Die Ducati Superleggera V4 Centenario ist Ducatis vierte Version eines Superbikes, das seinen Platz irgendwo zwischen "schön", "verrückt" und "anbetungswürdig" sucht. Gleichzeitig versinnbildlicht die Maschine das 100-jährige Bestehen einer Marke, an deren Strahlkraft sich viele andere Hersteller messen lassen müssen. Vom Radio- über den Motorrad-Kleinserienhersteller bis zum MotoGP-Champion – Ducati hat genau das geschafft. Und auch einen technologischen Respektabstand zwischen sich und vielen Mitbewerbern realisiert.
500 Ducati Superleggera V4 Centenario plus 100 Tricolore
Bei der neuen Ducati Superleggera V4 Centenario geht es daher um nicht weniger als die sichtbarste Demonstration dessen, was technisch möglich ist: kompromisslos, konzentriert, ohne jede Mäßigung. 500 Exemplare wird es geben, dazu 100 in Tricolore. Centenario bedeutet 100-jähriges Jubiläum, denn die italienische Marke Ducati wurde 1926 gegründet.
Limited Edition zum 100-jährigen Jubiläum kostet mindestens 150.000 Euro
Rund 150.000 Euro soll die neue Ducati Superleggera V4 Centenario kosten, etwa 200.000 Euro die handbemalte Tricolore-Variante in italienischen Landesfarben – Exklusivität und Konsequenz bis zur letzten Titanschraube. Selbst wer derlei Summen lockermachen kann, muss erst einmal ein Angebot erhalten. Das scheinen die Bologneser von einem in der Nähe beheimateten Automobilhersteller gelernt zu haben.
Carbon-Keramik-Bremse mit Straßenzulassung
Vielleicht beginnt man die Geschichte der neuen Ducati Superleggera V4 Centenario besser dort, wo sie wieder entschleunigt: An der Front arbeitet nämlich erstmals im Motorradbau eine straßenzugelassene Carbon-Keramik-Bremse. Brembo GP4-HY-Monobloc-Zangen fassen an 340-Millimeter-Scheiben, die trotz größerer Dimension das gleiche Gewicht wie die 330er-Serienscheiben einer Panigale V4 aufweisen, jedoch laut Ducati ein um 39 Prozent geringeres Trägheitsmoment mitbringen – gut für die Agilität. Solche Systeme entfalten ihre volle Wirkung naturgemäß erst bei steigender Temperatur und dürften sich zuvor entsprechend zurückhaltend geben.
Bremsen im Wert von circa 20.000 Euro
Fahren dürfen die neue Ducati Superleggera V4 Centenario vorerst nur künftige glückliche und mutige Besitzer. Immerhin gelten die Bremsen als relativ wartungsarm, was angesichts eines Gegenwerts im Bereich von schätzungsweise um 20.000 Euro beruhigt. Raffiniert geformte Bremsbeläge mit abgeschrägten Enden nutzt der Fahrtwind zum Zurückstellen beim Lösen des Hebels – perfekte, pure Dosierbarkeit. Am Hinterrad arbeitet eine schwimmend gelagerte Scheibe, die gegenüber jener der Panigale V4 rund 200 Gramm spart – klein gerechnet, groß gedacht.
Leichtes Chassis fast komplett aus Carbon
Das Chassis der neuen Ducati Superleggera V4 Centenario ist kompromisslos aufgebaut und aus Kohlefaserlaminat gefertigt. Frontrahmen, Heck, Schwinge, Verkleidung, Räder – nahezu alles besteht aus Carbon. Alle Bauteile werden dreifach geprüft, inklusive industrieller Röntgenchecks zur Detektion von Lufteinschlüssen sowie Materialstärken- und Gewichtsanalysen. Überwiegend geschieht das im Veneto, teilweise in Bologna.
BST-Räder ebenfalls aus Carbon
Überhaupt stammen sämtliche Carbon-Teile für die neue Ducati Superleggera V4 – mit Ausnahme der südafrikanischen BST-Räder – aus Italien und gehen auf Luftfahrttechnik beziehungsweise höchste Rennsportklassen zurück. Der einlaminierte QR-Code auf der Superleggera-Schwinge liefert übrigens Produktionsdaten bis hin zum verantwortlichen Techniker – moderner Handwerkerstolz.
Ducati Superleggera V4 Centenario – straßenzugelassen als Einsitzer
Das Carbon dient bei der neuen Ducati Superleggera V4 Centenario aber zu weit mehr als zu Schmuck und Diät, es geht um Fahrbarkeit: Beim Frontrahmen ist die seitliche Steifigkeit bewusst reduziert, um Rückmeldung und Einlenkverhalten zu schärfen. Das Heck besteht aus einem Stück statt aus zwei Hälften, die hohle Zweiarmschwinge entsteht mittels eines mit Wachs gefüllten Ballons, der nach dem Laminieren ausgeschmolzen wird. Aufwendig, teuer, folgerichtig. Selbst die BST-Räder sparen weitere Gramm – möglich, weil die Centenario als Einsitzer homologiert ist. "We are a little bit crazy", sagt Pressemann Giulio lächelnd.
Öhlins-Fahrwerk mit Carbon-Gabel
Auch das Fahrwerk der neuen Ducati Superleggera V4 Centenario folgt dieser Logik. Das mechanische Öhlins TTX36-GP-LW-Federbein mit Titan-Umlenkung nutzt eine leichte 85er-Feder aus speziellem Flugzeugstahl, hat MotoGP-inspirierte Ventile und lässt sich hydraulisch werkzeuglos vorspannen. Vorn arbeitet eine 43er-Öhlins-NPX-25/30-Gabel mit Carbon-Holmen, ausgelegt auf maximale Stabilität bei feinster Rückmeldung. Thermisch am stärksten belastet bleibt indes die Carbon-Schwinge in der Nähe des Auspuffs – nicht etwa der Frontrahmen, wie man fälschlicherweise annehmen könnte.
Fortschrittliche Elektronik
Elektronisch geht Ducati bei der neuen Superleggera V4 Centenario ebenfalls einen Schritt weiter. Sämtliche Assistenzsysteme werkeln in überarbeiteten Evo-Strategien, neue Algorithmen berücksichtigen Gewicht und Leistung. Die neue DEB-Funktion (Dynamic Engine Brake) kooperiert mit der selbsttätigen Hinterradbremse eCBS und optimiert so Verzögerung und Linienwahl. Die Elektronik geht mitsamt der Verkleidung konzeptionell auf die aktuelle Panigale V4 R zurück. Im unteren Bereich des Superleggera-Carbonkleids erkennt man die charakteristischen neuen Corner Sidepods, die stabilisierend wirken.
228 PS und 173 kg (ohne Sprit) mit Straßenzulassung
Last, but not least blicken wir auf und in den Motor der neuen Ducati Superleggera V4 Centenario. Für den Desmosedici-Stradale-R-1100-V4 kombiniert Ducati die Zylinderköpfe der Panigale V4 R mit 1.103 Kubik Hubraum – und mit einer geschmiedeten Kurbelwelle samt Wolfram-Einsätzen. 228 PS treffen im straßenzugelassenen Euro-5+-Trimm auf 173 Kilogramm Gewicht (ohne Sprit).
247 PS und 167 kg (ohne Sprit) mit Racing-Kit
Mit Racing-Kit stehen für die neue Ducati Superleggera V4 Centenario sogar 247 PS bei nur 167 Kilogramm (ohne Sprit) im Raum, das entspricht rund 1,5 PS pro kg. Wie schnell sie ist? Wohl in Reichweite zu einer Rennmaschine aus der Superbike-WM. Bleibt die Frage, ob der Desmosedici Stradale R 1100 irgendwann in einer leistbareren Panigale-Inkarnation verfügbar sein könnte. Möglich ist vieles – Ducati und die Superleggera beweisen es.












