Die Lambretta V-Special 125 Flex kommt als einzige Alternative zu den Leichtkraftrollern aus dem Premium-Segment ebenfalls mit der Lambretta-typischen Rohrrahmenstruktur mit angeschweißten Stahlblechen und stählernem Beinschild. Die V-Special wurde für den Modelljahrgang 2018 als erste neukonstruierte Lambretta zum Re-Launch der Marke als 50er-, 125er- und 200er-Modell mit identischer Karosserie für alle Hubraumgrößen auf den deutschen Markt gebracht. Seither gab es nur sanfte technische Anpassungen, um den jeweils aktuellen Abgasnormen zu entsprechen.
Retro-Roller mit 3.399 Euro im besten Sinne preiswert
Unter anderem dieser Konstanz verdankt sie ihren bekömmlichen Kaufpreis von 3.399 Euro zuzüglich Nebenkosten, der sie spürbar günstiger macht als die direkte Blechroller-Konkurrenz von Vespa oder Royal Alloy. Der Zusatz "Flex" bezeichnet den für Lambretta-Roller eher untypischen mitschwenkenden Vorderradkotflügel. Das Fix-Fender-Modell mit der rahmenfest verschraubten Vorderradabdeckung, das anfangs alternativ angeboten wurde, ist mittlerweile nicht mehr verfügbar.
Da die mögliche Nachfolgerin der V-Special, die Lambretta J125, bereits am Markt ist, stellt sich die Frage, ob die V-Special damit bald obsolet wird. Der Lambretta-Importeur für Deutschland – die Moteo Deutschland GmbH mit Sitz im nordrein-westfälischen Pulheim – wollte sich dazu auf Nachfrage von MOTORRAD noch nicht äußern.
Ausstattung konzentriert sich aufs Wesentliche
Der in vier Farbkombinationen verfügbare Retro-Roller besitzt ein analog-digitales Kombiinstrument im Cockpit, das in sieben verschiedenen Farben beleuchtet werden kann. Das kleine LC-Display in diesem Setup wirkt mittlerweile etwas angestaubt, Connectivity-Funktionen bietet es keine. Ins Helmfach passen nur sehr kleine Jethelme, das Handschuhfach im Beinschild beherbergt eine USB-Ladebuchse und Gepäckträger an Front und Heck gibt’s im reichhaltigen Zubehörprogramm. Damit wird die Lambretta V-Special 125 Flex in der Serienkonfiguration nicht eben zum Transportwunder.
Entspannte Sitzposition für Große, aber nur auf Kurzstrecken
Dafür bietet die Sitzposition großen Fahrern erfreulich viel Platz, was in dieser Fahrzeugklasse nicht selbstverständlich ist und viele Retro-Roller oft für Menschen über 1,80 m Körpergröße disqualifiziert. Dabei hilft auch die flache Sitzbank ohne nennenswerte Abstufung, die das Rutschen nach hinten ermöglicht, was den Kniewinkel entspannt. Besonders bequem ist das Polster allerdings nicht, doch im schnelllebigen Stadtverkehr spielt das keine große Rolle.
Die vollständige LED-Beleuchtung bringt Licht ins Dunkel und wirkt hochwertig.
Konventionelle Antriebstechnik muss kein Nachteil sein
Antriebsseitig setzt die Lambretta V-Special – wie mittlerweile alle 125er-Automatikroller mit Benzinmotor – auf die allgegenwärtige Antriebsschwinge mit stufenloser Variomatik und Fliehkraftkupplung. Ein luftgekühlter Zweiventil-Einzylindermotor von Kooperationspartner SYM, der 8,4 kW (11,4 PS) bei 8.500/min leistet und ein Drehmoment von 9,2 Nm bei 7.000/min bereitstellt, stellt die Motorbasis.
Lambretta V-Special 125 Flex schafft 99 km/h
Damit schafft die Lambretta V-Special 125 Flex beachtliche 99 km/h Höchstgeschwindigkeit, was sie auf Augenhöhe zur Premiumkonkurrenz bringt und die direkte Widersacherin Vespa Primavera 125 deutlich überflügelt. Der bestens bewährte Low-Tech-Motor mag in puncto Vibrationsarmut nicht der sanfteste Antrieb auf dem Markt sein, seine Zuverlässigkeit und der niedrige Wartungsaufwand indes sind beispielhaft und genießen fast schon einen legendären Status.
Zudem ist sein Verbrauch mit niedrigen 2,2 l/100 km erfreulich niedrig und ebenfalls mit moderneren Triebwerken ebenbürtig. Der Tankinhalt beträgt 6,5 Liter, somit sind ordentliche 295 Kilometer theoretische Reichweite drin.
Handliches Fahrwerk ohne Assistenzsysteme
Die Lambretta V-Special steht auf 12-Zoll-Felgen mit den Reifendimensionen 110/70-12 vorn und 120/70-12 hinten und setzt an der Front auf eine konventionelle Telegabel statt einer aufwändigeren Konstruktion mit gezogener Kurzschwinge. Am Heck kommt ein in der Federvorspannung verstellbares Mono-Federbein zum Einsatz. Obwohl an beiden Rädern mit Scheibenbremsen ausgestattet, muss der V-Special eine Kombibremse (CBS) genügen, ABS oder gar Traktionskontrolle sind nicht verfügbar.
Die stämmigen 134 Kilogramm Gewicht überraschen hinsichtlich der übersichtlichen Ausstattung etwas, sind aber der stabilen Stahlkonstruktion geschuldet. Derart gerüstet fährt die Lambretta V-Special erwartbar handlich durch die City, das Durchwuseln im engen Stadtverkehr ist eine echte Freude. Grundsätzlich ist das auch zu zweit möglich, die mageren 150 Kilogramm Zuladung – ein in diesem Segment absolut üblicher Wert – setzen hier aber gewisse Grenzen und Haltegriffe fehlen ebenfalls. Das geht besser!












