QJMotor SRT 450 RX: A2-Reiseenduro zum Kampfpreis
Die QJMotor SRT 450 RX will im hart umkämpften Segment der A2-Reiseenduros mit einem attraktiven Preis und umfangreicher Ausstattung punkten. Für knapp 6.500 Euro gibt es ein Motorrad mit erwachsenen Abmessungen, 47,6 PS und einigen Komfort-Extras, die in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich sind.
Ob die Rechnung aufgeht, muss die QJMotor SRT 450 RX auf einer anspruchsvollen Strecke beweisen. Für den ersten Fahreindruck ging es auf die Großglockner-Hochalpenstraße – mit ihren engen Kehren, langen Bergauf-Passagen und schnellen Abfahrten ein durchaus forderndes Terrain für eine 196 Kilogramm schwere A2-Enduro.
Die wichtigsten Daten
- Motor: Reihenzweizylinder
- Hubraum: 449 cm³
- Leistung: 47,6 PS
- Drehmoment: 41 Nm
- Gewicht fahrfertig: 196 kg laut Hersteller
- Sitzhöhe: 835 mm
- Preis: rund 6.500 Euro
- Ausstattung: unter anderem Griff- und Sitzheizung, einstellbare Gabel
Erwachsener Auftritt, zugängliche Sitzhöhe
Optisch und ergonomisch tritt die QJMotor SRT 450 RX durchaus selbstbewusst auf. Das Cockpit wirkt großzügig, der Lenker ist breit und die Sitzposition typisch Reiseenduro-tauglich: aufrecht, entspannt und mit ausreichend Platz auch für größere Fahrer.
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Mit 835 Millimetern fällt die Sitzhöhe vergleichsweise moderat aus. Das erleichtert den sicheren Umgang beim Rangieren und im langsamen Verkehr. Trotz ihrer knapp 200 Kilogramm wirkt die QJMotor SRT 450 nicht übermäßig unhandlich. Das Einlenkverhalten ist neutral und willig, ohne ausgeprägte Kipppunkte.
Die montierten Reifen stammen von einem chinesischen Hersteller. Beim ersten Fahreindruck entsteht nicht das ganz große Vertrauen in deren Haftreserven. Positiv ist allerdings, dass sie das grundsätzlich harmonische Handling der QJMotor SRT 450 nicht nachhaltig stören.
Motor: ausreichend, aber kein Temperamentbolzen
Der 449 Kubikzentimeter große Reihenzweizylinder leistet die für A2-Motorräder maximal möglichen 47,6 PS. Auf dem Papier klingt das nach einer guten Ausgangsbasis. In der Praxis muss der Motor jedoch durchaus engagiert bewegt werden, um mit der schweren Reiseenduro zügig voranzukommen.
Gerade an den Steigungen der Großglockner-Hochalpenstraße wird deutlich, dass die QJMotor SRT 450 einiges an Masse mitbringt. Die vergleichsweise kurze Übersetzung soll offenbar dabei helfen, etwas mehr Durchzug und Beschleunigung zu generieren. Das gelingt teilweise, macht aus der SRT 450 RX aber keine sportliche Bergziege.
Das Ansprechverhalten ist grundsätzlich brauchbar, allerdings fallen Lastwechsel auf. Sie sind bei der QJMotor SRT 450 zwar weniger ausgeprägt als bei manchen Konkurrentinnen, bleiben aber spürbar. Der sehr leichtgängige Gasgriff erschwert zudem eine wirklich saubere Dosierung. Eine stärkere Rückholfeder würde hier vermutlich helfen.
Komfortables Fahrwerk mit Reserven
Deutlich besser gefällt das Fahrwerk. Die Vorderradgabel arbeitet auf der komfortablen Seite und spricht auch auf schlechterem Untergrund ordentlich an. Unebenheiten werden gut geschluckt, was auf langen Touren durchaus ein Pluspunkt ist.
Beim kräftigen Anbremsen taucht die Gabel allerdings deutlich ein. Das ist im Alltag kein gravierendes Problem, unter sportlicher Gangart wird die weiche Grundabstimmung aber spürbar. Immerhin: Die Gabel ist vollständig einstellbar. Damit bietet die QJMotor SRT 450 die Möglichkeit, die Abstimmung an den eigenen Geschmack und das persönliche Gewicht anzupassen.
Das Fahrwerk vermittelt insgesamt einen entspannten, eher gleitenden Charakter. Für touristisches Fahren passt das gut. Wer die QJMotor SRT 450 regelmäßig aggressiv durch enge Kurven treiben möchte, dürfte sich allerdings eine straffere Abstimmung wünschen.
Fahrwerk-Fazit: Komfortabel und grundsätzlich ordentlich, serienmäßig aber eher weich abgestimmt. Die Einstellmöglichkeiten sind in dieser Preisklasse ein klarer Pluspunkt.
Bremsen als größte Schwachstelle
Weniger überzeugend fällt der Eindruck der Bremsanlage aus. Zwar verzögert die QJMotor SRT 450, das Gefühl am Bremshebel bleibt jedoch hinter dem zurück, was man von einer modernen Reiseenduro erwartet.
Vor allem die fehlende Rückmeldung und die mangelnde Standfestigkeit sorgen für Kritik. Nach mehreren Bergauf- und Bergab-Passagen zeigte die Hinterradbremse bereits deutliche Ermüdungserscheinungen. Für sportliches Bergabfahren auf einer Passstraße ist das kein gutes Zeichen.
Gerade bei einer Reiseenduro, die mit Gepäck und möglicherweise zu zweit bewegt werden soll, wäre hier mehr Reservestabilität wünschenswert. Die Bremsen gehören deshalb zu den Punkten, an denen QJMotor dringend nachschärfen sollte.
Viel Ausstattung fürs Geld
Auf der Habenseite steht die umfangreiche Ausstattung der QJMotor SRT 450. Griff- und Sitzheizung sind in dieser Hubraum- und Preisklasse alles andere als selbstverständlich. Auch die einstellbare Gabel findet sich nicht bei jeder Konkurrentin.
Damit versucht QJMotor, den vergleichsweise günstigen Preis von rund 6.500 Euro mit möglichst viel Serienausstattung attraktiv zu machen. Das funktioniert auf dem Papier durchaus. Im direkten Kontakt fällt allerdings auf, dass nicht alle Komponenten das gleiche Qualitätsniveau erreichen.
Haptik: der Rotstift wird sichtbar
Der größte Kritikpunkt betrifft die Haptik. Das beginnt beim bereits erwähnten Gasgriff der QJMotor SRT 450 und setzt sich bei den Schaltern und Tasten fort. Einige Bedienelemente wirken sehr leichtgängig und wenig hochwertig. Die Schalter vermitteln nicht die Präzision und Wertigkeit, die man inzwischen auch von preisgünstigen Motorrädern erwarten darf.
Das ist kein rein optisches Problem. Die Haptik beeinflusst unmittelbar, wie gerne man ein Motorrad fährt. Wenn Gasgriff, Kupplung, Bremsen und Bedienelemente nicht überzeugend arbeiten, kann eine üppige Ausstattung diesen Eindruck nur bedingt kompensieren.
Die QJMotor SRT 450 RX ist deshalb ein Motorrad mit zwei Gesichtern: Sie bietet viel fürs Geld, fühlt sich in wichtigen Bereichen aber noch nicht ganz fertig entwickelt an.
Einordnung zur Konkurrenz
Das A2-Reiseendurosegment ist inzwischen stark besetzt. Modelle wie Hondas NX 500, die Royal Enfield Himalayan 450, BMWs G 310 GS, die KTM 390 Adventure oder auch die Kawasaki Versys-X 300 setzen die Messlatte jeweils in unterschiedlichen Bereichen.
Die QJMotor punktet mit Hubraum, Leistung, Komfortausstattung und einem einstellbaren Fahrwerk. Gleichzeitig muss sie sich bei Motorcharakter, Bremsgefühl, Verarbeitungsqualität und Bedienung teilweise deutlich geschliffeneren Konkurrentinnen geschlagen geben.
Der günstige Preis ist also ein Argument – aber kein Freifahrtschein.
Pluspunkte für die QJMotor SRT 450
- komfortable, aufrechte Sitzposition
- zugängliche Sitzhöhe von 835 mm
- neutrales und gutmütiges Handling
- einstellbare Vorderradgabel
- Griff- und Sitzheizung serienmäßig
- attraktiver Preis
Minuspunkte für die QJMotor SRT 450
- hohes Gewicht für eine A2-Enduro
- Motor wirkt bei Bergauffahrt wenig temperamentvoll
- spürbare Lastwechsel
- schwache Rückmeldung der Bremsen
- Hinterradbremse mit begrenzter Standfestigkeit
- einfache Haptik von Gasgriff und Schaltern












