So fährt die neue Kawasaki KLE 500: Erster Fahr-Test on- und offroad

Neue Kawasaki KLE 500 – erster Fahr-Test
Die neue KLE - so fährt sie on- und offroad

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.02.2026
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Von 1991 bis 2007 gab es die Kawasaki KLE 500 bereits – als erste Reiseenduro aus dem Hause Kawasaki und als Einstiegsmodell in die Adventure-Welt. Knapp 20 Jahre danach lugte auf der EICMA 2024 ein 21-Zoll-Vorderrad aus einer Holzkiste. Kenner vermuteten bereits damals, dass es sich um eine Neuauflage der KLE 500 handeln würde. Sie behielten Recht, und zur Saison 2026 bringt Kawasaki die neue A2-Enduro in den Handel.

Zweizylinder-Motor mit 45 PS

Am Motor-Konzept hält Kawasaki fest: Die neue KLE 500 wird – genau wie die alte – von einem Reihenzweizylinder angetrieben. Dieser kommt so auch in anderen 500er-Modellen wie Ninja 500 oder Z 500 zum Einsatz, erhält für die KLE aber ein geändertes Mapping. Aus seinen genau 451 Kubik schöpft der Antrieb 45 PS bei 9.000/min und rund 43 Nm Drehmoment bei 6.000/min. Das überschaubare Leistungsangebot fühlt sich im Fahrbetrieb nach mehr an, als es die nackten Zahlen vermuten lassen. Ab etwa 6.000/min gibt sich der Motor spritzig und lebendig, dreht willig hoch und gibt seine Leistung linear ab.

Solider Antrieb für die A2-Klasse

Der Antrieb der neuen Kawasaki KLE 500 will also, um sportlich bewegt zu werden, mit ein wenig Schaltarbeit bei Laune gehalten werden. Gar kein Problem, dank der herrlich leichtgängigen Slipper-Assist-Kupplung. Einzig das Getriebe könnte etwas präziser arbeiten. Wer es gemütlicher angehen lassen möchte, findet in der KLE ebenfalls einen soliden Begleiter. Denn auch in niedrigen Drehzahlen macht der Motor eine gute Figur, und die KLE rollt im 6. Gang entspannt durch Ortschaften. Die leichten Vibrationen, die der Antrieb an den Fahrer weitergibt, stören nicht zu sehr.

Bodenfreiheit zu gering für schweres Gelände

Der Reihenzweizylinder der Kawasaki KLE 500 hängt recht tief im Gitterrohrrahmen aus Stahl. Das hat den Vorteil, dass auch der Schwerpunkt niedrig ist. Dadurch ergibt sich ein leichtes Handling, vor allem in niedrigen Geschwindigkeiten oder beim Rangieren – ein Umstand, der nicht zuletzt Unerfahrenen entgegenkommt. Allerdings beschränkt diese Bauweise die für Offroad-Fahrten so wichtige Bodenfreiheit. Gerade einmal 185 Millimeter Luft lässt die KLE zwischen Boden und Motorschutz. In leichtem Terrain ist das völlig ausreichend, für ernsthaften Geländeeinsatz ehrlich gesagt ein Ausschlusskriterium.

Tourentaugliche Reiseenduro-Ergonomie

Für die zweigeteilte Sitzbank der Kawasaki KLE 500 gibt es jeweils zwei Optionen, woraus sich insgesamt vier mögliche Sitzkombinationen ergeben. In der Standardausführung (hoch) thront der Fahrer in 870 Millimeter Höhe. Sowohl für den Fahrer als auch für den Sozius gibt es je eine hohe und eine niedrige Sitzoption. Der Komfort auf der Standardvariante fällt sehr gut aus. Lange Touren sind im Sattel der KLE kein Problem, auch dank der entspannten, aufrechten Sitzposition. Der Lenker liegt hoch und ist schön breit für gute Kontrolle übers Vorderrad. Die Fußrasten liegen tief genug für einen angenehmen Kniewinkel und hoch genug für reichlich Schräglagenfreiheit. Für Offroad-Einsätze lassen sich die Gummieinlagen der Rasten entfernen.

Enduro-Fahrwerk mit gelungener Abstimmung

Die 43-mm-Upside-down-Gabel der Kawasaki KLE 500 wurde speziell für dieses Modell entwickelt. Sie ist nicht einstellbar und bietet einen Federweg von 210 Millimeter. Das Federbein stellt mit 196 Millimeter Federweg ebenfalls ausreichend Reserven für raue Wege bereit. Es ist stufenlos in der Vorspannung einstellbar. Die Abstimmung der Federelemente ist Kawasaki sehr gut gelungen. Die KLE lenkt willig und ohne Kraftaufwand ein, lässt Richtungswechsel spielerisch wirken. Dabei liegt sie satt in der Kurve und vermittelt ab dem ersten Meter ein schier unerschütterliches Vertrauen. Gleichzeitig bügelt ihr Fahrwerk Unebenheiten im Untergrund souverän glatt, ohne zu weich zu sein, ohne Schaukeln, ohne Gautschen. Klasse!

Reifen in fragwürdigen Dimensionen

Lobend erwähnen darf man auch die Erstbereifung der neuen Kawasaki KLE 500. Der IRC Trail Winner macht auf der Straße eine sehr gute Figur, überzeugt mit ordentlich Grip und neutralem Einlenkverhalten. Auch auf Schotterpisten gibt es wenig zu meckern an dem Stollen-Pneu. Hartes Gelände zeigt dem Gummi allerdings seine Grenzen auf. Umsteigen auf performantere Offroad-Reifen könnte jedoch zum Problem werden. Für das 21-Zoll-Vorderrad gibt es zwar reichlich Optionen, in den Dimensionen 140/70-17 am Hinterrad wird die Auswahl allerdings – zumindest aktuell – schon dünn. Hier war das Festhalten an den Reifendimensionen der Ur-KLE vielleicht nicht die beste Idee.

Bremsen mit abschaltbarem ABS

Bei den Bremsen setzt Kawasaki für die neue KLE 500 auf eine 300-mm-Einzelscheibe an der Front und eine 230-mm-Scheibe am Heck. Diese Kombination sorgt mit insgesamt kräftigem Biss für ausreichend Verzögerung bei geschmeidiger Dosierbarkeit – in jedem Fall genug, um die 195 Kilogramm Fahrzeuggewicht bei vollem 16-Liter-Tank einzufangen. Das ABS regelt nicht zu früh und nahezu unbemerkt fein. Großes Plus: Mittels Knopfdruck an der linken Lenkerarmatur lässt sich der Blockierverhinderer komplett abschalten – hinten und vorn! Prima, da sehr sinnvoll für ernsthaften Offroad-Einsatz.

Überschaubare Ausstattung

Bei der Ausstattung konzentriert die neue Kawasaki KLE 500 sich auf das Sinnvolle, beziehungsweise auf das Nötigste: Abgesehen vom ABS gibt es keine elektronischen Assistenzsysteme. Der Windschild ist in drei Stufen einstellbar, allerdings leider nur mit Werkzeug. Hier darf Kawasaki gerne mit einem manuellen Einstellmechanismus nachrüsten. Der Motorschutz verhindert Schlimmeres bei Steinschlag, und das klappbare Schaltpedal mindert die Gefahr des Abbrechens bei einem Umfaller.

LCD oder TFT ohne Anzeigen für Navigation

Bei der Standard-Variante der neuen Kawasaki KLE 500 blickt der Fahrer auf ein LC-Display. Connectivity ist mit an Bord, der Funktionsumfang allerdings recht begrenzt. Bei Navigation über die "Rideology App" werden beispielsweise keine Richtungspfeile im Cockpit angezeigt. Lediglich das Smartphone-Display oder die Audio-Ansagen übers Headset geben die Richtung an. Das ändert sich auch dann nicht, wenn man die SE-Variante mit TFT-Display wählt – schade.

Attraktive Preise und Farben für Kawasaki KLE 500 und KLE 500 SE

Neben dem TFT-Display bietet die SE-Variante der neuen Kawasaki KLE 500 noch weitere Upgrades im Vergleich zum Basismodell. Der ebenfalls in drei Stufen einstellbare Windschild ist um 106 Millimeter höher. Auch der Unterfahrschutz fällt bei der SE größer aus. Zudem schützen Handprotektoren vor Wind, und LED-Blinker werten die Gesamterscheinung auf. Zwei Farbvarianten gibt es für die SE in Deutschland: "Pearl Blizzard White" und "Pearl Storm Gray". Käufer der Standard-Variante sind festgelegt auf "Metallic Carbon Gray/Ebony", lassen dafür aber nur 6.895 Euro (inkl. Nebenkosten) beim Händler. Für die SE-Variante werden 7.695 Euro (inkl. Nebenkosten) fällig.

Original-Zubehör für die neue KLE 500

Natürlich gibt es eine ganze Reihe Zubehör für die Kawasaki KLE 500. Seitenkoffer und Topcase bieten Platz für Gepäck auf Reisen. Wer sich für diese Option entscheidet, kann sich die 875,30 Euro für den Akrapovic-Endschalldämpfer allerdings sparen. Der eindeutig schönere Auspuff baut höher als die Standardausführung und verhindert so das Anbringen der Seitenkoffer. Die optionale USB-Buchse verschwindet glücklicherweise neben dem Display in der Frontverkleidung und nicht in einem übertrieben großen Kasten am Lenker, wie das bei anderen Kawasaki-Modellen der Fall ist. Weiteres Original-Zubehör umfasst unter anderem Schutzbügel, LED-Nebelscheinwerfer, heizbare Griffe, Hauptständer und Kühlerschutz.

Fazit