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Adventure-Bikes im Test beim Alpen-Masters 2016

Caponord 1200, Multistrada 1200, Africa Twin und Tiger Explorer

Für Touren und Kurvenspaß in den Alpen bieten Reiseenduros beste Voraussetzungen. Auch diese vier Maschinen? Wir testen Aprilia Caponord 1200 Rally, Ducati Multistrada 1200 Enduro, Honda Africa Twin und Triumph Tiger Explorer XRT.

Rekapitulieren wir noch einmal: Wer darf eigentlich mit zum Alpen-Masters? Vorrangig natürlich taufrisches Material, also sind in der Kategorie Adventure die Honda Africa Twin und die Ducati Multistrada 1200 Enduro schon mal gesetzt. Außerdem bekommen facegeliftete Maschinen eine erneute Chance, in diesem Jahr etwa die Triumph Tiger Explorer, die motor- und fahrwerksseitig stark aufgemöbelt wurde. Und den letzten Startplatz in dieser umkämpften Gruppe ergattert die Aprilia Caponord Rally. Die ist zwar nicht gerade brandneu, fiel aber aus unerfindlichen Gründen im letzten Jahr durch den Rost. Und bevor Fragen kommen: Die BMW R 1200 GS durfte schon wieder nicht mit in die Berge, weil sie zuletzt 2014 im Finale ganz knapp an der KTM 1190 Adventure scheiterte und sich seitdem in Sachen Modellpflege nichts tat. Also vielleicht 2017, schaun mer mal.

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Doch zurück zu den vier Protagonisten der Kategorie Adventure-Bikes für das Alpen Masters 2016. Eine interessante Mischung unterschiedlicher Charaktere, die sich alle zu Recht eine Chance auf das Finale ausrechnen. Technologisch gesehen hat sicher die Ducati Multistrada 1200 Enduro ihre Nase voll im Wind. Die mächtige Reiseenduro serviert wirklich alles, was an moderner Ausstattung überhaupt denkbar ist: semiaktives Fahrwerk, DVT-Desmo-Twinspark-V2 mit variablen Steuerzeiten, beeindruckendes TFT-Edel-Display im Cockpit, dazu eine ganze Latte allerfeinster Assistenzsysteme. Eine Hightech-Enduro, die dazu mit gigantischer Spitzenleistung protzt.

Ducati Multistrada 1200 Enduro wirkt subjektiv schwerer

Die Frage ist nur: Braucht man einen solchen Technologie-und Leistungs-Overkill in den Alpen wirklich? Die Antwort: im Prinzip eher nicht. Stören täte die geballte Technik andererseits aber auch wieder nicht, solange sie gut und unauffällig funktionieren würde. Doch genau in dieser Hinsicht hinterlässt die Ducati Multistrada 1200 Enduro Fragezeichen. Wozu die komplizierte Motortechnik, wenn der Schub sich in groben Wellen über den Fahrer ergießt, wenn andere Twins ohne jeglichen Schnickschnack mehr Drehmoment viel gleichmäßiger entwickeln? Auf dem glibberigen, leicht angefeuchteten Spitzkehren-Wirrwarr hinter Corvara jedenfalls ist der Spaß mit der synthetisch am Gas hängenden Ducati eher begrenzt.

Das semiaktive Skyhook-Fahrwerk sorgt mit langen Federwegen und viel Bewegung einerseits für satten Komfort, schluckt anstandslos selbst die groben Verwerfungen am Valparola. Andererseits beherrscht es Ansprechen auf Löchern und Aufbrüchen in der Asphaltdecke nicht sonderlich gut. Eine Folge der langhubigen, weichen Auslegung ist zudem eine geminderte Stabilität. Auch wirkt die massige Ducati Multistrada 1200 Enduro subjektiv 20 Kilo schwerer als gemessene 277 kg, während etwa die Aprilia 20 Kilo leichter als ihre tatsächlichen 267 kg wirkt. Schade, früher mal stand bei Ducati Leichtbau ganz oben im Lastenheft. So hoffnungsvoll die große Enduro auch antrat, in den Alpen kommen ihre Schwächen noch stärker als im Flachland zum Tragen.

Triumph Tiger Explorer XRT bequeme Reisemaschine

Was den Motor angeht, ist die Triumph Tiger Explorer XRT gewissermaßen das Gegenteil zur Ducati Multistrada 1200 Enduro. Denn anders als der V-Twin hängt der Triumph-Triple wirklich piekfein am Gas, entwickelt seine Kraft in jedem Drehzahlbereich kontinuierlich und in jeder Situation kontrollierbar. So sind die engen Spitzkehren zum Falzarego hinauf mit der Triumph ein Vergnügen. Und das trotz des relativ hohen Gewichts und der träge wirkenden Fahrzeugfront. In einzelnen Kehren stört das weniger, hier dominiert der tolle Antrieb das Geschehen. Tricky Wechselkurven, etwa die von Canazei zum Fedaia hoch, verlangen allerdings viel Einsatz.

Ähnliches gilt für schnelle Ausweichmanöver, falls mal unerwartet ein Murmeltier über die Straße hoppelt. Ein Kurvenflitzer ist die Triumph Tiger Explorer XRT sicher nicht, doch gewiss eine bequeme Reisemaschine mit bestem Windschutz, ergo höchster Punktzahl im Kapitel Komfort. Am Ende ist der Brexit in dieser Gruppe dann aber doch unvermeidlich, immerhin kann sich die Triumph Tiger Explorer XRT noch Platz drei vor der Ducati Multistrada 1200 Enduro sichern.

Honda Africa Twin vs. Aprilia Caponord

Um den Sieg kommt es zum beinharten Fight zwischen den Reiseenduros von Honda Africa Twin und Aprilia Caponord 1200 Rally, hier geht es um jedes Pünktchen. Dabei könnten diese beiden Maschinen kaum unterschiedlicher gestrickt sein. Die Aprilia wirkt trotz 19-Zoll-Vorderrads eher wie eine sportliche Crossover-Maschine. Sie lässt im endlosen Geschlängel den Pordoi hinunter nach Canazei jeden Gourmet feiner Linien mit der Zunge schnalzen. Man könnte nun vermuten, das läge an einer sehr sportlichen Abstimmung des semiaktiven Sachs-Fahrwerks. Dem ist aber nicht so, es bietet trotz nicht allzu üppiger Federwege sogar überraschenden Komfort. Während die Konkurrenz mit der Auslegung semiaktiver Fahrwerke noch Probleme hat, liegt Aprilia hier bereits goldrichtig.

Zudem überzeugt der frühere Sport-V2 in der Aprilia Caponord 1200 Rally mit gleichmäßigem Drehmomentverlauf und guten Tischmanieren. Die Trinksitten sind aber immer noch Aprilia-typisch: 6,4 l/100 km sind auch beim diesjährigen Alpen-Masters wieder negativer Rekord. Schön wäre es auch, wenn Aprilia sich dieses klappengesteuerte Auspuffballern gespart hätte. Aber dafür gibt es ja bislang noch keine Punktabzüge.

Ganz anders tritt die Honda Africa Twin auf. Sie ist zurückhaltend leise, begnügt sich mit sparsamen 4,7 Litern. Sicher gibt es dafür auch deutlich weniger Leistung. Allerdings fällt das in den Bergen bei artgemäßer Fortbewegung kaum auf. Die Honda verliert zwar beim Durchzug am Berg ein paar Pünktchen, begeistert jedoch mit weichem Lauf und gleichmäßiger Drehmomentkurve. Erstaunlich: Trotz des klaren Leistungshandicaps kann die Africa Twin sogar die Motorwertung knapp für sich entscheiden.

Auch das Fahrwerk macht auf Understatement, verzichtet auf jeden elektronischen Schnickschnack. Beim Umstieg von einer der Hightech-Maschinen auf die schlichte Honda Africa Twin fragt man sich schon manchmal, was der ganze Aufwand eigentlich bringt. Bei der Honda gibt es wenig einzustellen, man vermisst aber auch nichts. Der Sitz- und Fahrkomfort ist spitze, das Fahrwerk wird mit grobem Geläuf bestens fertig. 20 bis 50 Kilogramm Gewichtsunterschied zur Konkurrenz sind natürlich auch ein Wort. So wäre der Gruppensieg eigentlich Formsache, gäbe es nicht zwei Achillesfersen: Acht Punkte verschenkt die Honda Africa Twin gegenüber der Aprilia Caponord 1200 Rally durch die knappe Zuladung von unter 190 kg, für eine Reiseenduro wenig. Und die Dunlop-Serienreifen sind in puncto Haftung und Lenkverhalten in Schräglage bescheiden, besonders bei Nässe und/oder griparmem Asphalt.

So gehen unterm Strich erstmals beim Alpen-Masters aus einer Gruppe gleich zwei Sieger direkt ins Finale. Im Übrigen spiegelt das auch ganz gut das gespaltene Meinungsbild der Testfahrer wider, die entweder die eine oder die andere Maschine bevorzugen. Nehmen wir doch einfach beide mit zum Finale – Aprilia Caponord 1200 Rally und Honda Africa Twin.

Platz 1: Aprilia Caponord 1200 Rally

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Die Aprilia Caponord 1200 Rally landet mit ihrem kräftigen und gut abgestimmten Motor auf dem ersten Platz. Aber nicht allein...

Plus:

  • kräftiger, gut abgestimmter Motor
  • guter Durchzug, erwachsene Beschleunigung
  • leichtfüßiges Handling
  • gut ausbalancierte Federung
  • präzises Lenkgefühl

Minus:

  • höchster Verbrauch im ganzen Alpen-Masters
  • lautes Auspuffgeräusch
  • begrenzte Bodenfreiheit

Platz 1: Honda Africa Twin

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Die Honda Africa Twin hat andere Vorzüge, schafft es aber genauso auf Platz 1.

Plus:

  • sanft laufender Twin
  • mäßiges Gesamtgewicht
  • ausgewogenes und komfortables Fahrwerk
  • guter Sitzkomfort
  • geringer Verbrauch

Minus:

  • Serienbereifung suboptimal
  • Zuladung eingeschränkt
  • etwas karge Ausstattung

Platz 3: Triumph Tiger Explorer XRT

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Die Triumph Tiger Explorer XRT macht den dritten Platz.

Plus:

  • sanfter und vibrationsarm laufender Dreizylinder
  • sehr guter Reisekomfort für beide Passagiere
  • guter Windschutz
  • umfangreiche Ausstattung

Minus:

  • wirkt etwas träge und kopflastig
  • bergab langer Bremsweg, ABS regelt grob

Platz 4: Ducati Multistrada 1200 Enduro

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Platz drei für die Ducati Multistrada 1200 Enduro.

Plus:

  • überlegene Fahrleis­tungen
  • umfangreiche Ausstattung
  • viel Schräglagenfreiheit
  • sehr große Reichweite

Minus:

  • ungleichmäßiger Drehmomentverlauf
  • synthetisch wirkende Gasannahme
  • inaktive Sitzposition
  • wirkt sehr mächtig
  • Zuladung gering

MOTORRAD-Fazit

In dieser Kategorie gibt es erstmals gleich zwei Sieger, die auf völlig unterschiedliche Weise überzeugen: hier die Aprilia Caponord 1200 Rally als sportliche Kurvenjägerin mit kräftig ballerndem V2 und sattem Fahrwerk für Dynamik-Fans, dort die ausgewogene und komfortable Honda Africa Twin für touristisch orientierte Genussmenschen. Die Triumph Tiger Explorer überzeugt mit bequemem Tourenkomfort und einem piekfeinen Dreizylinder, verschenkt jedoch entscheidende Punkte durch das grob regelnde ABS und das hohe Gewicht. Die hoch gehandelte Hightech-Enduro von Ducati Multistrada 1200 Enduro muss sich hinten anstellen.

Platz 1 in der Kategorie Adventure: Aprilia Caponord 1200 Rally und Honda Africa Twin

Alpen-Master-Wertung

Maximale
Punktzahl
Aprilia
Caponord 1200 Rally
Ducati
Multistrada 1200 Enduro
Honda
Africa Twin
Triumph
Tiger Explorer XRT
Motor 150 111 113 115 110
Fahrverhalten 180 136 125 136 123
Alltag 100 73 67 66 74
Komfort 70 53 53 56 58
Gesamtwertung 500 373 358 373 365
Platzierung 1. 4. 1. 3.

Allgemeine Notiz zum Alpen-Masters 2016

Laut ist out: Lärm ist ein Riesenproblem. In den Alpen könnte der Krach auf Dauer der Tod für unser geliebtes Hobby sein. Schon werden in den Dolomiten Fahrverbote diskutiert. Daran sind zum Teil manipulierte Krawall-Bikes schuld, doch sind selbst Serienmaschinen heute oft zu laut. Mit Auspuffklappen überlisten manche Hersteller Geräuschlimits. MOTORRAD denkt darüber nach, die Geräuschentwicklung beim Alpen-Masters zu bewerten.

Viel zu laut sind häufig die Italiener, etwa 959 Panigale oder Caponord Rally, doch auch ZX-10R oder GSX-S 1000 F sind keine Leisetreter. Vorbildlich beispielsweise die Hondas und Triumphs. Schade, dass nun eine Klappe die Super Duke GT lauter als die R-Version macht. Auch wenn die KTM kein Radaubruder ist: Das ist das falsche Signal.

Technische Daten Aprilia und Ducati

Hier sehen Sie einen Auszug der technischen Daten. Wenn Sie die kompletten, von uns ermittelten Messwerte inklusive aller Verbrauchs-, Durchzugs- und Beschleunigungswerte möchten, können Sie den Artikel als PDF zum Download kaufen.

Technische Daten Honda und Triumph

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