6 Zylinder - Boxer vs. Reihenmotor: BMW vs. Honda - neue K 1800 gegen Gold Wing

BMW gegen Honda
Duell der 1800er-Sixpacks

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.05.2026
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BMW Vision K18 (05/2026)
Foto: BMW

BMW wird den Sechszylinder aus dem Konzept Vision K18 niemals mit 1.800 Kubik bringen. So viel Meinung sei erlaubt: Der Hubraum wird noch größer.

2 Gründe für diese These:

  1. Der aktuelle Hubraum misst 1.649 Kubik, die Modelle heißen K 1600 .
  2. Das Sixpack der Honda Gold Wing misst 1.833 Kubik. BMW wird kaum darunter bleiben.

Hubraum wird noch größer

Nehmen wir die 1.833 Kubik der Gold Wing als Mindestziel für den Hubraum des vergrößerten BMW-Sechsers, bleiben BMW 2 Möglichkeiten, von den aktuellen 1.649 Kubik zu erhöhen.

  1. Vergrößern der Bohrung von aktuell 72 Millimeter je Zylinder.
  2. Verlängern des Hubs von derzeit 67,5 Millimeter.

Mehr Bohrung, mehr Probleme

Das Vergrößern der Bohrung gelingt zwar recht einfach, hat auf den Hubraum große Auswirkungen, zieht jedoch einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich.

Bei gleichem Hub müsste BMW die Bohrung der K 1600 um 4 Millimeter vergrößern, um auf 1.837 Kubik in einer K 1800 zu kommen. Doch dazu verlangt der Zylinderkopf, maßgeblich verändert zu werden, dito das Kühlsystem. Und nur unter der Bedingung: Das Motorgehäuse bietet Platz und Wandstärke für das Vergrößern der Zylinder um immerhin 5,5 Prozent.

Mehr Hub, mehr Aufwand

Ebenso nicht einfach und sogar etwas ineffektiver als Aufbohren ist das Verlängern des Hubs der Kurbelwelle. Zum Vergleich: 1 mm mehr Bohrung würde den Hubraum des Sechszylinders von 1.649 auf 1.695 Kubik vergrößern. 1 mm mehr Hub ergäbe bei unveränderter Bohrung nur 1.673 Kubik.

Dafür erforderlich wäre ebenfalls viel Aufwand im Motor, natürlich mit einer neuen Kurbelwelle. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn: Möchte BMW die Deckhöhe – Abstand zwischen Kurbelwellenmitte und Kopfdichtfläche – und damit die Höhe des Gehäuses nicht ändern, müssen unter Umständen kürzere Pleuel den Unterschied ausgleichen. Kürzere Pleuel wiederum erhöhen die mittlere Kolbengeschwindigkeit und erhöhen das Kippmoment der Kolben in den Zylindern. Hauptproblem ist jedoch: Ein kurzes Pleuel lenkt deutlich weiter im Kurbelgehäuse aus, verlangt seitlich also mehr Platz auf halbem Weg zu den Totpunkten.

Das verlangt unter Umständen nicht nur Eingriffe ins Gehäuse, sondern wohl auch eine andere Kolbenkonstruktion. Rechnerisch müsste BMW den Hub des Motors um 7,5 Millimeter erhöhen, um auf 1.832 Kubik zu kommen. Gänzlich abwegig, da der Antrieb so vom Kurzhuber zum Langhuber würde und damit weit weg vom sportlichen Charakter der K 1600.

BMW wird wohl mischen

Entsprechend dürfte BMW an beiden Stellschrauben drehen. 3 Millimeter mehr Bohrung und 1,7 Millimeter mehr Hub ergeben 1.835 Kubik und damit etwas mehr als bei der Gold Wing. Mission erfüllt. Gleichzeitig wirkten beide Maßnahmen weniger extrem auf Motorgehäuse, Kühlung und so weiter aus. Ebenso dürfte die Charakteristik des Reihenmotors erhalten bleiben.

Gold Wing völlig anders

Zwar zählen die beiden Motoren die gleiche Zahl an Zylindern, und nach der Wunschrechnung messen beide den gleichen Hubraum, dennoch unterscheiden sich die beiden Sechszylinder von BMW und Honda grundlegend.

Da ist das Merkmal Boxer gegen Reihenmotor der offensichtlichste Unterschied. Viel interessanter ist: Honda erreicht die 1.832 Kubik über ein quadratisches Verhältnis von Bohrung und Hub, sprich die Werte sind gleich. Im Falle des Boxers je 73 Millimeter.

Das ist eine gänzlich andere Art von Motor als der von BMW, was die Leistungswerte unterstreicht. Honda erlaubt dem Boxer aktuell ein Drehmoment von 170 Nm bei 4.500/min und eine Nennleistung von 126,5 PS bei 5.500/min, und das bei einer moderaten Verdichtung von 10,5:1.

Zum Vergleich: Aktuell erzeugt der Sechszylinder der BMW 180 Nm bei 5.250/min und 160 PS bei 6.750/min, bei einer Verdichtung von 12,2:1.

Was könnte der neue Sechszylinder von BMW leisten?

Ausgehend vom Ansatz, BMW erhöht Bohrung und Hub je leicht, um den Hubraum von 1.649 Kubik auf 1.835 Kubik zu vergrößern, dürfte der Charakter des Motors erhalten bleiben: schiere Kraft mit sportlichem Touch.

Vereinfacht: BMW erhöht den Hubraum um 11 Prozent, entsprechend steigen Kraft und Leistung ebenfalls um 11 Prozent. Ergäbe mögliche 178 PS und 199 Nm. Das dürfte reichen.

Hubraum allein hilft nicht

Das sind natürlich alles Gedankenspiele und Marketing. Wirklich mehr Hubraum benötigt der 1600er-Motor von BMW nicht. Er hat Kraft und Leistung im Überfluss. Das viel größere Problem des Antriebs, und hier muss BMW für die nächste Generation ran: Das Getriebe ist einfach schlecht. Es schaltet hakelig, laut, rau, ungenau, und der 1. Gang ist zu lang. Da würde selbst das erwartbare Update auf den Schaltassistenten ASA, der das Getriebe vollautomatisiert, kaum helfen.

Fazit