EU schützt Vespa-Design: EUIPO-Anerkennung als geistiges Eigentum von Piaggio

EU-weiter Schutz für Vespa-Design
Vespa-Klone in der EU unter Druck

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.09.2026
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Vespa Officina 8 Apparel collection
Foto: Vespa

Die unverwechselbare Silhouette der Vespa steht für eine ganze Fahrzeugklasse. Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) hat diese Wiedererkennbarkeit im September 2026 offiziell anerkannt. Die Behörde in Alicante (Spanien) hat die Form der Vespa Primavera als dreidimensionale Marke eingetragen. Damit stärkt die EU den Schutz des Designs in allen Mitgliedstaaten.

Piaggio kann künftig gegen Roller vorgehen, die die charakteristischen Merkmale der Vespa nahezu vollständig kopieren.

Form statt Logo geschützt

Der Schutz bezieht sich nicht auf einen Schriftzug oder ein Logo, sondern auf die Form des Fahrzeugs. Piaggio hatte die Eintragung der dreidimensionalen Marke für die Vespa Primavera beantragt – sowohl für zweirädrige Fahrzeuge als auch für Modellfahrzeuge. Das EUIPO erkannte an, dass die Form durch jahrzehntelange Präsenz eine eigene Unterscheidungskraft erlangt hat. Verbraucher verbinden die charakteristische Gestaltung direkt mit Piaggio beziehungsweise Vespa. Zudem verwies die Behörde auf die weltweite Bekanntheit der Vespa, die seit 1946 auf dem Markt ist und als eine der ikonischsten Fahrzeugformen gilt.

Die Entscheidung vom 22. Juli 2026 baut auf früheren Schutzrechten auf. In Italien wurde die Form bereits 2024 als dreidimensionale Marke eingetragen, im Vereinigten Königreich folgte die Anerkennung 2025.

Das EUIPO definiert und registriert den Markenschutz. Bei Klagen müssen weiterhin nationale Unionsmarkengerichte über konkrete Verletzungen entscheiden. In Deutschland wären das regelmäßig die Landgerichte.

Schutz auch für Weiterentwicklungen

Besonders wichtig für Piaggio: Der Schutz gilt auch für stilistische Weiterentwicklungen. Das EUIPO stellte klar, dass Designänderungen den Schutz nicht automatisch aufheben. Eine neue Vespa muss nicht exakt wie ein älteres Modell aussehen, um geschützt zu bleiben. Entscheidend ist, dass die prägenden Merkmale und der charakteristische Gesamteindruck erhalten bleiben. Dazu zählen:

  • die geschlossene Karosserie
  • die fließende Seitenlinie
  • das Beinschild
  • die Verbindung aus klassischer Rollerform und moderner Gestaltung

Die Vespa Primavera gilt als Weiterentwicklung früherer Modelle, da sie deren wesentliche Merkmale bewahrt.

Die Entscheidung schützt somit nicht nur ein einzelnes Modell, sondern den gestalterischen Kern der Vespa-Familie. Auch künftige Modelle sind geschützt, solange sie dem etablierten Erscheinungsbild treu bleiben.

Modellhistorie und Sondermodell 80 Jahre Vespa

Was ist eine dreidimensionale Marke?Eine dreidimensionale Marke schützt die Gestaltung eines Produkts selbst. Im Fall der Vespa betrifft das nicht nur den Schriftzug "Vespa", sondern die erkennbare Form des Rollers. Voraussetzung ist, dass Verbraucher die Form als Hinweis auf einen bestimmten Hersteller verstehen.

Klone dürfen in EU nicht mehr vertrieben werden

Für Hersteller und Importeure von Rollern kann die Entscheidung weitreichende Folgen haben. Fahrzeuge, die der Vespa zum Verwechseln ähnlich sehen, dürfen in der EU nicht ohne Weiteres produziert oder vertrieben werden. Allerdings ist nicht jede Ähnlichkeit automatisch verboten. Ob ein Verstoß vorliegt, muss im Einzelfall geprüft werden. Entscheidend sind der Gesamteindruck, die Nähe zu den geschützten Merkmalen und die Gefahr, dass Kunden eine Verbindung zu Piaggio vermuten. Ein Roller mit rundem Retro-Design ist nicht automatisch ein illegaler Vespa-Nachbau.

Kein Retro-Monopol für die Vespa

Das zeigt das Beispiel des deutschen Herstellers Kumpan Electric. Dessen Modelle greifen den Retro-Stil klassischer Roller auf, unterscheiden sich aber in Form und Gestaltung deutlich genug von der Vespa. Solche Fahrzeuge dürfen weiterhin entwickelt, gebaut und verkauft werden.

Der Schutz der Vespa bedeutet kein Monopol auf Elektroroller, Rundscheinwerfer oder nostalgisches Design. Geschützt ist der charakteristische Vespa-Gesamteindruck – nicht die Idee eines klassischen Rollers. Hersteller können eigene Retro-Modelle anbieten, solange sie ausreichend Abstand zur Vespa-Form halten.

Fazit