Honda CRF 1000 L Africa Twin

Erfahrungen über 50.000 Kilometer

Top: Auf Schotter ist die Africa Twin die Chefin – zumindest die aller Reiseenduros.
Schluss: Reporter Mike Schümann (l.) und Reiseonkel Markus Biebricher (r.) eskortierten mit ihren privaten Africa Twins die MOTORRAD-Dauertest-Twin zur finalen Demontage.Nach 50.000 Kilometer Dauertest muss die Africa Twin ihr Innerstes ausbreiten. Zum Dauertest gehört aber auch Zubehör wie Auspuff, Gepäcksystem, Windschild und Reifen. Alle getesteten Artikel + Fazit seht ihr in dieser Bildergalerie.Über die schnell durchgesessene Sitzbank klagen viele Africa Twin-Besitzer. Auch die Dauertest-Bank wurde früh unbequem. In dieser Bildergalerie folgen auch noch Sitzbank-Empfehlungen.Die Schalen der Pleuellager verbergen, dass sie viele Millionen Umdrehungen hinter sich haben. Laufspuren sind kaum existent.
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Die Honda Africa Twin durchläuft seit 4. April 2016 den MOTORRAD-Dauertest und hat jetzt die volle Distanz von 50.000 Kilometern absolviert. Die Abschlussbilanz gibt's hier. Zudem verraten wir euch im Video, worauf es beim Gebrauchtkauf der Africa Twin ankommt.

Unser 50.000-Km-Dauertest der Honda Africa Twin kann guten Gewissens als ereignisloser Langstreckentest bezeichnet werden. Was sich langweilig anhört, bedeutet für ein Dauertest-Motorrad letztlich den Ritterschlag. Zumal – gerade im Fall der Africa Twin – ereignislos nicht mit emotionslos gleichgesetzt werden darf. Denn für echauffierte Gemüter sorgte die Honda bereits, als im Herbst 2014 ein schlammverkrusteter Prototyp auf der Mailänder Messe stand. Die Fotos des Zweizylinders im Rallye-Outfit gingen um die Welt, das Feld für den Hype um das Comeback der Grande Dame des Reiseenduro-Segments war bestellt. Selbst in den MOTORRAD-Redaktionsbüros grassierte das Twin-Fieber: Als Testchef Gert Thöle ein Jahr später begeistert von der Präsentation des Serienmodells zurückkehrte, orderten Reise-Redakteur Markus Biebricher und Reporter Mike Schümann blind jeweils eine private Africa Twin. Sie überzeugt – die Asphalt-Reiter mit gelassener Straßenlage, die Stollenritter mit den besten Offroad-Fähigkeiten aller Zweizylinder-Enduros, die Zweifler mit dem aufs Sinnvolle beschränkten Einsatz von Elektronik und die Fans mit ihrer gelungenen Optik.

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Video: Gebrauchtberatung zur Honda Africa Twin


Über die Hälfte mit Doppelkupplungsgetriebe

Aus dem Stand schnellte die neue Honda Africa Twin auf Rang fünf in der Zulassungsstatistik und robbte sich im Jahr 2017 auf den vierten Platz vor. Interessant: 52 Prozent der Africa Twin-Käufer orderten das Bike trotz 1.000 Euro Aufpreis und zehn Kilogramm Mehrgewicht mit dem automatisch schaltenden Doppelkupplungsgetriebe. Und unser Dauertest-Motorrad? Spulte die Kilometer im Eiltempo ab. Defekte? Wer jetzt „keine“ als Antwort erwartet, liegt falsch. Es gab sogar bemerkenswerte.

Denn was an der Dauertest-Twin streikte, gab auch bei einigen anderen Honda Africa Twin den Geist auf. Die hinteren Radlager zum Beispiel. Unterdimensioniert sind sie nicht, vielleicht nicht gut genug abgedichtet. So wie der Starterknopf am rechten Lenkerschalter. Der sorgte für eine lange Phase der Fehlersuche und deshalb für – wohl unnötigerweise – getauschte Zündkerzenstecker. Auch von leckenden Gabeldichtringen hört man öfter, von einem schwergängigen und deshalb ausgewechselten Kupplungszug allerdings selten. Die abgebrochene Nase zur Entwässerung des Luftfilterkastens dürfte letztlich eher einem Fauxpas beim Schrauben oder Hantieren an der Dauertest-Maschine geschuldet sein als einem Materialfehler.

Zubehör

Selten zuvor hat MOTORRAD im Rahmen der Dauertest-Zwischenbilanz mehr Zubehör getestet als für die Honda Africa Twin. Die besten Reifen: Conti Trail Attack 2, Metzeler Tourance Next und Pirelli Scorpion Trail 2. Die besten Nachrüst-Schalldämpfer: Bos und Leo Vince. Eine auf Dauer komfortable Sitzbank polstert Jungbluth, einen pfiffig individualisierbaren Windschutz ersann Tüftler Wolfgang Roth, und der GPS-basierte Diebstahlschutz und Notruf von dguard erlaubt, die Twin per Smartphone bei Langfingern oder nach einem Sturz zu orten. Auch eine gute Idee. Selbst die Probefahrten der Mechaniker nach den Inspektionen signalisierte der Sender an Fuhrparkchef Tobi Wassermann. Das ganze Zubehör im Detail haben wir für euch in unserer Bildergalerie zusammengestellt.

Inspektionen

Deren Kosten hielten sich zunächst in vernünftigen Grenzen: 159 Euro für die 1.000-Kilometer-Erstinspektion, 235 Euro für die 12.000er-Durchsicht und 325 Euro für den 36.000er-Service. Ausgerechnet die Neukalibrierung des dguard ließ die 24.000­Kilometer-Inspektion allerdings auf 834 Euro anschwellen. Auch der finale Werkstatt­besuch nach 48.000 Kilometern schlug schmerzlich zu Buche. Inklusive den Kosten für neue Bremsbeläge belief sich die Rechnung immerhin auf 868 Euro. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern blieb die Honda Africa Twin wenigstens beim Spritverbrauch genügsam. Viele Besitzer berichten sogar von Verbräuchen von unter fünf Litern.

Bemerkenswert blieb auch der letzte Gang der Honda Africa Twin auf den Seziertisch der MOTORRAD-Werkstatt. Die Twins der Kollegen Biebricher (4.700 km) und Schümann (13.500 km) erwiesen der Dauertest-Maschine mit einem Zweier-Spalier die letzte Ehre. Das Ergebnis der Obduktion: unbedenkliche Laufspuren, wenig Verschleiß, alle Teile im grünen Bereich. Die Honda Africa Twin hätte wohl noch ziemlich lange gelebt. Mit lediglich 37,1 Prozent Wertverlust erreichte sie hinter der Harley-Davidson Road King zudem den zweitbesten Wert aller jemals von MOTORRAD gefahrenen Dauertest-Maschinen.

Bilanz nach 50.000 Kilometern

Zylinderkopf: Ein Auslassventil sowie ein Einlassventil sind geringfügig undicht. Die Kompression hat dagegen kaum nachgelassen. Die Ventilführungen und -schäfte befinden sich in gutem Zustand. An den Nockenwellenlagern zeigen sich unbedenkliche Laufspuren. Die Auslassventile und deren Sitze haben nur geringe Brandspuren.

Zylinder/Kolben: Die Zylinder sowie die Kolben weisen bis auf ein paar unbedenkliche Reibspuren kaum Verschleißspuren auf, ebenso die Kolbenringe.

Kurbeltrieb: An den Pleuellagern sind normale Laufspuren sichtbar, das Lagerspiel ist innerhalb der Toleranz. Die Kurbelwellenhaupt­lager zeigen ein etwas unsymmetrisches Tragbild, das Lagerspiel ist ebenfalls in Ordnung.

Kraftübertragung: Die Getrieberäder und -wellen sowie die Schaltmechanik zeigen bis auf leichte Eingriffsspuren an den Schaltklauen kaum Verschleiß. Die Stahlscheiben der Kupplung weisen Verfärbungen auf, sind aber nicht verzogen. Die Kupplungsfedern haben sich etwas gesetzt.

Rahmen/Fahrwerk: Der Rahmen sowie Anbauteile zeigen der Laufleistung entsprechende Gebrauchsspuren, Schwingen- und Lenkkopflager sind spielfrei.

Stellungnahme von Honda

… zur abgebrochenen Entwässerungsnase am Luftfilterkasten:
Dies ist mit Sicherheit ein Einzelfall und wohl durch einen Montagefehler verursacht. Schäden dieser Art sind uns nicht bekannt.

… zu den defekten hinteren Radlagern:
Die beanstandeten Lager wurden uns nicht zur Prüfung vorgelegt. Garantietechnisch sind die Radlager bei den Africa Twin-Modellen im Markt unauffällig.

… zum defekten Starterknopf:
Dieses Problem wurde schnell erkannt und mit einer geänderten Schaltereinheit abgestellt. Der Schmierstoff des Schalters sowie der Anpressdruck des Motorstopp-Schalters wurden erhöht. Unsere Händler wurden hierüber per Rundschreiben informiert.

… zu den undichten Gabeldichtringen:
Bei Untersuchungen an undichten Gabeln wurde festgestellt, dass diese Fahrzeuge längere Zeit mit stark verschmutzten Gabeln gefahren wurden. Ein Qualitätsproblem ist für uns nicht nachvollziehbar, was auch unsere Garantiezahlen bestätigen.

… zur schnell durchgesessenen Sitzbank:
Diese Reklamation ist uns völlig unbekannt. Weder die Qualitätsbeobachtung noch der Kundenservice wurden mit derartigen Reklamationen kontaktiert.

… zu den korrodierenden Speichen:
Korrodierte Speichen werden anstandslos auf Garantie ersetzt. Die neuen Speichen sind zweifach beschichtet. Ab dem Modelljahr 2018 kommen Edelstahlspeichen zum Einsatz.

… zu den Wünschen nach einem größeren Tankvolumen:
Es ist schwierig, einen guten Kompromiss zwischen Reichweite und Gewicht beziehungsweise Dimensionen zu finden. Die neue Adventure Sports-Variante der Africa Twin besitzt ein auf 24,2 Liter vergrößertes Tankvolumen.

… zu den Wünschen nach einem strafferen Federbein für bessere Soziustauglichkeit:
Das Fahrwerk der Africa Twin wurde für eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten kon­struiert. On- und Offroadtauglichkeit, Einsitzer- und Zweisitzer-Betrieb und Reisetauglichkeit sowohl mit als auch ohne Gepäck. Durch diese Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten müssen bei der Konstruktion Kompromisse eingegangen werden.

… zu den Wünschen nach Schlauchlos-Felgen:
Die Reparaturfähigkeit steht bei einer solchen Fahrzeuggattung natürlich im Vordergrund. Deshalb hat sich Honda bei der Konzep­tion der Africa Twin für Speichenräder mit Schlauchreifen entschieden.

Lesererfahrungen

Gerhard Etlinger: Ich habe die Africa Twin bestellt und bezahlt, ohne vorher auf ihr gesessen, geschweige denn gefahren zu sein. Sofort habe ich Sturzbügel von African Queens und Kettenöler Cobbra Nemo montiert. Der Tacho zeigt zurzeit mehr als 20.000 km, davon 3.000 km mit Sozia. Ein Ausflug ins Maisfeld mit etwa 70 km/h war auch dabei. Aufstellen, Sturzbügel ein wenig zurechtbiegen, weiterfahren. Von Anfang an war ich sehr zufrieden. Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass die Speichen nicht mehr glänzen, stören mich nicht. Wenn ich in zehn Jahren wieder 130.000 km mit so wenig Problemen fahren kann wie mit der Varadero, dann bin ich glücklich.

Thorsten Gudegast: 4.500 km sind es geworden mit der neuen Africa Twin. Für sie habe ich meine XRV 750 nach 14 Jahren abgegeben. Die neue CRF 1000 ist für mich klar besser in Leistung und Stabilität sowie in der Bremsleis­tung. Die Antischlupf-Regelung funktioniert großartig, ABS ebenso. Die alte Twin ist aber deutlich wendiger. Zur Pflege: Abbau der Seitenteile und der Frontverkleidung bei der alten Africa Twin dauert zehn Minuten, bei der neuen 40 Minuten. Einer der originalen Koffer hielt einen Umfaller im Stand nicht aus. Meine früheren Hepcos Junior verkrafteten härtere Schläge. Ich denke, die neue Africa Twin wird keine 14 Jahre bei mir bleiben. Sie ist eine solide Maschine, aber nicht so multifunktional wie die XRV. Auf der diesjährigen Fahrt durch die Alpen haben wir oft darüber gesprochen, dass die CRF zu Unrecht so gute Presseberichte erhalten hat.

Andreas Jörn: Die Africa Twin ist mein 47. Motorrad. Ich habe mit ihr gut 10.000 Kilometer zurückgelegt. Zu den vielen guten Eigenschaften gesellen sich aber auch einige Schattenseiten: Die Feder des hinteren Federbeins ist im Soziusbetrieb meiner Meinung nach schnell überfordert. Die Verarbeitung scheint nicht mehr dem legendären Honda-Image gerecht zu werden. Die Heizgriffe wurden bisher dreimal repariert. Die linke Lenkerarmatur wurde genauso ausgetauscht wie die von rostigen Speichen verunzierten Räder. Bleibt noch ein in der Sonne Spaniens abgefallenes Tanklogo. Tipp: Wird der Lenker zwischen den Risern dunkel foliert, erhöht das die Ablesbarkeit des Kombiinstruments.

Kai-Uwe Och: Gut 25.000 km habe ich die Africa Twin bewegt, und das fast völlig problemfrei. Nie hat sie mich im Stich gelassen. Für Skandinavien ist sie wie geschaffen, hier bekommt die Reiseenduro artgerechte Bodenhaltung. Auf holprigen Landstraßen mit und ohne Asphalt überzeugt das Fahrwerk. Die bekannten Kinderkrankheiten der korrodierenden Speichen und des hängenden Set-Tasters wurden ohne Diskussion von Honda behoben. Und: Ich fahre seit 22.000 Kilometern noch immer auf dem ersten Satz Heidenau K60 Scout!

Andreas Hess: Ich lebe in Thailand und fahre eine Africa Twin DCT. Der Umstieg vom Scooter gelang dank famosem DCT auf Anhieb. Innerhalb von drei Monaten habe ich gut 5.000 km abgespult. Das Moped ist absolut hitzebeständig, die Motortemperatur steigt selbst bei geschätzten 50 Grad und Stop-and-go in der Bangkoker Innenstadt nicht. Ich bin höchstzufrieden. In bergigem Gelände – hier hat es teils 20 Prozent – ist die manuelle Schaltbarkeit bergab eine große Hilfe. Verbesserungen? Eine höhenverstellbare Scheibe, ordentliche Fußrasten und eine Steckdose im Cockpit sind Vorschläge für eine Produktaufwertung.

Markus Hellstern: Meine Erfahrungen aus 37.000 km mit der Africa Twin: Als Erstes muss ich sagen, dass ich das Motorrad und vor allem den Motor sowie das (Schalt-)Getriebe toll finde – wenn da nicht dieses nervige und manchmal gefährliche „Hoppeln“ der Vordergabel wäre. Die Fahrzeugfront verhält sich bei Geradeausfahrt und Schräglage zwischen 50 und 85 km/h wie bei einer starken Unwucht oder einem kräftigen Höhenschlag am Vorderrad. Das Vorderrad und die Reifen wurden oft und von mehreren Instanzen überprüft – kein Befund. Leichte Verbesserungen wurden durch Senkung des Luftdrucks vorn, weichste Gabeleinstellung, sowie durch ein „Durchstecken“ der Gabelholme (8 mm) erreicht. Als Ursache wird von allen Beteilig­ten einschließlich des Importeurs das zu hohe Losbrechmoment der Gabel gesehen. Honda bezeichnet das als „Stand der Technik“ und sieht keine Notwendigkeit zur Nachbesserung.

Preisvergleich Honda Africa Twin

Hier haben wir aktuelle Angebote und eine Preis - Übersicht für die Honda CRF1000L Africatwin gelistet. Dabei haben wir alle Versionen (mit und ohne DCT) sowie auch die Adventure Sports im Vergleich.

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