Ein Vergleich zweier großer Reiseenduros – und doch mit grundverschiedenen Ansätzen: Auf Gran Canaria trafen die BMW R 1300 GS mit 19-Zoll-Vorderrad und adaptiver Höhenregelung sowie die Honda Africa Twin Adventure Sports mit 19-Zoll-Vorderrad und DCT-Doppelkupplungsgetriebe aufeinander.
Schon vor Beginn des Tests war klar: Eine einheitliche Meinung wird es nicht geben. Während einer der Fahrer einen klaren Favoriten ausmachte, blieb der andere bis zuletzt unentschlossen. Entscheidend waren am Ende weniger nackte Leistungsdaten, sondern Charakter, Bedienkonzept und Einsatzzweck.
DCT gegen Schalthebel: Die Honda überrascht
Ein zentrales Thema war Hondas Doppelkupplungsgetriebe (DCT). Ein Fahrer, seit 35 Jahren mit klassischem Schaltgetriebe unterwegs, war zunächst skeptisch. Kupplungs- und Schalthebel gehören für viele untrennbar zum Motorradfahren.
Fazit nach drei Tagen Doppelkupplungsgetriebe
Das DCT arbeitet intuitiv. Bereits nach kurzer Eingewöhnung wurden weder Kupplungshebel noch Schalthebel vermisst. Besonders auf engen, anspruchsvollen Straßen erwies sich das System als Vorteil. Die Automatik ermöglicht es, sich stärker auf Linie und Kurvenführung zu konzentrieren.
In langsamen, engen Kehren – vor allem bei schlechtem Asphalt oder Schotter – bringt das DCT zusätzliche Ruhe ins Fahrverhalten. Kein Abwürgen, kein Kupplungsschleifen, keine Unruhe durch Schaltvorgänge.
Die klare Empfehlung einer der Tester: Wer überwiegend Straße fährt und nur gelegentlich Schotter unter die Räder nimmt, sollte zur DCT-Version greifen.
Adaptive Höhenregelung: BMW senkt die Hemmschwelle
Auf der BMW R 1300 GS kam erstmals die adaptive Höhenregelung zum Einsatz. Das System senkt das Motorrad beim Anhalten ab und sorgt so für besseren Bodenkontakt.
Der Effekt ist subtil – so subtil, dass er während der Fahrt kaum bewusst wahrgenommen wird. Erst ein Blick ins Display zeigt die Umschaltung.
Gerade Fahrer, die bisher mit der Sitzhöhe der GS kämpften, profitieren deutlich. Komfortabler Kniewinkel während der Fahrt, sicherer Stand beim Anhalten – ohne dauerhaft reduzierte Federwege.
Damit erweitert BMW die Zielgruppe der GS, ohne das Grundkonzept zu verändern.
Bedienkonzept und Ausstattung
Im Hinblick auf Bedienlogik hinterließ die BMW R 1300 GS den aufgeräumteren Eindruck. Menüführung, Struktur und das Bedienelement am Lenker ermöglichen eine intuitive Steuerung auch während der Fahrt.
Bei der Honda Africa Twin wurde die Vielzahl an Tastern kritischer gesehen. Grundfunktionen sind schnell zugänglich, tiefergehende Einstellungen erfordern jedoch mehr Einarbeitung.
Weitere Unterschiede:
- BMW: elektrisch verstellbares Windschild
- Honda: manuelle Verstellung, nur mit beiden Händen möglich
- Honda: Apple CarPlay (Kabelverbindung erforderlich)
- BMW: Connected-Ride-System
Ein klar kritisierter Punkt an der BMW R 1300 GS war der Front-Collision-Warner, der Hindernisse teils unpräzise erkennt und Eingriffe über den Bremshebel signalisiert. Im Test wurde empfohlen, das System zu deaktivieren.
Ergonomie und Sitzkomfort
Beide Motorräder bieten entspannte Kniewinkel. Unterschiede zeigen sich im Detail:
BMW R 1300 GS
- Rasten weiter hinten positioniert
- Sportlichere Sitzhaltung
- Weicher wirkende Polsterung
- Auf längeren Etappen als komfortabler empfunden
Honda Africa Twin Adventure Sports
- Flacherer Sitz
- Härtere Polsterung
- Bewegungsfreiheit durch Verschieben nach hinten
- Leichter Bodenkontakt trotz hoher Bauweise
Die BMW wirkte insgesamt etwas tourenorientierter, die Honda stärker auf aktives Fahren und gelegentliche Offroad-Einsätze ausgelegt.
Fahrwerk: Vorteil Honda bei wechselnden Bedingungen
Auf schlechten, wechselnden Straßen spielte die Africa Twin ihre Stärken aus. Das Fahrwerk spricht fein an und vermittelt hohe Stabilität selbst bei Schlaglöchern und rauem Asphalt. In Kombination mit dem DCT entsteht ein sehr kontrolliertes, ruhiges Fahrgefühl – besonders bei langsamen Passagen.
Die BMW R 1300 GS überzeugte dagegen auf schnellen, gut ausgebauten Strecken. Bei höheren Geschwindigkeiten liegt sie satt und stabil, vermittelt viel Präzision und sportliches Feedback.
Kurz gesagt:
- Wechselnde, raue Strecken: Vorteil Honda
- Schnelle, flüssige Passagen: Vorteil BMW
Motorcharakteristik
Im engen Kurvengeläuf von Gran Canaria spielte die nominelle Mehrleistung der BMW R 1300 GS kaum eine Rolle. Sobald jedoch schnellere Passagen oder längere Kurvenradien anstehen, zeigt der Boxer seine Qualitäten: kräftiger Durchzug aus dem Keller, starke Leistungsentfaltung bis in höhere Drehzahlen.
Die Honda wirkte im engen Terrain teilweise sogar flotter, da sie sich leichter und ruhiger bewegen ließ. Auf schnellen Abschnitten ist die BMW R 1300 GS das leistungsstärkere Motorrad.
Zuverlässigkeit und Image
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Zuverlässigkeit. Während mit Testmaschinen der Africa Twin keine Probleme auftraten und positive Dauertesterfahrungen bestehen, gab es bei der neuen BMW-Generation mehrere Werkstattaufenthalte und Rückrufe.
Ein Tester zeigte sich gelassen: Neue Modelle mit vielen Innovationen benötigen oft Anlaufzeit. Ob sich das Image langfristig wieder stabilisiert, bleibt abzuwarten.












