Zwar senkt die Abschaffung der Kraftstoffsteuer in Island den Preis an der Zapfsäule, das gleicht jedoch die Mehrkosten durch die neue Maut nicht vollständig aus. Zusätzlich wurde die CO₂-Steuer angehoben, wodurch sich die Entlastung beim Tanken weiter relativiert. Für Urlauber ist deshalb vor allem relevant, wie hoch die neue Maut ausfällt und wie sie erhoben wird.
Ab 2026 in Island: kilometerabhängige Maut für alle Fahrzeuge
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Straßennutzungsgebühr in Island für das gesamte öffentliche Straßennetz. Sie ist kilometergenau und betrifft sämtliche Fahrzeugarten. Ausnahmen nach Antriebsart gibt es nicht. Benziner, Diesel, Hybridfahrzeuge und Elektroautos werden gleich behandelt. Auch Wohnmobile sind einbezogen – und Motorräder.
Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Fahrzeugtyp und Gewichtsklasse. Eine klassische Vignette, wie sie von anderen europäischen Ländern bekannt ist, gibt es nicht. Die Maut wird auf Basis der gefahrenen Kilometer berechnet. Und das gilt auch für unasphaltierte Wege – in Island eher die Regel als die Ausnahme.
Abrechnung für Einheimische und Touristen
Für die in Island angemeldeten Fahrzeuge sind die Kilometerstände regelmäßig online zu melden. Auf dieser Grundlage wird die fällige Straßennutzungsgebühr berechnet. Diese Meldepflicht gilt nicht für ausländische Fahrzeuge.
Reisende, die mit dem eigenen Fahrzeug nach Island kommen, zahlen stattdessen eine pauschale Gebühr für die Dauer ihres Aufenthalts. Die genaue Höhe richtet sich nach der Aufenthaltszeit und wird nicht kilometergenau erfasst.
Pauschale Gebühren für Durchreisende und Miet-Fahrzeuge
Für Miet-Fahrzeuge rechnen die Anbieter die neue Maut direkt mit den Kunden ab. Statt einer individuellen Kilometerabrechnung gilt eine Tagespauschale, die von den Vermietern erhoben wird. Nach Angaben des ADAC liegt diese Pauschale bei den meisten Anbietern bei rund 1.550 ISK pro Tag, was rund 11 Euro entspricht. Die Gebühr erscheint in der Regel als separater Posten auf der Rechnung oder ist in den Gesamtkosten enthalten.
Tunnel-Maut bleibt bestehen
Unabhängig von der neuen allgemeinen Straßenmaut bleibt die bisherige Tunnelmaut in Island bestehen. Betroffen ist weiterhin der Vaðlaheiðargöng-Tunnel im Norden Islands, der seit 2018 die Ringstraße zwischen Akureyri und Húsavík verkürzt.
Für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen, also auch Motorräder, beträgt die Gebühr 2.152 ISK, rund 15 Euro. Die Zahlung erfolgt online und muss spätestens 24 Stunden vor oder nach der Durchfahrt erledigt werden. Andere Tunnel auf Island sind weiterhin gebührenfrei. Die Kombination aus abgeschaffter Kraftstoffsteuer, neuer kilometerabhängiger Maut und erhöhter CO₂-Steuer führt dazu, dass das Befahren Islands insgesamt nicht günstiger wird. Während Vielfahrer und lange Roadtrips stärker von der Maut betroffen sind, fallen die Mehrkosten bei kurzen Fahrstrecken geringer aus. Für Mietfahrzeug-Kunden ist die Belastung planbarer, da sie über feste Tagespauschalen abgewickelt wird.
Das Straßen-Netz in Island
Island verfügt über ein Straßen-Netz von rund 13.000 Kilometern, das von der staatlichen Straßenbehörde Vegagerðin verwaltet wird. Nur ein Teil davon ist asphaltiert, etwa 4.600 Kilometer, während der Großteil aus Schotter- oder unbefestigten Straßen besteht. Autobahnen gibt es nicht. Mehrspurige, autobahnähnliche Abschnitte finden sich lediglich im Großraum Reykjavík. Das Straßen-Netz folgt weitgehend der Küstenlinie, da das dünn besiedelte Hochland im Landesinneren nur punktuell erschlossen ist.
Zentrale Verkehrsachse ist die Ringstraße, die Island nahezu vollständig umrundet und mit einer Länge von 1.322 Kilometern die wichtigsten Orte miteinander verbindet. Sie ist überwiegend asphaltiert und grundsätzlich ganzjährig befahrbar, kann aber witterungsbedingt zeitweise gesperrt sein. Daneben gibt es zahlreiche Nebenstraßen sowie die sogenannten F-Roads im Hochland, die meist unbefestigt sind und nur mit geländetauglichen Fahrzeugen befahren werden dürfen. Wetter, Geologie und jahreszeitliche Bedingungen prägen Zustand und Nutzbarkeit vieler Straßen in Island deutlich stärker als in Mitteleuropa.












