Automatik-Cruiser für A2: Benda Chinchilla 350 Neo mit Variomatik im Fahrtest

Benda Chinchilla 350 Neo A2 im Fahrtest
Dieser Cruiser cruist mit Variomatik

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.04.2026
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Benda Chinchilla 350 Neo: Cruiser mit CVT-Getriebe im Alltagseinsatz

Was ist ein Cruiser? Klassisch gilt: groß, schwer – und vor allem mit mechanischem Schaltgefühl. Genau diesen letzten Punkt stellt die Benda Chinchilla 350 Neo infrage. Statt Schalt- oder klassischem Automatikgetriebe nutzt sie ein CVT-Getriebe (Variomatik), also ein System ohne feste Gänge, wie man es vor allem von Rollern kennt.

Die Cruiser-Klasse gilt seit Jahrzehnten als vergleichsweise festgefahren. Benda setzt hier auf neue Ansätze und hat bereits mit Modellen wie Napoleon Bob 250, Napoleon Bob 500 oder LFC 700 gezeigt, dass man im Segment auch mutig sein und neue Konzepte ausprobieren kann. Mit der Chinchilla 350 Neo geht dieser Weg weiter – mit der Idee: Cruiser fahren heißt entspannen, also fällt eine Komponente weg, die Anspannung erzeugen kann – das Schalten.

Motor: V2 mit 343 Kubik, 34 PS und 31 Nm

Angetrieben wird die Benda Chinchilla 350 Neo von einem wassergekühlten V2-Motor mit:

  • 343 ccm
  • 34 PS
  • 31 Nm Drehmoment

Der V2 ist modern ausgelegt und wirkt nicht ungehobelt. Im Mittelpunkt des Konzepts steht jedoch weniger der Motor als das Getriebe.

CVT/Variomatik: Funktionsprinzip und Wirkung

Ein CVT-Getriebe hat keine fixen Gänge. Es arbeitet mit zwei Kegelscheibenpaaren, deren Durchmesser sich verändern kann; dazwischen läuft ein Riemen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Übersetzungen:

  • Niedrige Übersetzung fürs Anfahren: vorne kleiner Durchmesser, hinten größer.
  • Hohe Übersetzung fürs entspannte Dahincruisen bei höherem Tempo: vorne größer, hinten kleiner.

Der Nutzen im Alltag liegt auf der Hand: kein Kuppeln, kein Schalten. Aufsteigen, Motor starten, losfahren – der Fokus bleibt auf dem Gasgeben. Gleichzeitig bringt die Variomatik einen typischen Nachteil mit: Das Fahren kann monoton wirken, weil der Motor permanent in der "perfekten" Drehzahl läuft und dadurch Variation im Fahrverhalten verloren geht.

Fahreindruck: sehr einfach, sehr gleichmäßig

Die Bedienung der Benda Chinchilla 350 Neo fällt besonders leicht: Gas geben, das Fahrzeug geht in "Drive", es gibt keine Schaltvorgänge. Der Motor bleibt dauerhaft im passenden Drehzahlbereich, wodurch optimaler Vortrieb anliegt.

Klanglich hat das Konzept eine Besonderheit: Weil die Drehzahl gehalten wird und Schaltmomente fehlen, wirkt der Sound teilweise rollerähnlich. Gleichzeitig bleibt es ein echter V2, was das Gesamtbild vom Roller unterscheidet. Beim Herausbeschleunigen fällt zudem ein kräftiges Ansaugeräusch aus dem Tankbereich auf. Das kann gefallen, wirkt aber bei längerer Bergfahrt stellenweise dröhnend.

Motorbremse und Anhalten: Umstellung durch CVT

Mit CVT fehlt die selbst steuerbare Motorbremse per Herunterschalten. Bergab lässt sich nicht "runterschalten", um Verzögerung über den Motor zu erzeugen – es braucht mehr Bremsarbeit, ähnlich wie beim Roller. Das ist eine Umstellung, an die man sich gewöhnen kann.

Ein praktischer Nachteil zeigt sich im Stand: Ohne Feststellbremse lässt sich die Benda Chinchilla 350 Neo nicht sichern und kann wegrollen. Wer sitzt oder hält, muss die Bremse dauerhaft betätigen. Eine Feststellbremse wäre ein Punkt zum Nachbessern bei einem nächsten Modell.

Komfort, Fahrwerk und Stadt-Einsatz

Sitzkomfort und Cruiser-Grundidee passen: Der Sitz der Benda Chinchilla 350 Neo ist komfortabel. Das Fahrwerk liegt nicht auf allerhöchstem Niveau, bleibt aber ausreichend komfortabel, auch für Fahrten in der Stadt.

Gerade dort spielt die Variomatik ihre Stärke aus: Stop-and-Go, Schritttempo, langsame Manöver – alles funktioniert ohne Kupplung und ohne Schalten. Im urbanen Verkehr kann man nahezu bis zum Stillstand verlangsamen, wieder leicht Vortrieb geben und im Fluss bleiben, ohne sich körperlich anzustrengen. Das passt besonders gut zum entspannten Cruiser-Konzept und funktioniert im Alltag überzeugend.

Ergonomie: niedrige Sitzhöhe, klassische Cruiser-Haltung

Die Sitzhöhe liegt bei 690 mm und ist damit angenehm niedrig – typisch für einen A2-Cruiser, auf dem häufig Ein- und Wiedereinsteiger sitzen. Die Sitzposition auf der Benda Chinchilla 350 Neo ist klassisch:

  • Beine nach vorn gestreckt, aber nicht extrem
  • breiter Lenker mit angenehmer Kröpfung
  • aufrechte, entspannte Haltung
  • angenehm gepolsterte Sitzbank

Ein Effekt des CVT-Konzepts: Der Hinterradbremshebel sitzt nicht am Fuß, sondern am Lenker. Links fehlt zudem ein Schalthebel. Dadurch lässt sich auf gerader Strecke besonders entspannt sitzen – Füße ausstrecken und ablegen geht leicht. In Kurven gilt allerdings Vorsicht: Die Füße können dann als Erstes den Boden berühren; wenn es sie "weghaut", ist das kein Spaß.

Ausstattung: TFT, Handyhalterung, Traktionskontrolle (abschaltbar)

Bei der Ausstattung lässt sich die Chinchilla 350 Neo nicht lumpen:

  • klassisch seitlich montierter Zündschlüssel (Cruiser-typisch)
  • TFT-Anzeige mit den wichtigsten Informationen
  • Drehzahlmesser ist vorhanden, spielt hier aber eine untergeordnete Rolle, weil nicht geschaltet wird
  • Handy am Lenker für Navigation (genannt wird Kalimoto), als Halterung wird SP Connect erwähnt
  • klassische, nicht überladene Bedieneinheiten; keine unnötigen Fahrmodi
  • Traktionskontrolle abschaltbar
  • einstellbare Hebel rechts und links (Vorder- und Hinterbremse) – ein Pluspunkt in dieser Preis- und Fahrzeugklasse, gerade mit Blick auf Ein- und Wiedereinsteiger

Design: zurückhaltend, Technik als Highlight

Optisch tritt die Chinchilla 350 Neo eher zurückhaltend auf, bleibt aber mit Details präsent:

  • ein schön designter Scheinwerfer
  • Benda-Logo im Tankbereich, hinter einer Plastikabdeckung versteckt
  • ein langer Auspuff

Der eigentliche technische Blickfang sitzt jedoch zentral im Konzept: das CVT-Getriebe – als Novum im Cruiser-Einsatz und als Ausdruck, bewusst etwas Neues in den Markt zu bringen.

Benda Chinchilla 350 Neo für die A2-Klasse – die Preise

  • Deutschland: 6.500 €
  • Österreich: 6.800 €

Drei Farbvarianten stehen jeweils zur Verfügung.

Fazit