China-Marken preschen vor: Zontes und Voge in der EU auf dem Vormarsch

BMW R 1300 GS vs. Voge DS 900 X im EU-Duell
Neuzulassungen – Wenn Spanien vorprescht

ArtikeldatumVeröffentlicht am 31.03.2026
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Vor zehn Jahren noch schien die europäische Motorradwelt sehr berechenbar. Alle Jahre wieder schnappten sich die Japaner die fettesten Marktanteile, aber auch Ducati, Harley, KTM und Triumph mischten munter mit. BMW sowieso, fast überall in Europa platzierte sich ihre GS als bestverkauftes Modell.

Zwar versuchten neue Hersteller wie Zero und Energica ihr Glück mit E-Motorrädern, jedoch mit mäßigem Erfolg. Daneben wurden alte Marken wie Indian, Fantic, Horex oder Norton wiederbelebt, schafften aber nur überschaubare Stückzahlen. Die spannendste Frage für Motorradfahrer in Europa lautete: Wird sich die GS auch in Zukunft als Europas Bestseller halten können?

Boxer-GS führt in der EU

Sie konnte. Keines der Alternativkonzepte, ob es Ducati Multistrada, Honda Africa Twin, KTM Super Adventure, Suzuki V-Strom, Triumph Tiger oder Yamaha Super Ténéré hieß, stieß sie vom Thron. In vielen europäischen Ländern steht die Mutter aller Reiseenduros weiter auf Platz eins. Direkt dahinter folgen, wie gehabt, japanische Mittelklassemotorräder. Also alles beim Alten?

Ganz und gar nicht. In Spanien hat ein China-Bike, die Voge DS 900 X, erstmals die GS überflügelt. Diese Entwicklung begann bereits 2005, als in Italien QJ Motor aus China die Marke Benelli übernahm. Die neuen Besitzer benötigten zwar fast 15 Jahre, um Fuß zu fassen, dann gelang ihnen das aber mit Macht, zumindest in Italien. Ihnen eifern inzwischen unzählige Marken aus China nach, die aus den Erfahrungen von QJ Motor gelernt haben und nun deutlich aggressiver agieren – und zwar erfolgreich.

Zudem haben sich die Zulassungszahlen 2025 drastisch verändert, in den vier größten Motorradländern der EU tut sich ein Süd-Nord-Gefälle auf: Deutschland und Frankreich verlieren, Italien hält sich mit Verlusten auf hohem Niveau, Spanien legt dafür deutlich zu.

  • Italien 331.643 (-6 Prozent)
  • Spanien 242.580 (+8,3 Prozent)
  • Frankreich 179.225 (-16,4 Prozent)
  • Deutschland 159.746 (-35,7 Prozent)

Der deutsche Markt

In der deutschen Hitliste liegt die GS vorn, gefolgt von vier Japanern. Das war schon 2015 so, nur haben inzwischen Kawasaki und Honda die MT-Modelle von Yamaha abgedrängt. China kommt in Deutschland nur langsam ins Spiel: Das bestverkaufte chinesische Motorrad landete 2025 mit 665 Stück auf Rang 37 – die Voge DS 900 X von BMWs Partner Loncin.

Doch der Anteil der günstigen China-Bikes steigt auch hier stetig. 2026 nehmen zudem einige alteingesessene Händler Marken wie CFMoto und Voge ins Programm, was für einen merklichen Schub sorgen dürfte. Neu zugelassen wurden 2025 in Deutschland etwas mehr als 96.000 Motorräder (-36,4 Prozent), knapp 20.000 Leichtkrafträder (-47,9 Prozent) und rund 35.000 Roller (-28,9 Prozent). Der Rückgang wirkt dramatisch, hat aber vor allem mit der Umstellung auf die Homologationsnorm Euro 5+ zum 1.1.2025 zu tun.

Denn Ende 2024 wurden noch schnell Tausende von Euro 5-Bikes zugelassen, was zu über 150.000 Neuzulassungen im Gesamtjahr führte, ein Zuwachs von 21,3 Prozent. Da musste das dicke Ende ja nachkommen. Einfluss hatte zudem der Absturz von KTM: Nur 2.700 Motorräder aus Österreich wurden 2025 in Deutschland neu zugelassen, minus 80 Prozent. Klar hatten KTM und Euro 5+ überall Auswirkungen, doch in Deutschland und in Österreich fiel der Effekt besonders stark aus.

Der Rückgang rief die Schwarzseher auf den Plan: Deutschland sei ein überalterter Markt, kaum noch interessant für die Industrie, da wenig Nachwuchs in Sicht. Das mag stellenweise sogar stimmen, das Motorrad gilt bei den Jüngeren nicht gerade als Lifestyle-Accessoire. Übersehen wird dabei allerdings, dass hierzulande viele hochpreisige Hightech-Motorräder gekauft werden. Für chinesische und auch japanische Hersteller uninteressant? Möglich. Erfreulich aber, dass die heimischen europäischen Hersteller profitieren.

Deutschland

  1. BMW R 1300 GS/Adventure 8.075
  2. Kawasaki Z 900 4.530
  3. Kawasaki Z 650 2.220
  4. Honda CB 1000 Hornet 2.069
  5. Honda CBR 650 R 2.065

Der französische Markt

Rund 100.000 Motorräder (-14,5 Prozent) wurden 2025 in Frankreich neu zugelassen, dazu 26.000 Leichtkrafträder. Der Rückgang hat zum Teil die gleichen Gründe wie in Deutschland, also den Euro 5-Faktor und die schwächelnde Marke KTM, hier mit einem Minus von über 50 Prozent gegenüber 2024. Spezifisch französisch ist der Druck durch die Umweltzonen in Paris und anderen Großstädten, mit restriktiven Tempo-30-Zonen und Parkgebühren für Verbrenner-Zweiräder, die bis zu drei Euro pro Stunde reichen.

Das machte dem kleinen Boom, den Roller, 125er und kleine Motorräder zuletzt als Pendlerfahrzeuge erlebt hatten, gleich wieder den Garaus. Denn nun sind die Großstädter mit dem Zweirad kaum mehr schneller als mit der Metro, billiger kommt es erst recht nicht. Das spiegelt sich in Rückgängen gerade bei Rollern (-17 Prozent) und 125ern (-20,4 Prozent) wider. Viel besser steht die Motorradmittelklasse bis 1.000 cm3 da, die ihr Volumen in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hat.

Der Bestseller heißt in Frankreich mittlerweile BMW GS; vor zehn Jahren war es noch die Yamaha MT-07, die heute auf dem sechsten Platz liegt, knapp hinter der Konzernschwester Ténéré.

Anders als zunächst erwartet, führte der Wegfall des 100-PS-Limits im Jahr 2016 nur zu einem eher moderaten Anstieg bei den Big Bikes über 1.000 cm³, deren Anteil sich heute bei rund 30.000 Stück eingependelt hat. Gegenüber Motorrädern aus China gibt es weniger Zurückhaltung als in Deutschland, bei den Marktanteilen finden sich in den Top Ten bereits zwei chinesische Hersteller, CF Moto und Voge. Als bestverkauftes China-Motorrad liegt die CFMoto 450 MT auf Platz 14 (1.619). E-Motorräder konnten sich, wie überall in Europa, bislang nicht durchsetzen, selbst ihre Befreiung von den hohen Parkgebühren in Paris änderte daran nichts.

Frankreich

  1. BMW 1300 GS/Adventure 6.467
  2. Honda Hornet 750 3.414
  3. Yamaha MT-09 Tracer 3.279
  4. Kawasaki Z 900 2.960
  5. Yamaha Ténéré 700 2.912

Der italienische Markt

Selbst der umtriebige italienische Markt, der größte in Europa, musste 2025 Federn lassen, im Motorradsegment sogar deutlich: Knapp 135.000 Motorräder wurden neu zugelassen, das ergibt ein Minus von über 19 Prozent. Nur dank Zuwachs bei den Rollern auf fast 200.000 Stück (77.000 davon 125er) kam Italien 2025 insgesamt mit einem Minus von sechs Prozent davon.

Die nationalen Marken wie Aprilia, Ducati und Moto Guzzi hält man in Italien nach wie vor hoch: Der Marktanteil von Ducati liegt bei sieben Prozent, bei Moto Guzzi und Aprilia sind es je drei Prozent. Chinesische Marken sind aber stark auf dem Vormarsch. Während die ersten fünf Plätze der Verkaufsschlager ähnlich aussehen wie in den meisten Ländern – erst die GS, dann vier japanische Bikes –, folgt schon auf Platz sechs die CFMoto 450 MT (2.371 Stück). Insgesamt tummeln sich in den Top 30 gleich acht chinesische Motorräder, der Marktanteil liegt bei etwa zwölf Prozent.

Ihren Anfang nahm die China-Invasion in Italien mit der Benelli TRK 502 aus der Produktion von QJ Motor, die Anfang der 2020er-Jahre als bestverkauftes Motorrad firmierte. Wenn auch nur, weil in Italien die Zulassungen von GS und die GS Adventure offiziell separat gezählt werden. Marken wie Benelli, Moto Morini und SWM, die ihren Ursprung im Land haben, aber heute chinesisch sind und dort produzieren, werden von den meisten Italienern dennoch als heimische Hersteller wahrgenommen.

Der erneute Rollerboom lässt sich auf den nicht gerade perfekten Nahverkehr in den meisten italienischen Großstädten zurückführen und auf die Tatsache, dass 125er neuerdings auch auf Autobahnen und Stadtautobahnen fahren dürfen. Sowie auf die generelle Vorliebe der Italiener für ganz individuelle Fortbewegung.

Italien

  1. BMW R 1300 GS/Adventure 6.963
  2. Honda XL 750 Transalp 2.920
  3. Yamaha Tracer 9 2.844
  4. Yamaha MT 07 2.714
  5. Honda Africa Twin 2.693

Der spanische Markt

Der Europa-Primus des Jahres 2025: Als einzigem großen Markt gelingt Spanien ein deutliches Plus. Das liegt hauptsächlich an den Rollern, von denen über 132 000 Exemplare (knapp 99.000 davon 125er) neu zugelassen wurden, was eine Steigerung von gut neun Prozent bedeutet. Daneben nehmen sich die rund 84 000 Motorräder etwas bescheidener aus, erst recht die 23 000 Leichtkrafträder. Das größte Plus fuhr mit fast acht Prozent die Hubraumklasse über 700 cm3 ein.

Der Grund für die Zuwachszahlen ist offensichtlich: Hier preschen die China-Marken richtig vor und landen sogar schon ganz vorn. So heißt der Bestseller bei den großen Rollern Zontes 368 G (siehe Kasten Seite 121), bei den Motorrädern über 125 cm³ belegt Voge Platz eins und sechs. Insgesamt kommen die chinesischen Hersteller im Motorradsegment auf einen Marktanteil von knapp 18 Prozent. Geschafft haben sie das primär durch eine aggressive Preispolitik. So kostet die Voge 900 rund 9000 Euro und bietet eine Ausstattung, für die man bei etablierten Herstellern das Doppelte bezahlt – wer schon lange von einer GS träumte, sie aber zu teuer fand, wird nun eben beim BMW-Partner Voge fündig.

Zudem präsentiert sich das Händlernetz, speziell von Voge und von Zontes, bereits gut ausgebaut. Das kostete manchen Klassiker den Spitzenplatz: Die Kawasaki Z 900, jahrelang in Spanien die Nummer eins, rutschte im vergangenen Jahr ab auf Platz vier. Anders als die meisten Motorradfahrer hierzulande betrachten viele Spanier die chinesischen Motorräder übrigens nicht als Billigware, sondern als schlauen Deal: viel Hubraum und viel Ausstattung für wenig Geld. Die chinesischen Hersteller wiederum sehen das preisbewusste Spanien als wichtigen Testmarkt – von dem aus sie ganz Europa erobern wollen.

Spanien

  1. Voge DS 900 X 5.447
  2. BMW R 1300 GS/Adventure 3.535
  3. Kawasaki Z 900 2.577
  4. Yamaha MT-07 2.547
  5. Honda NX 500 2.172

Der österreichische Markt

Österreich punktet mit vielen Bergen und tollen Motorradstrecken, leidet aber gerade an seinem Motorradhersteller KTM. Der verursachte mit seiner Insolvenz nicht nur viele Entlassungen, sondern trug seinen Teil zu den schlechten Marktzahlen bei. 2025 lagen die Neuzulassungen von Motorrädern bei rund 21.000 Stück, ein Minus von über 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Neben dem Euro 5-Effekt lag das auch an KTM. Im Jahr 2024 kam der Hersteller aus Mattighofen auf fast 8.000 Neuzulassungen (Leichtkrafträder eingeschlossen), 2025 waren es nur knapp 1.600 – ein Rückgang um 80 Prozent, wie in Deutschland. Zu allem Überfluss haben die Österreicher auch noch die Nova, eine Zulassungssteuer, die vom CO₂-Ausstoß des Fahrzeugs abhängt und den Preis eines Motorrads im Extremfall um 30 Prozent verteuert.

Kein Wunder also, dass man sich im Nachbarland im letzten Jahr beim Motorradkauf ein wenig zurückhielt, zumal der kleine Markt erst mal an die 3.000 Euro 5-Tageszulassungen vom Dezember 2024 aufnehmen musste. Unübersehbar sind die Ähnlichkeiten mit Deutschland, die 1300er-GS und die Japaner liegen unangefochten an der Spitze. Das Premium-Segment findet viel Zuspruch, das Hauptgeschäft wird aber, wie überall, in der Mittelklasse gemacht, wie die Hitliste zeigt. Chinesische Motorräder spielen bislang nur eine Nebenrolle, beste Marke ist Voge mit 450 Einheiten.

Österreich

  1. BMW R 1300 GS/Adventure 909
  2. Kawasaki Z 900 508
  3. Kawasaki Z 650 439
  4. Honda CBR 650 R 333; Honda CB 750 Hornet 333
  5. Yamaha MT-07 311

Der schweizer Markt

Trotz des starken Schweizer Franken sind Motorräder in der Regel deutlich teurer als in Deutschland, denn die Schweiz ist ein Hochpreisland mit höheren Gehältern, Fixkosten und Margen für die Händler, was sich in den Preisen niederschlägt. Rund 22 000 Motorräder wurden 2025 neu zugelassen, ein leichtes Plus von 0,7 Prozent gegenüber 2024. Auffällig im Vergleich zu anderen Ländern: das gute Abschneiden kleiner Sportler wie Aprilia RS 457 und Aprilia RS 660 auf dem siebten und neunten Platz der Topseller. Eine weitere Besonderheit in der Schweiz ist ein stark wachsender Frauenanteil. Jede siebte neue Maschine wird heute von einer Frau gekauft, vor zehn Jahren war es nur jede zwölfte.

Am besten laufen auch in der Schweiz Motorräder bis 1.000 cm3, vor allem Reiseenduros und Naked Bikes, während der Absatz von Big Bikes immer mehr zurückgeht – ein Trend, der sich in ganz Europa abzeichnet. In der Schweiz kommt noch dazu, dass es seit 2021 für Neueinsteiger ab 25 Jahren keinen Direkteinstieg mehr gibt. Nun müssen auch sie erst mal zwei Jahre ein 48-PS-Motorrad fahren, was den Anstieg der Mittelklasse weiter vorantreibt. Chinesische Motorräder kommen auch hier bislang nur am Rande vor, beste Marke aus dem Reich der Mitte ist CFMoto mit insgesamt 500 Neuzulassungen im Jahr 2025.

Schweiz

  1. BMW R 1300 GS/Adventure 1.208
  2. Yamaha MT-07 829
  3. Kawasaki Z 900 762
  4. Honda CB 750 Hornet 497
  5. Yamaha Ténéré 700 442

Fazit