BMWs Revanche: Kein Durchmarsch für Ducati – Euro Moto in Brünn mit Überraschung

Euro Moto startet in Brünn
BMW lässt Brünn und Ducati zittern

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.06.2026
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Euro Moto Brünn Mai 2026
Foto: Euro Moto

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen feierte die Euromoto ihre Premiere auf dem traditionsreichen 5,4 Kilometer langen Grand Prix-Kurs im tschechischen Brünn. Die neu asphaltierte Strecke, die im vergangenen Jahr in den MotoGP-Kalender zurückgekehrt war, bot den perfekten Rahmen für ein Rennwochenende, das in allen Klassen für Hochspannung sorgte. Zwischen historischem Retro-Charme – vom altehrwürdigen Turm aus den 80er Jahren bis zu den Plakaten in den Treppenhäusern – und modernem Spitzenrennsport erlebten die angereisten Fans ein unvergessliches Spektakel.

Superbike: Schrötter triumphiert am Vormittag, Reiterberger schlägt am Nachmittag zurück

Rennen 1 – Marcel Schrötter feiert emotionalen Premierensieg

Das erste Superbike-Rennen der Euromoto in Brünn wurde zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, an deren Ende ein strahlender Marcel Schrötter ganz oben auf dem Podium stand. Der langjährige Moto2- und Supersport-WM-Pilot, der im vergangenen Herbst den Wechsel in die Euromoto Superbike vollzogen hatte, fuhr von der Pole Position aus sein erstes Rennen an der Spitze – und lieferte sich dabei einen packenden Kampf mit Vierfach-Champion Markus Reiterberger.

Reiterberger hatte von Startplatz drei aus einen Blitzstart hingelegt und sich noch in der ersten Runde die Führung geschnappt. Mit einer aggressiven Anfangsphase baute der Bayer einen komfortablen Vorsprung auf und kontrollierte das Rennen über weite Strecken. Doch das Reifenmanagement wurde zum entscheidenden Faktor auf der anspruchsvollen Berg-und-Tal-Bahn: Während Reiterberger in der Schlussphase zunehmend mit dem Vorderreifen kämpfte und immer weitere Linien fahren musste, kam Schrötter mit konstantem Tempo heran.

Zwei Runden vor Schluss schlug Schrötter zu – an genau der Stelle, an der Reiterberger erneut weit ging, drückte sich der Gert56-Pilot vorbei. Reiterberger konnte nichts mehr entgegensetzen und verlor durch einen Neutralgang-Einleger in der Bergauf-Schikane sogar noch einen weiteren Platz an Florian Alt, der mit seiner Holzhauer-Honda ein bärenstarkes Rennen fuhr.

Alt hatte von Startplatz zwei aus keinen optimalen Start erwischt und sich zunächst auf Rang vier wiedergefunden, hinter dem überraschend starken Twan Smits auf der Apricot-Yamaha. Doch der frühere IDM-Superbike-Champion fuhr ein kluges Rennen mit herausragendem Reifenmanagement und arbeitete sich nach vorne. In der zweiten Rennhälfte fuhr er zeitweise die schnellsten Rundenzeiten des gesamten Feldes und schloss die Lücke zur Spitze auf unter zwei Sekunden. Als Reiterberger auf den letzten Metern patzte, erbte Alt Rang zwei – wobei "erben" dem Honda-Piloten nicht ganz gerecht wird, denn seine Aufholjagd war beeindruckend.

Die große Überraschung des ersten Rennens war der nur siebte Platz von Titelverteidiger Lukas Tulovic. Der Sachsenring-Doppelsieger hatte ein rabenschwarzes Wochenende erwischt: Im Freitagstraining verpasste er durch einen kleinen Ausrutscher knapp die direkte Q2-Qualifikation, und als vor Q1 ein Regenschauer kam, fehlte ohne vorherige Regenreifen-Erfahrung das letzte Quäntchen. So stand der amtierende Champion nur auf Startplatz zehn. Im Rennen selbst stimmte die Pace einfach nicht – in der schnellsten Runde war Tulovic eine volle Sekunde langsamer als Reiterberger. Der Ducati-Pilot kämpfte das gesamte Rennen über mit der Abstimmung seines Motorrads und musste sich zeitweise sogar gegen den Ungarn Soma Görbe wehren.

Kevin Orgis unterstrich derweil seinen Aufwärtstrend mit einem starken vierten Platz – nach zweimal Rang fünf am Sachsenring. Sein Bruder Leon hatte weniger Glück: Nach einem Sturz in der Anfangsphase, als er zu viel über den Vorderreifen pushte, war sein Rennen vorzeitig beendet. Toni Finsterbusch lieferte von Startplatz 14 aus eine bemerkenswerte Aufholjagd auf Rang fünf, und Lorenzo Zanetti zeigte sich als beste Ducati noch vor seinem Teamkollegen Tulovic auf Platz sechs.

Ergebnis Rennen 1: 1. Marcel Schrötter (BMW/Gert56), 2. Florian Alt (Honda/Holzhauer Racing), 3. Markus Reiterberger (BMW/Mar Racing), 4. Kevin Orgis (BMW/ORM), 5. Toni Finsterbusch (BMW/Gert56), 6. Lorenzo Zanetti (Ducati/Triple M), 7. Lukas Tulovic (Ducati/Triple M)

"Ich bin nervöser als in vielen Moto2-Rennen", hatte Schrötter vor dem Start gesagt – ein Satz, der das Niveau der Euromoto perfekt beschreibt. Nach dem Zieleinlauf flossen bei der Gert56-Mannschaft die Tränen. Der Sieg ging auch an den abwesenden Teamgründer Carsten Wolf, wie Schrötter betonte.

Euro Moto Brünn Mai 2026
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Rennen 2 – Reiterbergers Revanche und Tulovics Auferstehung

Das zweite Superbike-Rennen am Nachmittag wurde bei noch höheren Temperaturen zu einem taktischen Meisterwerk – und zu Markus Reiterbergers lang ersehnter Rückkehr auf die oberste Stufe des Podiums. Seit Hockenheim 2022, als er seinen vierten Meistertitel gewann, hatte der Bayer kein Rennen mehr gewonnen. In Brünn sollte die Durststrecke enden.

Reiterberger setzte sich noch in der Startrunde vor Schrötter an die Spitze und führte das Rennen von der ersten bis zur letzten Runde an. Doch der wahre Star der Anfangsphase war Lukas Tulovic: Von Startplatz zehn aus startete er einen furiosen Durchmarsch. Schon in der zweiten Runde lag er auf Rang sechs, arbeitete sich dann mit spektakulären Überholmanövern an Twan Smits, Florian Alt und Lorenzo Zanetti vorbei. In der fünften Runde hatte er bereits die dritte Position erobert – eine völlige Metamorphose gegenüber dem desaströsen ersten Lauf.

"Wir haben das defekte Teil ausgetauscht", hatte Tulovic vor dem Rennen verraten, ohne Details zu nennen. Was auch immer an der Ducati verändert wurde – es wirkte. Der Titelverteidiger fuhr mit einer 1:57.0 die schnellste Runde des Rennens, teilweise über eine Sekunde schneller als der Rest des Feldes.

In der neunten Runde schnappte sich Tulovic mit einem mutigen Manöver auf der Bergauf-Passage auch Schrötter und setzte zur Jagd auf Reiterberger an. Die letzten vier Runden gerieten zum packenden Duell zwischen dem Vierfach-Champion und dem Titelverteidiger. Tulovic kam Runde für Runde näher, machte in einer einzigen Runde eine halbe Sekunde gut. Doch Reiterberger hatte aus den Fehlern des ersten Rennens gelernt: Er wechselte für das zweite Rennen auf den bewährten SC2-Vorderreifen – "Der hat mir schon vier Titel gebracht" – und hielt die Linien in der Schlussphase deutlich sauberer als noch am Vormittag.

Am Ende fehlte Tulovic schlicht die Strecke. 1,3 Sekunden betrug der Rückstand im Ziel – eine knappe Angelegenheit über 13 Runden auf 5,4 Kilometern. Schrötter komplettierte als Dritter das Podium, nachdem ihm in der zweiten Rennhälfte die Körner ausgegangen waren.

Erneut stark fuhr Kevin Orgis, der sich in der letzten Runde noch Twan Smits schnappte und zum zweiten Mal an diesem Tag Vierter wurde. Florian Alt erlebte dagegen ein schwierigeres zweites Rennen: Nach einer Berührung mit Zanetti im Mittelfeld verlor er Positionen und wurde am Ende Sechster. Sein Bruder Leon stürzte zum zweiten Mal an diesem Wochenende – diesmal beim Versuch, sich in der Verfolgergruppe nach vorne zu kämpfen.

Ergebnis Rennen 2: 1. Markus Reiterberger (BMW/Mar Racing), 2. Lukas Tulovic (Ducati/Triple M), 3. Marcel Schrötter (BMW/Gert56), 4. Kevin Orgis (BMW/ORM), 5. Twan Smits (Yamaha/Apricot), 6. Florian Alt (Honda/Holzhauer Racing), 7. Lorenzo Zanetti (Ducati/Triple M)

Meisterschaftsstand nach Brünn: Nach dem geteilten Wochenende trennt Tulovic und Schrötter nur noch ein einziger Punkt in der Gesamtwertung – ein Beweis dafür, dass die Euromoto Superbike deutlich spannender ist, als manch einer nach dem dominanten Sachsenring-Auftakt von Tulovic gedacht hatte.

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Supersport: Daniel Blin bleibt Mr. Unbreakable

Vierter Sieg in Serie für den Polen – Geiger kommt so nah wie nie

In der Supersport-Klasse setzte Daniel Blin seine beeindruckende Siegesserie fort, musste sich seinen vierten Triumph in vier Rennen allerdings härter erarbeiten als je zuvor. Der Pole vom AF Automarket Racing Team gewann auf seiner Ducati Panigale V2 nach einem atemlosen Duell mit Dirk Geiger, das erst auf der allerletzten Geraden entschieden wurde.

Blan startete erneut von der Pole Position und führte das Feld zunächst souverän an. Doch Geiger, der auf der Apricot-Yamaha von Startplatz zwei aus losgefahren war, ließ nicht locker. Ab der Rennmitte verkürzte der Mannheimer den Abstand kontinuierlich und war in den kurvigen Passagen regelmäßig schneller als die führende Ducati. Die langen Geraden von Brünn spielten allerdings dem V2-Motor der Panigale in die Karten.

Das Rennen kippte in der vorletzten Runde, als Geiger sich in einer Bergauf-Passage innen an Blan vorbeischob und erstmals die Führung übernahm. Doch Blan konterte mit der überlegenen Motorleistung seiner Ducati noch in derselben Runde und ging an der gleichen Stelle auf der langen Geraden wieder vorbei. In der letzten Runde verteidigte der Pole seine Position mit Zähnen und Klauen. Geiger versuchte es noch einmal in der allerletzten Kurve über die Außenbahn – vergeblich. Blan rettete 0,051 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie.

"Last year it was completely impossible for me. So I'm very happy because we did really strong progress, step by step", strahlte Blan nach seinem vierten Sieg.

Geiger zeigte sich trotz der knappen Niederlage kämpferisch: "Das Rennen war echt gut. Wir haben gute Schritte gemacht. Jetzt wird Most kommen und da werden wir wieder voll angreifen."

Lennox Lehmann komplettierte zum vierten Mal in Folge das Podium auf Rang drei. Der Dresdner war in der Schlussphase der schnellste Mann auf der Strecke, kam aber zu spät in Schwung, um noch ins Spitzenduo eingreifen zu können. "Nach der Hälfte habe ich gemerkt: Scheiße, die fahren doch die Pace ganz schön lang", gab er ehrlich zu. Sein Rückstand von zweieinhalb Sekunden auf über 20 Minuten Renndauer zeigt, wie nah er dran ist – und wie weit der letzte Schritt noch ist.

Marvin Siebdraht unterstrich mit Rang vier auf der MCA-Honda seinen Aufwärtstrend und egalisierte sein bestes Saisonergebnis. Marcel Brenner, Blans Teamkollege bei AF Automarket, wurde Fünfter, nachdem er in der Anfangsphase noch auf Rang zwei gelegen hatte. Luca Göttlicher beeindruckte erneut auf der MV Agusta mit Platz sieben – bemerkenswert für erst sein zweites Rennen nach langer Verletzungspause auf einem komplett neuen Motorrad.

Ergebnis Supersport: 1. Daniel Blin (Ducati/AF Automarket), 2. Dirk Geiger (Yamaha/Apricot), 3. Lennox Lehmann (Yamaha/Apricot), 4. Marvin Siebdraht (Honda/MCA), 5. Marcel Brenner (Ducati/AF Automarket), 6. Julius Arenkiel-Frelsen (Honda/MCA), 7. Luca Göttlicher (MV Agusta)

Blan baute mit dem vierten Sieg seine Gesamtführung weiter aus. Die Supersport-Klasse zeigt eindrucksvoll die Vielfalt der Next-Generation-Regeln: V2-Motoren von Ducati, Dreizylinder bei Yamaha und MV Agusta sowie klassische Vierzylinder bei Honda und Kawasaki – alles funktioniert miteinander, und die streckenspezifischen Vor- und Nachteile sorgen für abwechslungsreiches Racing.

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Sportbike: Jakob Rosenthaler feiert Doppelsieg und übernimmt die Tabellenführung

Österreicher triumphiert im Chaos der letzten Runden

Die Sportbike-Klasse lieferte in Brünn erneut das, wofür sie bekannt ist: Pulkfahren vom Feinsten, unberechenbare Schlussrunden und Drama pur. Am Ende eines turbulenten zweiten Rennens stand Jakob Rosenthaler als Doppelsieger des Wochenendes fest und übernahm damit die Gesamtführung in der Meisterschaft.

Das Rennen über neun Runden auf der 5,4 Kilometer langen Strecke entwickelte sich schnell zur Gruppenfahrt: Bis zu sieben Fahrer kämpften über weite Strecken Rad an Rad um die Spitze. Tobias Kitzbichler auf der Aprilia hatte den besten Start erwischt und führte das Feld zunächst an, doch die Positionen wechselten im Minutentakt. Ruben Bijman, der Niederländer vom Freudenberg-Team, kämpfte sich immer wieder an die Spitze zurück und erwies sich als einer der konstantesten Fahrer in der Gruppe.

Lokalmatador Daniel Turcek, der als Gastfahrer auf einer von Eder unterstützten Aprilia unterwegs war, mischte zur Freude des heimischen Publikums kräftig vorne mit und hielt die Spitzengruppe über mehrere Runden lang auf Trab. Auch Stepan Zuda, der tschechische Gesamtführende vom Freudenberg-Team, und Mika Siebdraht (ebenfalls Freudenberg) waren mittendrin im Getümmel.

Das Drama nahm in der vorletzten Runde seinen Lauf: Kitzbichler und Turcek gerieten aneinander, was zu einem Sturz des tschechischen Gastfahrers führte. Kitzbichler konnte sich zwar auf dem Motorrad halten, fiel aber von der Spitzengruppe auf Rang sechs zurück. Die Fernsehbilder zeigten einen seltsamen Wackler bei Kitzbichler – ob es ein Rutscher am Hinterrad war, ein zu spät eingelegter Gang oder ein blockierendes Rad, blieb zunächst unklar. Sicher war: Die Führungsgruppe wurde auf einen Schlag von sechs auf drei Fahrer reduziert.

In der letzten Runde machte Rosenthaler dann alles richtig. Der Österreicher vom RT-Motorsport-Team hatte sich bewusst zurückgehalten und im richtigen Moment zugeschlagen: "Ich habe mich die ersten Runden eher ruhig verhalten und dann drei, vier Runden vor Schluss entschieden: Okay, jetzt mache ich den Weg nach vorne. Die letzte Runde war die schnellste, die ich das ganze Wochenende gefahren bin – und das mit schon ziemlich gebrauchten Reifen."

Bijman versuchte in der letzten Kurvenpassage noch alles, bremste extrem spät ein und probierte es über die Außenbahn, doch Rosenthaler verteidigte souverän. Gerade einmal 0,060 Sekunden trennten die beiden im Ziel. Zuda rettete mit zusammengebissenen Zähnen – und trotz Verletzungen an der Hand, bei denen er zwei Fingernägel verloren hatte – den dritten Platz für die Freudenberg-Mannschaft.

Mika Siebdraht fuhr mit Rang vier sein bisher bestes Ergebnis ein, Julian van Kalkeren wurde Fünfter, und der durch den Zwischenfall zurückgeworfene Kitzbichler rettete noch Platz sechs.

Euro Moto Brünn Mai 2026
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Ergebnis Sportbike Rennen 2: 1. Jakob Rosenthaler (Triumph/RT Motorsport), 2. Ruben Bijman (Triumph/Freudenberg), 3. Stepan Zuda (Triumph/Freudenberg), 4. Mika Siebdraht (Triumph/Freudenberg), 5. Julian van Kalkeren (Triumph/RT), 6. Tobias Kitzbichler (Aprilia/Viva), 7. Maximilian Palmowski, 8. Keano Veer, 9. Luis Rammerstorfer (Triumph/Freudenberg)

Meisterschaftsstand: Durch seinen Doppelsieg übernahm Rosenthaler die Tabellenführung von Stepan Zuda. Der bisherige Spitzenreiter kann mit zwei soliden dritten und vierten Plätzen an diesem Wochenende dennoch zufrieden sein – in einer so engen Meisterschaft zählt Konstanz.

Für Gabriel Noderer, Coach im ADAC Junior Cup und Co-Kommentator des Sportbike-Rennens, zeigte die Klasse eindrucksvoll ihre Qualität: "Die Sportbikes, die enttäuschen nicht. Die gehen da ordentlich zur Sache." Die Mischung aus ehemaligen 300er-Piloten, Supersport-Erfahrenen und WM-Rückkehrern sorgt für eine einzigartige Renndynamik, bei der jeder Fahrer seinen eigenen Stil und seine eigene Herangehensweise mitbringt.

Fazit