Euro Moto Runde 3 in Most: Hitze, Drama und ein tschechischer Heimsieg
Superbike: Lukas Tulovic dominiert mit Doppelsieg
Sonntag – Rennen 1: Tulovic schlägt zurück
Nach einem aus seiner Sicht enttäuschenden Wochenende in Brünn zuletzt kam Lukas Tulovic mit einer klaren Mission nach Most: Wiedergutmachung. Der 26-jährige Titelverteidiger und Gesamtführende aus Eberbach sicherte sich die Pole Position auf seiner Triple-M-Racing-Ducati Panigale V4R und ging als Favorit ins erste Rennen – ein 16-Runden-Sprint bei Asphalttemperaturen von über 51 Grad.
Wegen der extremen Hitze wurde das Quick-Start-Verfahren eingesetzt: Nur sieben Minuten vor dem Start öffnete die Boxengasse für eine Minute, lediglich ein Teammitglied durfte am Startplatz stehen – keine letzten Checks, keine Umbauten, alles ging blitzschnell.
Doch der Start verlief nicht nach Plan für den Titelverteidiger. Twan Smits auf der Team-Apreco-Yamaha R1 nutzte seinen brillanten Startplatz auf der Außenseite der ersten Reihe und schnappte sich mit der Innenlinie in der ersten Schikane die Führung. Marcel Schrötter auf der GERT56-BMW reihte sich auf Platz zwei ein, Tulovic fand sich nur auf Rang drei wieder. Beim Versuch, Schrötter in Runde zwei zu überholen, kam es zu einer Berührung zwischen den beiden, wobei Schrötter ausweichen musste und kurzzeitig die Strecke verlassen musste. Tulovic erbte Platz zwei.
In der Folge machte sich der Ducati-Pilot geduldig an die Arbeit. Er sparte seinen Hinterreifen in der ersten Rennhälfte und wartete auf den richtigen Moment. In der Bremszone vor Kurve 20 schlug er dann zu und übernahm die Führung von Smits, der nach seinem starken Beginn zunehmend an Pace verlor. Allerdings hatte Tulovic dabei einen gehörigen Schreckmoment: Beim Herausbeschleunigen aus der letzten Kurve brach das Heck aus – ein Beinahe-Highsider, den der Routinier gerade noch abfangen konnte.
Dahinter entwickelte sich ein spannendes Duell um Platz zwei. Florian Alt auf der Honda CBR 1000RR-R des Holzhauer-Racing-Promotion-Teams hatte sich in der ersten Rennhälfte zurückgehalten und sein Reifenmanagement perfektioniert. In der vorletzten Runde schlug er dann eiskalt zu: Mit einem makellosen Bremsmanöver unter dem Orlen-Bogen überraschte er Marcel Schrötter und sicherte sich den zweiten Platz. "Wenn man so überholt wird, tut das schon weh", kommentierte der ehemalige Supersport-WM-Fahrer Schrötter hinterher, fügte aber hinzu: "Aber heute war durch die Hitze alles anders und hat eine ganz neue Dimension bekommen."
Alt, der sich vom fünften Startplatz aufs Podium vorgearbeitet hatte, sagte nach dem Rennen, er habe die Honda ordentlich abgestimmt – die Front vermittelte ihm Vertrauen.
Twan Smits wurde Vierter, nachdem er auf der letzten Runde noch Tony Finsterbusch überholen konnte. Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW) wurde Sechster, sein Teamkollege Markus Reiterberger – der Rennen-1-Sieger von Brünn und vierfache Champion – enttäuschte mit Platz sieben. Teamchef Werner Daemen schaute alles andere als zufrieden drein: Sein Team hatte keine Chance aufs Podium. Sombor Görbe stürzte aus, Kevin Orgis beendete das Rennen auf dem letzten Platz, eine Runde zurück.
Ergebnis Superbike-Rennen 1:
- Lukas Tulovic (GER/Ducati)
- Florian Alt (GER/Honda)
- Marcel Schrötter (GER/BMW)
- Twan Smits (NED/Yamaha)
- Toni Finsterbusch (GER/BMW)
- Hannes Soomer (EST/BMW)
- Markus Reiterberger (GER/BMW)
- Jan-Ole Jähnig (GER/BMW)
- Milan Merckelbagh (NED/BMW)
- Jan Mohr (AUT/BMW)
Sonntag – Rennen 2: Tulovic macht das Double perfekt
Wenn das erste Rennen schon heiß war, legte der zweite Lauf am Nachmittag noch einmal nach. Das Asphaltthermometer zeigte mittlerweile 70,1 Grad an. Die 16 Rennrunden strapazierten Mensch und Maschine aufs Äußerste.
Der Start des zweiten Rennens verzögerte sich erheblich: Zunächst durch die Rote-Flaggen-Unterbrechungen im Supersport-Rennen, dann durch einen medizinischen Notfall auf der Start-Ziel-Geraden, bei dem ein Streckenposten versorgt werden musste.
Als es endlich losging, wiederholte sich zunächst das Muster des Vortags – allerdings mit noch mehr Drama. Twan Smits erwischte erneut einen Traumstart und setzte sich von außen in Führung. Doch in der ersten Kurve kam es zum Chaos: Marcel Schrötter (GERT56) und Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW) kriegten die Schikane nicht und mussten geradeaus fahren. Soomer, der von der zweiten Startreihe kam, fiel bis auf Platz zehn zurück, Schrötter auf Rang sechs.
Florian Alt nutzte das Durcheinander geschickt. Bereits in der zweiten Runde schob sich der Honda-Pilot mit einem "ordentlichen Honda-Überschuss" am bis dahin führenden Titelverteidiger Tulovic vorbei in die Rennführung – wie er es nach Rennen 1 angekündigt hatte: Er wollte "Tulo ein wenig Gesellschaft leisten".
Kevin Orgis vom privaten ORM-Team lieferte derweil die Überraschung des Rennens: Innerhalb von drei Runden sprang der ältere der Orgis-Brüder vom zehnten Startplatz auf Rang vier. Doch sein starker Auftritt währte nicht ewig – am Ende fiel er auf den neunten Platz zurück.
Tulovic blieb seiner Strategie treu und wartete geduldig. In Runde neun schlug er mit einem beherzten Manöver an der Innenseite von Kurve 13 zu – das Hinterrad rutschte dabei spektakulär über den Asphalt. Einmal vorbei, war die Sache entschieden: Tulovic zog davon.
Was bei Tulovic noch dazukam: "Die zweite Rennhälfte bestand nur aus Schmerzen", schilderte er den Tribut der Hitze. "Der V4-Motor an der Ducati befindet sich genau an meiner Wade. Er war kochend heiß und es tat einfach nur noch weh."
Smits konnte das Tempo auf Dauer nicht halten, blieb aber mit Abstand nach vorne und hinten immer auf dem dritten Platz. Leon Orgis schied mit einem technischen Defekt aus, Markus Reiterberger stürzte.
Ergebnis Superbike Rennen 2:
- Lukas Tulovic (GER/Ducati)
- Florian Alt (GER/Honda)
- Twan Smits (NED/Yamaha)
- Toni Finsterbusch (GER/BMW)
- Marcel Schrötter (GER/BMW)Hannes Soomer (EST/BMW)
- Markus Reiterberger (GER/BMW)
- Jan-Ole Jähnig (GER/BMW)
- Kevin Orgis (GER/BMW)
- Lorenzo Zanetti (ITA/Ducati)
Meisterschaftsstand: Tulovic baut seine Führung mit dem Doppelsieg – wie schon beim Saisonauftakt am Sachsenring – weiter aus. Es ist sein vierter Sieg in 2026. Schrötter und Reiterberger verlieren Boden, Florian Alt rückt mit zwei zweiten Plätzen deutlich nach vorne.
Supersport: Geiger-Sieg, Führungswechsel und Premieren – dann Drama pur
Samstag – Rennen 1: Geiger holt sich Sieg und Gesamtführung
Bei 38 Grad Lufttemperatur hatte sich im zweiten Qualifying kein einziger Fahrer verbessern können – mit Ausnahme des tschechischen Lokalmatadors Filip Novotný. So ging Dirk Geiger (Team Apreco Yamaha) von der Pole Position ins Rennen – mit einer Bestzeit von 1:34,857 Minuten, nur zwei Hundertstelsekunden vor seinem Teamkollegen Lennox Lehmann. Am Vortag hatte Geiger noch Motorprobleme gehabt, Lehmanns Yamaha YZF-R9 war wegen einer defekten Batterie nicht rund gelaufen.
Daniel Blin (Automarket AF Racing Team), bis dato Meisterschaftsführender mit vier Siegen in Folge, musste nach einem Sturz im Qualifying von Startplatz 16 aus antreten – er hatte gerade noch eine gezeitete Runde geschafft. Dazu plagten ihn Schulterschmerzen nach dem Highsider.
Im Rennen setzte sich Geiger von der Pole aus an die Spitze und fuhr seinen ersten Sieg auf der Apreco-Yamaha ein. Lehmann wurde Zweiter und komplettierte damit ein Apreco-Doppelpodium. Die Sensation des Rennens lieferte jedoch Luca Göttlicher (LJ Racing): Auf der einzigen MV Agusta im Feld holte er den dritten Platz – und setzte damit einen Meilenstein in der Markengeschichte. Es war das erste Podium überhaupt für MV Agusta in der Euro Moto (vormals IDM).
Gastfahrer Jonas Folger (Freudenberg KTM RORA PALIGO) kam während des Rennens zum Boxenstopp für Setup-Anpassungen an der KTM RC 990. Der ehemalige MotoGP-Pilot und IDM-Superbike-Champion von 2020 arbeitet als Testfahrer für KTM und sammelt mit dem Team Daten für die Serienmaschine.
Mit diesem Sieg übernahm Geiger die Gesamtführung in der Supersport-Meisterschaft von Blin.
Ergebnis Supersport Rennen 1:
- Dirk Geiger (GER/Yamaha)
- Lennox Lehmann (GER/Yamaha)
- Luca Göttlicher (GER/MV Agusta)
- Luca de Vleeschauwer (BEL/Yamaha)
- Filip Feigl (SUI/Yamaha)
- Marvin Siebdrath (GER/Honda)
- Marcel Brenner (SUI/Ducati)
- Freddie Heinrich (GER/Kawasaki)
- Julius Ahrenkiel-Frellsen (DEN/Honda)
- Filip Novotný (CZE/Ducati)Sonntag –
Rennen 2: Doppelte Rote Flagge, keine Wertung
Was am Sonntag in der Supersport-Klasse passierte, war an Dramatik kaum zu überbieten – allerdings nicht auf die Art, die sich die Beteiligten gewünscht hätten.
Für Dirk Geiger war es besonders ärgerlich: Nach seinem Sieg am Samstag hatte der Mannheimer die Gesamtführung übernommen und wollte seinen Vorsprung im zweiten Lauf weiter ausbauen. Alles sah zunächst danach aus: Geiger setzte sich sofort an die Spitze und verschaffte sich einen Vorsprung.
Erster Abbruch: Dann der Schock in Runde fünf. Marcel Brenner (Automarket AF Racing Team) stürzte nach einem heftigen Highsider am Ausgang der letzten Kurve schwer. Das Rennen wurde mit der Roten Flagge abgebrochen und Brenner ins Krankenhaus gebracht.
Daniel Blin bewies derweil Kampfgeist: Trotz seiner Schulterverletzung und Startplatz 16 hatte er sich in nur vier Runden eindrucksvoll bis auf Rang fünf vorgearbeitet. In der erzwungenen Pause sagte der Pole: "Der Neustart könnte taktisch gut für mich sein – meine Startposition ist jetzt viel besser als 16. Ich habe immer noch Probleme mit der Schulter, aber wir werden versuchen, da durchzubeißen."
Neustart als 8-Runden-Sprint: Die Startaufstellung wurde anhand des letzten vollständigen Rennumlaufs festgelegt. Geiger stand erneut auf der Pole, MV-Agusta-Senkrechtstarter Luca Göttlicher fuhr neben ihm an die Linie. Die erste Startreihe wurde durch Luca de Vleeschauwer (SWPN) komplettiert. Dahinter lauerten Filip Feigl (Eder Racing) und Daniel Blin.
Geiger und Göttlicher erwischten einen guten Start. Auch Blin war weiter hinten gut weggekommen und tauchte direkt neben de Vleeschauwers Yamaha YZF-R9 auf. Doch bevor sich das Rennen richtig entwickeln konnte, wurde erneut die Rote Flagge geschwenkt: Mit Jindřich Škopek war einer der vier tschechischen Teilnehmer gestürzt und der Rettungswagen fuhr auf die Strecke.
Das Urteil: Kein weiterer Neustart, keine Punkte, keine Wertung. Das Rennen wurde annulliert.
Für Dirk Geiger bleibt es damit bei zwei Punkten Vorsprung in der Gesamtwertung vor Daniel Blin.
Sportbike: Zuda feiert Heimsieg, Siebdrath erstes Podium
Samstag – Rennen 1: Abbruch nach doppelter Roter Flagge
Meisterschaftsführender Jakob Rosenthaler (RT Motorsports Racing) fehlte verletzungsbedingt – er hatte sich bei einem Weltmeisterschafts-Einsatz am Bein verletzt. Eine riesige Chance für seine Verfolger, insbesondere für Stepan Zuda (Freudenberg RORA-PALIGO Racing), der in Brünn noch mit den Nachwirkungen einer Handverletzung aus der Weltmeisterschaft gekämpft hatte.
Doch das erste Rennen kam nie zustande. Bereits in der Eröffnungsrunde gab es einen schweren Crash, danach bei einem Neustart einen weiteren Zwischenfall in der ersten Schikane. Da die Zeit nicht mehr reichte, wurde das Rennen als Nullwertung deklariert – keine Punkte für niemanden.
Sonntag – Rennen 2: Herzschlagfinale auf der Heimstrecke
Das Sonntagsrennen war somit das einzige zählende Sportbike-Rennen des Wochenendes – und es wurde ein absoluter Krimi über 11 Runden. Stepan Zuda, der 20-jährige Tscheche auf der Freudenberg-RORA-PALIGO-Racing-Triumph Daytona 660, startete von der Pole Position. Sein Hauptrivale: Bruno Ieraci auf der RT-Motorsports-Triumph. Ieraci hatte zuletzt in der Supersport-Weltmeisterschaft in Rumänien gewonnen und kannte die Strecke in Most bestens – er war hier in der Weltmeisterschaft bereits Zweiter geworden.
Der Start gelang Zuda perfekt, doch schon in Kurve 10 verbremste er sich spektakulär und fiel auf Platz fünf zurück. Es begann ein atemberaubendes Führungskarussell: Toby Kitspickler auf der Aprilia RS 660 übernahm die Führung, dann Ieraci, dann wieder Zuda. Auch Ruben Bijman (Freudenberg RORA-PALIGO Racing) mischte an der Spitze mit. Über weite Strecken des Rennens wechselte die Führung praktisch in jeder Runde. Aus dem anfänglichen Quartett an der Spitze wurde zwei Runden vor Schluss ein Duo: Kitspickler und Bijman kollidierten in Kurve 15 und schieden beide aus – ein herber Schlag für beide in der Meisterschaft, denn als Dritter und Vierter der Gesamtwertung hatten sie bei Rosenthalers Abwesenheit die beste Chance, den Rückstand zu verkürzen.
So kam es zum finalen Duell: Zuda gegen Ieraci. Auf der letzten Runde versuchte der Tscheche mehrfach, den Italiener zu überholen – vergeblich. Ieraci verteidigte sich geschickt, schaute sogar kurz über die Schulter. Doch in der allerletzten Kurve spielte Zuda seinen Trumpf aus: Er ließ Ieraci bewusst die Innenlinie, nutzte den Windschatten auf der Start-Ziel-Geraden und gewann das Drag-Race zur Ziellinie mit einem hauchdünnen Vorsprung. Die Emotionen brachen aus dem jungen Tschechen heraus. "Ich habe fast geweint auf der Auslaufrunde", gestand er mit brüchiger Stimme. "Es war eine harte Zeit. Nach der Wildcard in der Superbike-WM hier, wo ich mir fast einen Finger abgerissen habe, war es schwer zurückzukommen. In Brünn lief es nicht. Aber mein Team hat den ganzen Monat hart gearbeitet."
Ieraci nahm die Niederlage sportlich: "Ich habe in der letzten Kurve einen Fehler gemacht – den vierten Gang eingelegt, aber nicht sofort eingekuppelt. Dadurch habe ich verloren. Aber ich habe das Rennen genossen, und das ist wichtiger."
Mika Siebdrath erbte nach dem Ausfall von Bijman und Kitspickler den dritten Platz – sein erstes Podium überhaupt in der Sportbike-Klasse. Der 17-jährige Deutsche vom Freudenberg-RORA-PALIGO-Racing-Team auf der Triumph Daytona 660 feierte gemeinsam mit seinem Teamkollegen Zuda und Teamchef Carsten Freudenberg – ein Doppelpodium (Platz 1 und 3) für das Team.
Ergebnis Sportbike:
- Stepan Zuda (CZE/Triumph)
- Bruno Ieraci (ITA/Triumph)
- Mika Siebdrath (GER/Triumph)
Drei verschiedene Nationalitäten auf dem Podium – Tschechien, Italien, Deutschland. Stepan Zuda übernimmt mit diesem Sieg die Tabellenspitze von dem verletzten Jakob Rosenthaler.












