"Beim Elektroantrieb haben wir anderen den Vortritt überlassen. Das hat uns ermöglicht, aus deren Fehlern zu lernen." Als ehemaliger Chef von Royal Enfield und heutiger Vorstandsvorsitzender von Enfields indischem Mutterkonzern Eicher Motors ist Siddartha Lal zwar bekennender Petrolhead, betont aber auch, welche Wichtigkeit er der C6 als Einstandsmodell für eine künftige Antriebstechnik zumisst: Das schlanke, leicht nostalgisch designte A1-Motorrad ist der hochmoderne Erstling der neu gegründeten Elektromotorrad-Marke Flying Flea, die zum indischen Motorrad-Giganten Royal Enfield gehört.
Flying Flea C6 für faire 5.990 Euro
Im Juli 2026 wurde die Flying Flea C6 erstmals in Indiens Tech-Metropole Bangalore vorgestellt. Ende September fand in Paris die Europa-Präsentation statt, auf der auch ihr hiesiger Preis bekannt gegeben wurde: 5.990 Euro kostet die grundsätzlich als Zweisitzer mit abnehmbarem Soziussitz ausgelieferte C6. In Deutschland gibt es sie vorerst aber nur bei einem Händler im Umland von Berlin (E-Drive Center, Steglitz-Zehlendorf) zu kaufen. Grund: Man will Resonanzen abwarten, um darauf, etwa in Form von Over-the-Air-Updates, zu reagieren.
Auch könne man den bestehenden Enfield-Händlern nicht zumuten, sich quasi über Nacht auf die völlig andere Technik des Elektro-Antriebs umstellen zu müssen. Über sechs Jahre dauerte die Erprobung der Flying Flea C6; entsprechend komplex sind Soft- und Hardware der bei Royal Enfield in Kooperation mit dem spanischen Hersteller Stark Future entwickelten Lade- und Antriebseinheit.
Flying Flea C6 hat eigene Sim-Card
Grundsätzlich funktioniert der Zugang zur Flying Flea C6 mittels Smartphone. Das Handy ist quasi der Schlüssel, der die C6 entsperrt und in Fahrbereitschaft versetzt (bei leerem Akku oder Handy-Verlust funktioniert das auch über eine PIN). Die Kommunikation zwischen Handy und Bike erfolgt sowohl mittels Bluetooth und WiFi wie auch über Cloud – die Flying Flea C6 hat eine eigene Sim-Card. Das Handy findet Platz in einem Fach zwischen Lenker und Sitz, wo es auch gleich induktiv geladen wird.
Regen-Modus geeignet für Fahranfänger
Physisch ist der Zugang zur 124 Kilogramm leichten Flying Flea C6 denkbar einfach: Durch ihre schlanke Silhouette und die moderate Sitzhöhe vermittelt sie gleich beim ersten Aufsitzen eine Art Grundvertrauen. Für Einsteiger mit wenig Zweirad-Erfahrung empfiehlt sich anfangs der Regen-Modus (neben Stadt-, Sport- und Autobahn plus frei kalibrierbarem Custom-Mode), bei dem Beschleunigung, Drehmoment, Kurven-ABS und Traktionskontrolle in jeweils moderatester Gangart agieren.
Sport-Modus für routinierte Fahrer
Routinierten Fahrern bietet der Sport-Modus bis zu 15,4 kW maximale Motorleistung, was mit E-typisch bemerkenswertem Nachdruck in eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h mündet. Für die Einstufung in die nötige Führerscheinklasse ist aber die Dauerleistung von 8 kW relevant, weshalb die Flying Flea C6 mit Klasse A1 oder B196 gefahren werden darf.
Als Haupteinsatzgebiet der Flying Flea C6 sieht der Hersteller – realistisch – den Stadtverkehr, nennt das Konzept aber "City plus." Mit je nach Fahrweise einer Reichweite von 80 bis 100 Kilometern pro Akkuladung sind höchstens kleinere Überland-Abstecher ohne weitere Lade-Pause drin. Strom wird mittels integriertem Ladekabel getankt. Als Faustregel gilt: Eine Minute Ladezeit entspricht einem Kilometer Reichweite. Nach einer Stunde an der 230-Volt-Steckdose sollten also über 50 Kilometer drin sein.
Royal Enfield Flying Flea FF.S6 auf der EICMA 2025
Ladestationen unterwegs werden angezeigt
Zur Orientierung in der Großstadt bietet die Flying Flea C6 im TFT-Display sämtliche Navi-Funktionen von Google Maps, aufzurufen über die Flying Flea-App. Als sinnvolles Extra berechnet sie mit ein, ob das eingegebene Fahrziel beim aktuellen Ladezustand innerhalb der Reichweite liegt. Wenn nicht, werden Ladestationen unterwegs gleich angezeigt, können als Wegpunkt integriert werden.
Verstellbare Fahrerfußrasten und angeschraubter Soziussitz
Andere Detaillösungen sind analog, aber nicht weniger pfiffig: So lässt sich die Position der Fahrerfußrasten durch wechselseitiges Austauschen von rechter und linker Raste mittels je zwei Schrauben im Handumdrehen variieren. Ein Soziussitz mit Haltegriffen, der hinter dem freischwebend wirkenden Fahrersitz angeschraubt werden kann, ist im Lieferumfang einer jeden Flying Flea C6 enthalten.
Flying Flea C6 mit Trapezgabel
Äußerlich sticht die als Trapezgabel ausgeführte Vorderradführung der Flying Flea C6 ins Auge, wie der Rest des geschraubten Rahmens aus geschmiedetem Alu gefertigt. Sie spricht gut an, gleicht Absätze und Schlaglöcher wirkungsvoll aus. Die schlanke 90/90-Bereifung auf den 19-Zoll-Rädern verleiht der Flying Flea C6 ein fast Fahrrad-gleiches Handling, macht das (in Paris völlig normale und akzeptierte) Durchwuseln auch durch dicksten Feierabendverkehr zum Kinderspiel.
Crawl-Modus hilft beim Rangieren, Motorbremse gewinnt Energie zurück
Wenn’s mal kompliziert wird, etwa um aus einer schmalen Lücke rückwärts bergauf rauszurangieren, kann mittels Drehschalter links in den "Crawl-Mode" gewechselt werden. Dieser Krabbel-Modus bewegt die Flying Flea C6 beim Dreh des Gasgriffs nach vorn über die Nullstellung auch rückwärts. Bei Normalfahrt funktioniert derselbe Dreh als Motorbremse, die gleichzeitig Energie in den Akku zurück rekuperiert – je nach gewähltem Fahrmodus stärker oder schwächer.
Und apropos Bremsen: Selbige stammen vom indischen Brembo-Ableger Bybre, werden durch in der Weite einstellbare Handhebel rechts und links betätigt und haben die Flying Flea C6 mithilfe des schräglagenabhängig agierenden ABS stets sicher im Griff.
Als sichere Bank für nachts erscheint auch das sehr helle LED-Licht aus dem Rundscheinwerfer.
Übersicht Daten Royal Enfield Flying Flea C6
- Antrieb: Elektromotor
- Dauerleistung: 8 kW
- Maximalleistung: 15,4 kW
- Höchstgeschwindigkeit: 115 km/h
- Reichweite: 80–100 km
- Gewicht: 124 kg
- Führerscheinklasse: A1 beziehungsweise B196
- Ladeanschluss: Integriertes Ladekabel
- Laden: 230-Volt-Steckdose
- Ladeleistung laut Faustregel: etwa 1 km Reichweite pro Minute Ladezeit
- Reichweite nach einer Stunde Ladezeit: mehr als 50 km
- Räder: 19 Zoll
- Bereifung: 90/90
- Vorderradführung: Trapezgabel
- Rahmen: Geschraubter Rahmen aus geschmiedetem Aluminium
- Bremsanlage: Bybre
- ABS: Schräglagenabhängig
- Beleuchtung: LED-Rundscheinwerfer
- Sitzplätze: 2
- Fahrmodi: Regen, Stadt, Sport, Autobahn und Custom
- Rangierhilfe: Crawl-Modus mit Vorwärts- und Rückwärtsfunktion
- Rekuperation: Motorbremse mit Energierückgewinnung
- Konnektivität: Bluetooth, Wi-Fi und Cloud-Anbindung
- Preis: 5.990 Euro
















