Ministückzahlen baute, von der Zhongneng Vehicle Group aus der Gegend von Shanghai übernommen. Doch auch unter fernöstlicher Regie setzt Morini auf seine italienischen Wurzeln, mit einem Entwicklungszentrum in Trivolzio südlich von Mailand. Das manifestiert sich im italienischen Design ebenso wie in der Verarbeitung, die zwar nicht ganz japanisches Niveau erreicht, diesem aber erstaunlich nahekommt. Billig wirkende Kunststoffteile oder schlecht platzierte Bedienelemente sucht man an der Alltrhike vergebens.
Moto Morini Alltrhike 450: Straßenmotorrad mit Offroad-Ambitionen
Sorgfalt legten die Entwickler auch bei der Abstimmung an den Tag, nichts wirkt unausgegoren. Der Motor spricht sanft und gutmütig an, ohne im oberen Drehzahlbereich Temperament zu verlieren. Die Leistungsentfaltung ist eher linear als explosiv, kombiniert mit einer relativ langen Übersetzung – ideal für die Straße, weniger für den Geländeeinsatz, wo spontane Gasannahme gefragt wäre. Das ist jedoch konsequent: Die Moto Morini Alltrhike 450 ist keine Enduro mit Straßenzulassung, sondern ein Straßenmotorrad mit Offroad-Ambitionen.
Fahrverhalten: Nie fordernd, immer unterstützend
Entsprechend gut läuft es auf Asphalt. Das Fahrwerk wirkt sehr solide, es gibt sich mehr stabil als handlich, was durch das 21-Zoll-Vorderrad, das Gewicht (trocken 190 kg) und den hohen Schwerpunkt bedingt ist. Ruhig und berechenbar folgt die Moto Morini Alltrhike 450 der gewählten Linie, trotz viel Bodenfreiheit und langer Federwege vermittelt das Vorderrad Vertrauen. Hoch, lang, mit flach stehender Gabel – all das erhöht das Sicherheitsgefühl. Ob kurviger Asphalt, schlammige Abfahrt oder sandige Gerade: Die Moto Morini Alltrhike 450 verhält sich ihrem Fahrer gegenüber nie fordernd, sondern immer unterstützend.
Reichweite, Bremsen und Reifen
Selbst Touren sind mit ihr drin, denn der Motor läuft vibrationsarm und entwickelt wenig Hitze, der große Tank sorgt für viel Reichweite. Getriebe und Kupplung arbeiten leichtgängig und präzise, die Bremsen des spanischen Herstellers J.Juan, der zu Brembo gehört, wirken allerdings vorn etwas schwammig und hinten wenig druckvoll. Einziger wirklicher Kritikpunkt: die Serienreifen CST Ambro A4 vom taiwanesischen Gummifabrikanten Cheng Shin Rubber, bekannter für die Marke Maxxis. Auf Asphalt fehlt es ihnen bei höherem Tempo an Grip, im Gelände neigt das Vorderrad zum Einklappen.
Preis und Verfügbarkeit: In Italien ab 5.890 Euro
Insgesamt präsentiert sich die Alltrhike als reifes Projekt. Ihre Formel – Entwicklung und Feinschliff in Italien, Großserienproduktion in China – ermöglicht den günstigen Preis von 5890 Euro für die Basisversion. Das "High Equipped"-Modell, das es nur in Weiß gibt, kostet 250 Euro mehr und bringt zusätzlich Handprotektoren, Heizgriffe und Sitzheizung mit. Die Alltrhike kommt als Basismodell in Grün und Schwarz, die teurere Variante in Weiß bringt zusätzlich Handprotektoren, Sitzheizung und Heizgriffe mit. Doch das alles gilt erst mal nur für Italien. Da Moto Morini bislang keinen neuen Importeur benannt hat, stehen die Preise in Deutschland noch nicht fest, weder für die Alltrhike noch für die anderen Modelle des Herstellers.
Fazit
| Moto Morini Alltrhike 450 (2025) | |
| Motor | 2, Reihenmotor |
| Leistung | 33,0 kW / 44,0 PS bei 8.500 U/min |
| Hubraum | 450 cm³ |
| Sitzhöhe | 840 mm |












