Beeindruckendes Preis-Leistungs-Verhältnis: China-Reiseenduro CFMoto 1000 MT-X im Fahrtest

CFMoto 1000 MT-X im ersten Fahrtest
Beeindruckendes Preis-Leistungs-Verhältnis

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.04.2026
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Der Autor dieser Zeilen reiste auf der CFMoto 800 MT-X zur Fahrvorstellung der CFMoto 1000 MT-X an, und kann mit Fug und Recht behaupten: Zieht euch warm an, ihr Mitbewerber dieser Reiseenduro! Die CFMoto 1000 MT-X ist um ein Vielfaches besser geworden als die 800er.

Und was heißt das konkret? Dass die CFMoto 1000 MT-X viele Sachen deutlich besser macht, als die 800er. Sie fährt kraftvoller, komfortabler, zielgenauer und ist noch besser ausgestattet.

Mit Brembo-Bremsen und KYB-Fahrwerk

Wie das geht? Man hat sich bei der CFMoto 1000 MT-X an etablierter "Stangenware" bedient. Soll heißen: statt J. Juan Bremszangen sind an ihr Brembo-Bremskomponenten verbaut, ihr Fahrwerk stammt von KYB (Kayaba) und die Reifen liefert Pirelli.

Motor der CFMoto 1000 MT-X

Doch beginnen wir beim Motor der CFMoto 1000 MT-X, der technisch und akustisch sehr an einen 990er-Motor einer österreichischen Marke erinnert. Der Paralleltwin benötigt über 3.000 Touren, um lustvoll für Vortrieb zu sorgen und legt ab 6.000/min nochmals zwei Schippen drauf.

Die Motorelektronik war bei dem von uns getesteten Vorserien-Bike noch nicht finalisiert. So war das Ansprechverhalten des Twins nicht perfekt und beim schnellen Schließen des Gasschiebers stellte sich ein unangenehmes Phänomen ein: Es fühlte sich an, als würde die Einspritzung "nachtropfen", also Kraftstoff bei geschlossenen Drosselklappen in die Brennräume gelangen und so für einen kleinen Satz nach vorn sorgen. Dieses Verhalten ist nicht gefährlich, aber gewöhnungsbedürftig, und CFMoto gelobt Verbesserung noch vor der Auslieferung der CFMoto 1000 MT-X.

Praxisgerechte 243 Kilogramm Zuladung

Zurück zum Antrieb generell. Mit dem spitzen Motorcharakter der CFMoto 1000 MT-X kann man im Solo-Betrieb gut leben. Wer die praxisgerechten 243 Kilogramm Zuladung voll ausnutzen möchte, wird sich sicherlich eine kürzere Übersetzung oder mehr Drehmoment im Drehzahlkeller wünschen.

Was nicht heißt, dass man irgendwelche Probleme beim Anfahren hätte. Ganz im Gegenteil. Dank moderater Bedienkraft am Kupplungshebel – dieser betätigt einen Seilzug und ist in der Griffweite einstellbar – und einem definierten Schleifpunkt, gelingt mit der CFMoto 1000 MT-X sogar das Anfahren auf steilen Schotterstücken präzise. Vorausgesetzt, das elektronische Helferlein namens Traktionskontrolle ist abgeschaltet. Diese nimmt auf Schotter ihren Job zu ernst und unterbindet Schlupf am Hinterrad zu stark. Auf Asphalt dagegen verhielt sich die Traktionskontrolle der CFMoto 1000 MT-X unauffällig – und wenn nötigt, mit schneller Reaktionszeit.

CFMoto 1000 MT-X mit 6-Achsen-IMU von Bosch

Bleiben wir kurz bei den elektronischen Assistenten der CFMoto 1000 MT-X. Bosch liefert die Sechs-Achsen-IMU, die Traktionskontrolle und schräglagenfähiges ABS ermöglicht. Letzteres ist am Vorderrad gut appliziert, lässt sich sogar auf Schotter wirkungsvoll einsetzen, während die Regelung am Hinterrad gefühlt zu defensiv ist und mit neuen und kalten Reifen auf den ersten Metern der Testfahrt durch ungebührlich frühe Regeleingriffe den Bremsweg unnötig verlängerte. Gut, dass sich das ABS am Hinterrad abstellen lässt, um eben auf Schotter Anbremsdrifts zu ermöglichen.

Der serienmäßige Blipper der CFMoto 1000 MT-X kommt seiner Arbeit eher mittelmäßig nach. Beim Hochschalten, vor allem von Gang eins auf zwei, stellt sich des Öfteren ein unerwünschter Zwischenleerlauf ein, das Herunterschalten gestaltete sich teilweise sehr knochig. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass das Testmotorrad noch nicht einmal 100 Kilometer auf dem Tacho hatte und dass Getriebe definitiv mit der Einfahrzeit besser werden.

Hardware auf sehr hohem Niveau

Fehlt es dem Antriebsstrang sowie den digitalen Helfern an der CFMoto 1000 MT-X noch etwas an Feinschliff, ist die klassische Hardware bereits auf sehr hohem Niveau. Ansprechverhalten, Abstimmung und Reserven der von Kayaba gelieferten Federelemente sind auf einem sehr hohen Niveau. Sowohl auf Teer als auch Schotter glänzt die CFMoto 1000 MT-X mit einem schluckfreudigen, berechenbaren Fahrwerk, das die Freude am Fahren fördert.

Natürlich verwischt das Gefühl fürs Vorderrad etwas in den 230 Millimetern Federweg der 48er-Gabel, doch das ist an einer Offroad-Reiseenduro wie der CFMoto 1000 MT-X eben nicht wegzubekommen. Dafür arbeiten Gabel und Federbein synchron und harmonisch, was in Kombination mit dem unspektakulär konzipierten Rahmen für ein handliches, berechenbares, wenn auch nicht ganz neutrales Fahrverhalten in Schräglage sorgt.

Die CFMoto 1000 MT-X lenkt leicht aus der Mitte in Schräglage ein, nimmt diese neutral bis circa 20 Grad Schräglage an, um dann gefühlt von allein weiter in Schräglage zu gehen. Leichtes Gegenlenken sorgt aber ohne Kraftaufwand für eine saubere Linie. Da das Phänomen mit leerem Tank nicht so ausgeprägt ist, scheint die tiefe Unterbringung des Kraftstoffs ursächlich für dieses Verhalten zu sein.

CFMoto 1000 MT-X mit über 400 km Reichweite

Apropos Kraftstoff: Der 22,5 Liter fassende Tank sorgt bei lebensbejahender Fahrweise für eine Reichweite von über 400 Kilometern, was für ein Adventure Bike "alltagstauglich" ist. Das ergonomische Dreieck und die Qualität des Sitzpolsters der CFMoto 1000 MT-X passen, so dass der Tank auch tatsächlich auf einen Rutsch geleert werden kann.

Zwar ist der Lenker einen Hauch zu weit oben montiert, was den Piloten etwas zu passiv auf dem Motorrad platziert, dafür passt die Lenkstangenhöhe dann beim Im-Stehen-Fahren auf Schotterrouten. Wie immer ist hier noch Raum für individuelle Anpassung, je nach Nutzung des Motorrads und des eigenen Geschmacks.

Was leider auf langen Fahrten stört, ist der dürftige Windschutz der höhenverstellbaren Scheibe. Diese sollte dringend für Fahrer mit europäischem Körperbau angepasst werden, um den Langstreckenkomfort deutlich zu erhöhen. Und dann ist "warm anziehen" angesagt – für die Konkurrenz der CFMoto 1000 MT-X.

Fazit