Die 2 teuersten Superbikes: Ducati Superleggera Centenario gegen Aprilia X 250th

Ducati Superleggera Centenario vs. Aprilia X 250th
Selten, teuer, stark: Superleggera gegen X 250th

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.04.2026
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Ducati Superleggera V4 Centenario (2026)
Foto: Ducati

Leistung und Gewicht im Vergleich

Die Ducati Superleggera V4 Centenario markiert zum 100-jährigen Jubiläum der Marke aus Borgo Panigale einen neuen Höhepunkt im Supersportler-Segment. In der straßenzugelassenen Euro-5+-Konfiguration liefert der neue Desmosedici Stradale R 1100 satte 228 PS bei einem Nassgewicht ohne Kraftstoff von 173 kg.

Mit dem optionalen Racing-Kit, bestehend aus Akrapovič-Rennabgasanlage und Ducati-Corse-Performance-Öl, steigt die Leistung auf 247 PS, während das Gewicht auf 167 kg sinkt. Das ergibt ein Leistungsgewicht von rund 1,48 PS pro Kilogramm – ein Wert, der eher an Prototypen als an straßenzugelassene Maschinen erinnert.

Die Aprilia X 250th kontert mit 240 PS bei einem Trockengewicht von nur 165 kg. Allerdings ist das Sondermodell aus Noale – anders als die Ducati – nicht straßenzugelassen. Der direkte Vergleich des Leistungsgewichts relativiert sich dadurch: Die Ducati muss die Anforderungen der Euro-5+-Homologation erfüllen, die Aprilia nicht.

Motor und Antrieb

Im Herzen der Ducati schlägt der neue Desmosedici Stradale R 1100 mit einem Hubraum von 1.103 cm³ – eine deutliche Steigerung gegenüber der bisherigen 998-cm³-Basis. Ducati erreicht dies durch eine Verlängerung des Hubs von 48,41 mm auf 53,5 mm, was vor allem im mittleren Drehzahlbereich für spürbar mehr Drehmoment sorgt (117 Nm).

Erstmals kommt eine besonders leichte Kurbelwelle mit Wolfram-Einsätzen zum Einsatz. Die Abgasanlage folgt einem 4-2-1-2-Layout und stammt im Racing-Kit von Akrapovic.

Die Aprilia X 250th basiert auf dem bekannten V4-Motor mit 1.099 cm³ Hubraum und erreicht ihre 240 PS ebenfalls über einen radikalen Rennsport-Ansatz – allerdings ohne die Einschränkungen einer Straßenzulassung.

Materialinnovationen und Leichtbau

Der Begriff "Superleggera" – superleicht – ist bei der Centenario wörtlich zu nehmen. Das gesamte Fahrwerk besteht aus Carbon-Komponenten: Rahmen, Schwinge, Heckrahmen und Räder werden mit denselben Technologien entwickelt, die auch in der MotoGP und der Formel 1 zum Einsatz kommen. Der Frontrahmen aus Carbon spart gegenüber dem Alu-Rahmen rund 17 Prozent Gewicht.

Die BST-Räder aus Carbon tragen ebenfalls zur Gewichtsreduktion bei. Besonders bemerkenswert: Die Superleggera V4 Centenario ist das weltweit erste straßenzugelassene Motorrad mit Carbon-Keramik-Bremssystem von Brembo – einer Technologie, die bislang exklusiven Supersportwagen vorbehalten war. Jede Bremsscheibe spart rund 450 Gramm ein.

Jede einzelne Carbon-Komponente wird mit drei zerstörungsfreien Prüfverfahren untersucht: transiente aktive Thermografie, Phased-Array-Ultraschall und Computertomografie – derselbe Prozess wie in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Die Aprilia X 250th setzt auf eine Vollcarbon-Verkleidung und Magnesium-Felgen von Marchesini. Auch sie bremst per Carbon-Scheiben, was bei einem nicht straßenzugelassenen Rennmotorrad allerdings weniger überraschend ist.

Fahrwerk und Geometrie

Die Fahrwerkskomponenten der Ducati setzen ebenfalls neue Maßstäbe: Die Superleggera V4 Centenario ist das erste Serienmotorrad mit der Öhlins NPX 25/30 Carbon-Gabel – einer Gabel mit Standrohren aus Kohlefaser. Das Federbein ist ein Öhlins TTX36 GP LW mit Stahlfeder, optimiert für maximale Gewichtsersparnis. Die nicht einstellbaren Umlenkhebel bestehen aus Titan.

Die Fahrwerksgeometrie der Ducati ergibt einen Lenkkopfwinkel von 24,5 Grad und einen Nachlauf von 100 mm. Die Aprilia ist mit einem Lenkkopfwinkel von 25 Grad und einem Nachlauf von 104 mm etwas stabiler ausgelegt. Beide Maschinen verfügen über voll einstellbare Öhlins-Federelemente, wobei die Ducati zusätzlich eine elektronische Dämpfungssteuerung bietet.

Elektronik und Assistenzsysteme

Die Elektronik der Superleggera V4 Centenario leitet sich von der Panigale V4 R ab, wurde jedoch neu kalibriert und mit neuen DVO-Strategien (Ducati Vehicle Observer) erweitert. Ziel ist es, auch weniger erfahrenen Fahrern die Möglichkeit zu geben, Fahrtechniken aus der MotoGP nachzuvollziehen.

Die Systeme umfassen unter anderem Ducati Traction Control (DTC), Dynamic Engine Brake (DEB – regelt die Motorbremswirkung für mehr Stabilität beim Herunterschalten) und ein Getriebe mit Neutral-Lock-Funktion. Die Ducati verfügt zudem über ein 5-Zoll-TFT-Display mit individualisierbaren Layouts und "Corner Sidepods", die aus der MotoGP-Aerodynamik stammen und das Motorrad in Schräglage zusätzlich auf den Asphalt drücken.

Die Aprilia X 250th bietet eine speziell abgestimmte Elektronik mit Daten-Ausleseoptionen, die direkt aus der MotoGP-Technologie abgeleitet sind. Im Lieferumfang enthalten ist ein Laptop mit spezieller Software für die Abstimmung der Motor-Elektronik. Ihr 4,3-Zoll-TFT-Display verfügt über einen integrierten GPS-Logger.

Exklusivität und Preis

Die Ducati Superleggera V4 Centenario ist auf 500 Exemplare limitiert, plus zusätzlich 100 Stück in der Tricolore-Variante – deren Lackierung die Farben der italienischen Flagge mit historischen Ducati-Rottönen verbindet, vom Rot der Ducati 60 aus dem Jahr 1949 bis hin zum Rot der Gran Sport "Marianna" von 1955.

Der Einstiegspreis liegt bei rund 150.000 Euro. Jedes Exemplar wird mit Echtheitszertifikat in einer speziellen Box geliefert, dazu eine maßgeschneiderte Motorradabdeckung, Garagenmatte und Montageständer. Der Racing-Kit mit Akrapovic-Abgasanlage, Carbon-Verkleidungsteilen und Schutzkomponenten gehört ebenfalls zum Lieferumfang.

Die Aprilia X 250th ist mit nur 30 Exemplaren weltweit noch exklusiver – 25 davon sind für die USA bestimmt, lediglich 5 für den Rest der Welt. Der Preis: 150.000 US-Dollar oder rund 115.000 Euro (plus Steuern). Zum Lieferumfang gehören neben dem Laptop mit Abstimmungssoftware auch Titan-Ständer, Teppich, Abdeckhülle und Reifenwärmer für die Pirelli-Slicks.

Fazit