Fahr-Test Harley-Davidson Road Glide und Street Glide: VVT kommt in die Limited-Modelle

Harley-Davidson Road Glide und Street Glide Limited im Fahr-Test
VVT kommt in die Limited-Modelle 2026

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.02.2026
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Es ist wohl der einzige nachweislich funktionierende Trickle-Down-Effekt. Harley-Davidson verbaut neue Technik in der Regel zunächst in ihren Topmodellen der CVO-Baureihe, bevor sie in darauffolgenden Modelljahren ihren Weg in die Basismodelle findet.

2026 kommt so die variable Ventilsteuerung VVT erstmals in Modellen zum Einsatz, die nicht den Premium-Zusatz CVO tragen: die Road Glide Limited und Street Glide Limited.

Big-Twin mit sattem Drehmoment

Am Hubraum der Harley-Davidson Road Glide und Street Glide in der Limited-Ausführung ändert sich für 2026 nichts: 1.923 cm³ oder 117 ci (cubic inch), wie die Aufschrift am Motordeckel verrät. Auch die Leistungsdaten bleiben trotz VVT gleich zum Vorjahr. 109 PS bei 5.020/min und stolze 175 Nm Drehmoment bei 3.500/min versprechen reichlich Vorschub über das gesamte Drehzahlband.

Den bietet der Big-Twin je nach gewähltem Fahrmodus mehr oder weniger aggressiv an. Vier Modi stehen dem Fahrer in aufsteigender Spritzigkeit zur Verfügung: Rain, Road, Sport und Custom. Wobei letzterer eine freie Konfiguration der einzelnen Parameter zulässt.

Vorschub ab Standgas

In den CVO-Modellen mit 121er Motor sorgte die variable Ventilsteuerung (VVT) noch für ein deutliches Leistungsplus. Bei den neuen Limited-Modellen der Harley-Davidson Road Glide und Street Glide scheint der Vorteil des Systems eher in einer fülligeren Drehmomentkurve und einer um zwei bis drei Prozent gesteigerten Effizienz zu liegen.

Nun mangelte es dem Big-Twin bekanntermaßen noch nie an Drehmoment. Und so ist eine spürbare Verbesserung im Fernvergleich höchstens im Wunsch nach derselben zu erkennen. Die gute Nachricht: Noch immer ist der Milwaukee-Eight-Motor eine glatte Wucht. Vorschub ab Standgas egal in welchem Gang, kräftige Drehzahlmitte, erstaunliche Drehfreude ab 4.000/min. Das Ganze serviert der V2 mit sahniger Geschmeidigkeit und einem Klang, der das verbaute Audio-System überflüssig erscheinen lässt.

Reisemotorrad mit butterweichem Komfort

Die "Grand American Touring"-Modelle von Harley-Davidson – also die Street Glide und die Road Glide – werden oft als Sofas auf zwei Rädern bezeichnet. Doch während diese Bezeichnung meist despektierlich geäußert wird, beschreibt sie doch eine der Qualitäten dieser Modelle: den butterweichen Komfort eines auf Touring ausgelegten amerikanischen Reisemotorrads.

Mit den neuen Limited-Modellen sorgt Harley für ein noch sanfteres Platznehmen auf den schweren Bikes. Die Form des Fahrersitzes wurde überarbeitet, um die Hüfte in eine neutrale Position zur Wirbelsäule zu drehen. Zudem kommt ein neues Polstermaterial zum Einsatz. Auch an den Beifahrer oder die Beifahrerin haben die Ingenieure gedacht und das Platzangebot im Heck noch weiter vergrößert. Für kalte Tage sind Fahrer- und Beifahrersitz zudem getrennt voneinander beheizbar.

Größter Unterschied zwischen Street Glide Limited und Road Glide Limited

Der größte Unterschied zwischen der Harley-Davidson Street Glide Limited und Road Glide Limited ist – neben der Optik – ihre unterschiedliche Sitzposition. Die ergibt sich hauptsächlich aus der Höhe des Lenkers, denn der Sitz liegt bei beiden Maschinen 740 mm über der Fahrbahn, die Füße Cruiser-typisch weit vorn auf großzügigen Trittbrettern.

Bei der Road Glide greift der Fahrer weiter nach oben, sitzt Bagger-ähnlich. Der Street-Glide-Lenker liegt tiefer und sorgt so für eine etwas kompaktere Körperhaltung. Das kommt dem Fahrer vor allem beim namensgebenden Dahingleiten entgegen. Die lenkerfeste Verkleidung und das damit verbundene höhere Gewicht am Lenker machen aber vor allem das Rangieren und Durchfahren enger Kehren schwieriger. Bei dem Thema punktet die mit rahmenfester Shark-Nose versehene Road Glide.

Apropos Shark-Nose: An der Verkleidung beider Maschinen hat Harley ebenfalls Hand angelegt, mit dem Ziel, die aerodynamischen Eigenschaften und den Windschutz zu verbessern. In die gleiche Kerbe schlägt das neue Windschild, welches etwa 10 cm höher ist als bei den Standard-Modellen.

Mehr Gleiten als Wetzen

Egal ob Harley-Davidson Street Glide Limited oder Road Glide Limited, es ist ein erhabenes Gefühl mit den großen Tourern unterwegs zu sein. Beim sanften Gleitflug über ebenso sanft geschwungene Straßen fühlt man sich unweigerlich wie der König der Straße. Weniger königlich wird das Gefühl, je enger die Kurvenradien verlaufen. Hier fehlt es den schweren Maschinen an Handlichkeit.

Dafür arbeitet das Fahrwerk beider Maschinen recht komfortabel und gibt Löcher im Asphalt nicht allzu direkt an den Fahrer weiter. An den Komponenten ändert sich im Vergleich zum Vorjahr nichts. Sie bieten 117 mm Federweg an der Telegabel, sowie überschaubare 76 mm an den beiden Federbeinen der Marke Showa. Diese lassen sich in der Vorspannung einstellen. Das rechte Federbein sorgt mit mechanischer Verstellung (nach Abnehmen des rechten Koffers) für ein Grundsetup. Auf der linken Seite ermöglicht ein Handrad, die Vorspannung hydraulisch fein zu justieren.

Gewicht: 405 kg (Street Glide) und 417 kg (Road Glide)

Beim Gewicht der Street Glide Limited und Road Glide Limited hat Harley-Davidson ordentlich Hand angelegt. Zwar sind beide mit 405 kg (Street Glide) und 417 kg (Road Glide) deutlich schwerer als ihre Basisvarianten – Beinverkleidung, Topcase und Zubehör geschuldet. Im Vergleich zu ihren entsprechenden Vorgängern specken sie jedoch stolze 10,9 kg (Street Glide) und 5,9 kg (Road Glide) ab.

Nicht abgespeckt haben die Möglichkeiten zur Gepäckunterbringung: Trotz neu gestaltetem Topcase – zur Verbesserung des Soziuskomforts – stehen nach wie vor insgesamt 144 Liter Stauraum zur Verfügung.

Reichlich Elektronik-Features

Natürlich darf bei der Street Glide Limited und Road Glide Limited ein umfangreiches Elektronikpaket nicht fehlen. Was Fahrassistenzen angeht, sind beide Maschinen top ausgestattet. Elektronische Bremskraftverteilung, ABS, Traktionskontrolle – alles an Bord, alles schräglagensensibel. Alle Informationen werden auf dem großen, gut ablesbaren 12,3-Zoll-TFT-Touchscreen dargestellt.

Die Menüführung bedarf einer kurzen Eingewöhnungsphase, gelingt dann aber – auch über die Knöpfe an den Lenkerarmaturen – reibungslos. Natürlich gibt es Smartphone-Konnektivität, Navigation, Musikwiedergabe und sogar Apple Car Play (kabelgebunden).

Bunte Vielfalt

Optik ist bekanntlich ein großes Thema bei Harley-Davidson und so gibt es eine breite Auswahl an Farbvarianten für die neue Street Glide Limited und Road Glide Limited. Standardmäßig sind Motor, Gabel, Auspuff und Anbauteile in Chrom gehalten. Für 1500 Euro Aufpreis gibt es diese Teile in schwarzem Finish. "Dark Billiard Gray" nennt sich die Farbvariante, die im Basispreis von 35.600 Euro bei beiden Maschinen enthalten ist. Die sechs weiteren Farbvarianten kosten zwischen 780 und 1430 Euro mehr.

Fazit