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Nachdruck: Suzuki RG 250 Gamma aus heutiger Sicht

Laut, leicht, giftig

Die ab 1984 angebotene Suzuki RG 250 Gamma war ein Bike der Extreme: laut, leicht, handlich, giftig, jedoch durchzugsschwach und teuer. Aber stets intensiv.

Ganz oder gar nicht – alles oder nichts. Die Suzuki RG 250 Gamma war zu ihrer Zeit mit das Unvernünftigste, was es an Fortbewegungsmitteln zu kaufen gab. Aber oftmals sind es ja genau die unvernünftigen Dinge, die am meisten Spaß machen, weil sie, wie im Falle der RG, kompromisslos sind. Die kleine 250er fordert die volle Aufmerksamkeit des Fahrers – aufs Schalten, um stets im schmalen Bereich der Leistungsabgabe zu bleiben, der sich von 7000 bis 9000/min erstreckt. Drunter geht nichts, drüber ist Feierabend. Sie bietet dafür Rennfeeling auf der Straße, maximale Adrenalinausschüttung und den Biss, den nur ein Zweitakter liefern kann, gepaart mit der grandiosen Handlichkeit eines rund 150 Kilogramm leichten “Mopeds“.

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Geringes Gewicht, nicht zuletzt dank des fortschrittlichen, nur 7,6 Kilogramm leichten Alurahmens, überragende Agilität dank 16-Zoll-Vorderrad, dazu ein 45 PS starker Zweitakt-Twin, der die Suzuki RG 250 Gamma in nur 6,5 Sekunden von null auf hundert katapultierte – das alles begeisterte. Uns, die wir damals, als die RG präsentiert wurde, das 50er-/80er-Alter gerade erst hinter uns gelassen hatten und endlich „echte“ Motorräder fahren durften, faszinierte natürlich diese Renntechnik im käuflichen Alltags-Sportler, bot sie doch die geliebte spitze Charakteristik eines Kleinkraftrads, nur eben mehrere Leistungs-Ligen höher. Andererseits war die RG mit knapp 9000 Mark ohnehin zu teuer – dafür gab es bereits richtig starke Viertakt-Big Bikes, die deutlich schneller als die für eine 250er stolzen 172 km/h liefen. Leisten konnten wir uns beides nicht.

Haltet Zweitakter wie die RG am Leben!

Wer sich damals also eine neue Suzuki RG 250 Gamma gönnte, legte ein klares Bekenntnis zur Unvernunft und zum Zweitaktspaß ab und hat seine kleine Giftspritze hoffentlich bis heute behalten. Denn mittlerweile gehört die herrlich barock gestylte 250er, wie auch ihre Nachfolgerinnen namens RGV, zu den gesuchten Relikten einer Zeit, in der Unvernunft noch in Reinform zelebriert wurde – ungeachtet jeglicher Verbrauchs-Diskussionen, strenger Abgasvorschriften oder Allrounder-Ansprüchen. Haltet Zweitakter wie die RG am Leben!

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