Rimini-Bimota im Track-Test: KB 998 mit Kawasaki-Power und Vario-Winglets aus Carbon

Bimota KB 998 Rimini - erster Track-Test
So rennt die Rimini-Bimota mit Kawasaki-Power

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.01.2026
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Bimota und Kawasaki brachten wirtschaftliche Grundlage, technisches Know-how und Feuereifer zusammen. Daraus ist das Supersport-Modell KB 998 Rimini entstanden – für die Superbike-WM. Eine Maschine mit japanischem Herzen, eingefasst von einem feinen italienischen Rahmengerüst. Und endlich gab es ein Serienexemplar der seltenen Preziose zu fahren.

Mit der Bimota KB 998 Rimini in Jerez

Zwischen der spanischen Rennstrecke von Jerez in Andalusien und der italienischen Stadt Rimini an der Adriaküste liegen circa 2.300 Kilometer Wegstrecke über Land. Früher oder später musste beides aufeinandertreffen, denn letztendlich ist das eine für das andere wie geschaffen. Hinter der Metaphorik steht folgender Umstand: Bimota wagt mit der KB 998 Rimini den Sprung zurück auf die internationale Rennbühne und fährt damit Superbike-WM. Hier in Jerez beim traditionellen Wintertest nimmt Bimota (genauer gesagt handelt es sich um BbKRT, also das Bimota by Kawasaki Racing Team) nach erfolgreichem Einstand in der Saison 2025 Anlauf für das zweite Jahr in der WSBK, die als "seriennahe Weltmeisterschaft" firmiert.

Superbike-Technik von der Kawasaki Ninja ZX-10 RR

Bauplan und Rezeptur der Bimota KB 998 – als Homologationsmaschine müssen 500 Stück innerhalb von 2 Jahren gebaut werden – stützen sich motorisch auf den Kawasaki-Antrieb der Ninja ZX-10 RR sowie deren Fahrwerk aus dem Hause Showa. Gleichteile zwischen den Serienmodellen der Bimota KB 998 und der Kawasaki Ninja ZX-10 RR Modelljahr 2025 – explizit nicht das 2026er-Modell – sind außerdem Getriebe, Abgasanlage, Räder, die gesamte Elektronik, das Dashboard sowie die Brembo-Stylema-Bremsen.

Bimota und Kawasaki

Die Verbindung Bimota-Kawasaki besteht erneut seit 2019, als Kawasaki zunächst teilweise bei der italienischen Motorradmanufaktur einstieg und sie mittlerweile als Mehrheitseigner absichert. Jedoch, und dieses Unterscheidungsmerkmal spielt die modellspezifische Hauptrolle, ergibt ein vollkommen eigenständiges Hybrid-Chassis nach historischer Bimota-Vorlage das Skelett sowie die italienische Seite der KB 998.

Hybrid-Rahmen nach Tamburini-Vorlage

Im Zentrum der Bimota KB 998 Rimini steht ein Hybrid-Rahmen, der in seinen Grundzügen auf Massimo Tamburinis Bimota HB2 von 1981 zurückgeht – eine Detailinformation für Historiker. Das bedeutet: Ab dem Lenkkopf setzt sich der vordere Teil aus hochfesten Stahl-Gitterrohren zusammen, im unteren Bereich geht das Konstrukt bis zur Schwingenaufnahme in gefräste und breit ausgeführte Aluminiumprofile über. Man kennt diese Art des Rahmenbaus auch von MV Agusta F4 und F3 – ebenfalls mit Tamburinis Handschrift.

Track-Test mit der Bimota KB 998 Rimini

Dreimal fünf Runden dürfen wir mit der Bimota KB 998 Rimini heute in Jerez absolvieren, die Testzeit ist begrenzt. Zunächst wartet die Serien-KB 998 auf griffigen Pirelli-Slicks in SC1-Mischung, direkt danach folgt der Wechsel auf das Bimota-Rennmotorrad von Racer Tito Rabat aus der spanischen Meisterschaft. Am Nachmittag steht schließlich ein letzter Fünf-Runden-Stint an. Die Aufteilung ergibt deswegen Sinn, da die Temperaturen am Vormittag zwischen kühlen 3 und 8 Grad Celsius schwanken. Die GP-Strecke weist nasse Stellen auf, die man besser präzise umfährt. Am Nachmittag stehen freundlichere Wetterverhältnisse an, der Rennasphalt trocknet beinahe vollständig ab. Aber wie verhält das Bimota-Superbike mit Kawasaki-Herz sich denn nun?

Ergonomie: der erste Eindruck

Da das nicht zu straffe Sitzpolster der Bimota KB 998 Rimini in 830 Millimeter Höhe rangiert, sitzt man eher versammelt und Motorrad-integriert. Weil die Maschine durch die Hybrid-Rahmen-Konstruktion im Kern schön schmal baut und sich die Figur des Motorrads im Tankbereich nur etwas bauchiger fortführt, kommt man gut zurecht. Superbike-typisch spannt die Maschine recht weit nach vorn, die Lenkerstummel liegen passgenau zur Hand. Auch die Fußrasten befinden sich in sportlicher, aber noch angenehmer Höhe. Platz, um sich abzuducken, gibt es reichlich. Etwas Windschutz auch.

Ninja-Motor mit 200 PS – mindestens

Der Antrieb der Bimota KB 998 Rimini fühlt sich logischerweise nach Ninja ZX-10 RR an. Es handelt sich um den 998-Kubik-Vierzylinder von Kawasaki mit hoher Laufkultur und seidenweicher Mechanik. Auf dem Datenblatt stehen 200 PS und 13.600/min Maximaldrehzahl, das stärkste Drehmoment in Höhe von 111 Newtonmeter liegt demnach bei 11.700/min. Ein toller und gut gemachter Antrieb, der sogar über Titanventile verfügt. Da er sich aber an überstarker Konkurrenz von BMW und Ducati messen lassen muss, spielt er ganz klar eine Liga darunter.


Aus der Drehzahlmitte tritt der Kawasaki-Motor etwas dünn an, er braucht Drehzahlen oberhalb von 10.000 Touren. Doch selbst in diesem Bereich fehlen ihm auf die Klassenbesten circa 20 PS. Diese Information richtet sich vor allem an jene, die das Maximum an Performance erwarten, es ausreizen können und wollen. Was auf der Rennstrecke ebenfalls auffällt und für Straßenfahrer gleichfalls relevant ist, ist die Abstimmung des Motors: Aus dem mittleren Drehzahlbereich heraus springt er relativ hart ans Gas. Man muss die Drehzahl bewusst weit oben halten und hoch konzentriert vorgehen, sonst verhagelt es einem teilweise die Linie.

Elektronik ebenfalls von der 10er-Ninja

Elektronisch kommt die Bimota KB 998 Rimini mit dem gleichen Paket wie die Ninja ZX-10 RR. Während das nicht einstellbare ABS in Jerez unkritisch funktioniert, greift die Traktionskontrolle auch auf den schärferen Stufen eher früh ein. Tatsächlich bietet der frische Pirelli-SC1-Slick so viel Haftung, dass die TC beinahe hemmt. Nicht weniger als ein Gedicht gibt das feinfühlig schaltbare Getriebe ab, hoch wie runter rasten die 6 Gänge schnell, sauber und sicher. Dass der erste Gang weiterhin extrem lang ausgelegt ist, versteht sich von selbst. Schnelles Runterschalten empfiehlt sich, je nach Strecke und persönlicher Vorliebe, mit reduzierter Einstellung der Motorbremse.

Fahrwerk auf hohem Superbike-Niveau

BbKRT-Teamchef Guim Roda, Fahrer Alex Lowes oder Axel Bassani: Egal, mit wem man vor Ort spricht – alle loben Chassis und Hybrid-Rahmen der Bimota KB 998 Rimini. Beide Werksfahrer waren in die Entwicklung involviert. Lowes und Bassani berichten von viel Vertrauen ins Motorrad, sogar deutlich oberhalb der Kawasaki Ninja ZX-10 RR. Sie müssen es wissen, schließlich haben beide zuvor die Kawasaki in der Superbike-WM bewegt. Guim Roda nennt auch die Möglichkeit, den Motor situationsgerecht im Rahmen positionieren zu können, als relevantes und vorteilhaftes Instrument im Kampf um WM-Punkte.
Nach einer gewissen Kennenlernphase mit der Bimota KB 998 Rimini versteht man ihre Euphorie.

Gewiss gibt es noch präzisere Sportmotorräder auf dem Markt, die ein noch schärferes Einlenkverhalten an den Tag legen. Die Bimota steuert dennoch lässig dorthin, wo man sie haben möchte. Im generellen Fahrverhalten zeigt sie sich ausgewogen. Richtungswechsel gelingen zackig und elegant. Außerdem dreht die Maschine trotz hoher Kurvenstabilität flink um den Scheitelpunkt, vermittelt Souveränität und schenkt viel Vertrauen.

Letztendlich macht das Chassis weder einen besonders steifen noch weichen Eindruck – sondern es passt einfach. Ebenfalls auffällig ist der mächtige Grip am Hinterrad, den auch die beiden Werksfahrer lobend erwähnen. Eine weitere Beobachtung betrifft die Front der Maschine. Ungeachtet des elektronischen Lenkungsdämpfers zuckt sie mitunter lebhaft beim harten Herausbeschleunigen. Es hilft, die Bimota locker am Lenker zu führen.

Dämpfung und Bremsen

Die Bimota KB 998 Rimini übernimmt auch das Showa-Fahrwerk von der Kawasaki Ninja ZX-10 RR mit großem Ausgleichbehälter an der Gabel ("Balance Free Fork") sowie einem Gasdruck-Stoßdämpfer. Beides funktioniert mechanisch-hydraulisch und ist voll einstellbar. Sowohl an der Gabel als auch heckseitig fällt die Dämpfung satt aus und spricht sensibel an, der Grip verdient beinahe das Prädikat "gigantisch". Auch spät und hart auf der Bremse zeigt sich die Front gefühlvoll, die Bremsleistung opulent – Brembos Stylema-Zangen verzögern proportional zur Handkraft stark und lassen sich trotz des freundlichen Initialbisses genau dosieren.

Verarbeitung, Extras und Homologation

Vor allem der Rahmen lässt die technische Exzellenz der Bimota KB 998 Rimini erkennen. Er wird von einem hoch spezialisierten Unternehmen für Bimota angefertigt, das sich im "italienischen Motor Valley" in unmittelbarer Nachbarschaft zu Größen wie Ferrari oder Lamborghini befindet. Diese Informationen ergeben Hinweise auf den Namen des Zulieferers: Er war in der Vergangenheit auch schon für Ducati tätig. Weiter möchte Bimota sich in dieser Sache allerdings nicht in die Karten schauen lassen. Fest steht: Der Hybrid-Rahmen der KB 998 sieht auch aus der Nähe betrachtet einfach klasse aus und scheint perfekt verarbeitet.

Variable Winglets aus Carbon

Als innovativ-nette Spielerei darf man wohl die aktive Aerodynamik der Bimota KB 998 Rimini betrachten. Über einen elektronischen Stellmotor ändert sich nämlich der Winkel der Carbon-Winglets. Beim Bremsen stellen sie sich auf, was in der Theorie die Bremsleistung und den Druck aufs Vorderrad intensiviert. Wirklich erspüren kann man das nicht, sich daran lächelnd erfreuen aber allemal. Natürlich geizt die KB 998 auch darüber hinaus nicht mit luxuriösen Etiketten wie etwa massenhaft carbonisierten Oberflächen, alles von bester Qualität.

Superbike für 43.990 Euro – ohne Straßenzulassung

Dass die Bimota KB 998 Rimini mit 43.990 Euro das Preislimit für ein Superbike-Homologationsmodell nahezu exakt ausreizt, kommt nicht überraschend. Eine bittere Pille stellt dafür die Sache mit der Zulassungstauglichkeit dar. Denn mit dem nötigen Kleingeld kann man zwar eine KB 998 kaufen – man darf sie aufgrund ihrer Euro-5-Einstufung aber nicht auf öffentlichen Straßen bewegen. Ein Fall fürs Wohnzimmer oder die Rennstrecke also.

Weitere neue Modelle von Bimota

Bimota und Kawasaki arbeiten inzwischen an einer Euro-5+-Version der Bimota KB 998 Rimini. Auch weitere Modelle mit Kawasaki-Antrieb befinden sich in der Planung, voraussichtlich sogar in kleineren Hubraumregionen mit Zweizylinder-Motor. Wann genau diese Motorräder auf den Markt kommen, ist gemeinsame Sache von Bimota und Kawasaki. Eine spannende Verbindung, der man nur die Daumen drücken kann.

Fazit