Zweitakter im Eigenbau: Die heftigsten Motoren mit zwei Takten

2-Takter im Eigenbau
Die extremsten Motoren mit zwei Takten

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.09.2026
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Motorrad mit 48 Zylindern
Foto: Bonhams

Der Zweitakter ist und bleibt eine technische Meisterleistung. Ob nun mit Gleichstromspülung und Auslassventil oder die modernen Querspülmotoren: Eine Zündung pro Kolbenhub ist an Effektivität kaum zu überbieten.

Die Effizienz leidet allerdings, da sich beim Zweitakter Abgas und Frischgas im Bereich des Brennraums unweigerlich mischen. Das führt zu sehr problematischen Abgaswerten, die noch dazu nie gleich sind.

Faszination 2-Takter

Und trotzdem geht das Herz auf, wenn es um diese Bauart des Hubkolbenmotors geht. Gerade im Motorrad. Vor allem alte Motoren sind kaum zu unterbieten, was den einfachen Aufbau angeht. Nicht aus Versehen warb DKW vor 100 Jahren mit dem Slogan: Nur 3 bewegte Teile.

Stimmt, im Motor selbst drehen oder oszillieren nur 3 Bauteile:

  1. die Kurbelwelle
  2. das Pleuel
  3. der Kolben

Einfach genial und simple. Und aus diesem Grund dürften sich viele Schrauber und 2-Takt-Fans immer wieder denken: "Ich baue mir einfach mal selbst einen 2-Takter aus alten Motoren zusammen." Voila, die tollsten Eigenbauten der letzten Jahre bei MOTORRAD:

Simon Whitelock – 2-Takt Papst aus England

Soll es um verrückte 2-Takter gehen mit noch verrückterem Bike drumherum, fällt oft Simon Whitelock als ersten Name. Seit Jahrzehnten baut der Brite aus alten Japan-Motoren neue zusammen.

7-Zylinder mit 600 Kubik

Fangen wir mit dem kleinsten Motor an, den Simon aus mehreren anderen Motoren zusammensetzte: Aus den Teilen der Kawasaki KH 250 – von insgesamt 6 Motoren – fügte Simon Whitelock seinen Reihensiebenzylinder zusammen.

Bei original 83 Kubik pro Zylinder müssten sich hier rechnerisch 581 Kubik ergeben. Doch Whitelock hat dieses Motorrad KH 606 genannt, das lässt darauf schließen, dass die 7 Zylinder etwas aufgebohrt und zumindest Übermaßkolben eingesetzt sind. Leistung: ca. 60 PS. Verkauft auf einer Auktion für gut 70.000 Euro.

9 Zylinder in W-Form mit 750 Kubik

Ebenfalls auf Basis des alten Triples der Kawasaki KH 250 baute Whitelock einen 9 Zylinder in W-Bauweise. 3 Triple sitzen hintereinander im Chassis und müssten rechnerisch um die 750 Kubik und um 75 PS haben.

Die 3 Kurbelwellen sind über Stirnräder synchronisiert. Interessant: der hintere der 3 Motoren sitzt rückwärts im Chassis. Über die Kühlleistung dieses Motors sollte man sich allerdings keine Gedanken machen, das dürfte zu Kopfschmerzen führen.

Um die 200 km/h soll das Bike laufen, über dessen Verbleib es aktuell keine Informationen gibt.

48 Zylinder mit 4.000 Kubik

Rechnerisch 4.000 Kubik müsste der 48-Zylinder von Simon messen. Denn er ist aus 16 Triples der Kawasaki KH 250 zusammengesetzt. Wie das geht?

Simon beschloss zunächst 6 Reihen-Achtzylinder zu bauen, um die in 2er-Packs zu kombinieren. Dazu sägte er die Motorgehäuse auseinander, schnitt das Getriebe heraus und ließ die angepassten Gehäuseteile zu einem großen Motorblock schweißen.

Die 6 Kurbelwellen münden in ein Getriebe einer BMW K 100. Eigentlich hat das Bike sogar 49 Zylinder, denn ein Rollermotor mit 125 Kubik dient als Anlasser.

Das Bike wiegt 600 Kilo und wurde 2024 für 106.000 Euro verkauft.

V8 mit rund 500 Kubik und Kompressor

2025 lässt Mirco Snaidero den legendären Galbusera V8 mit Kompressor neu aufleben, abermals einzigartig und mit dem zornigen Klang eines Hornissenschwarms. Der Kompressor ist nötig, da der Motor nach der Gleichstromspülung arbeitet und das Gemisch nicht im Kurbelgehäuse vorverdichtet wird.

Im Grunde besteht der V8 aus 2 V4-Motoren mit 2 Kurbelwellen, die zusammen um die 500 Kubik haben. Original leistete der Motor in den 1930er-Jahren um die 26 PS, bis zu 150 km/h waren drin.

Wie viel Leistung der aktuelle Motor hat, ist nicht bekannt, nur: Es dauerte 11 Jahre bis das Bike fertig war.

5 Zylinder mit 127,5 Dezibel

Aus 5 Motoren einer Puch Maxi baute Uwe Oltmann einen einzigen Motor. Die aufgebohrten 50er-Motoren messen zusammen gut 350 Kubik.

Interessant: Uwe hat die Motoren nicht alle direkt miteinander verbunden. Das untere Trio ist noch über eine Welle fest miteinander verbunden. Die beiden oberen Motoren dann jeweils per Zahnriemen mit den 3 unteren Motoren.

Ergebnis: 127,5 Dezibel, denn zum Fahren ist die Puch nicht gebaut. Nur zum Hören, wie hier im Video:

4 Zylinder mit 25 PS

Jüngster 2-Takter im Eigenbau bei MOTORRAD ist der Reihenvierzylinder von Domenic Lorenz. Aus 4 Simson-Motoren mit je 70 Kubik baute er einen. Dazu verbindet er alle 4 Kurbeltriebe mit einer eigenen Kurbelwelle direkt und erzeugt mit der ungewöhnlichen Zündfolge 1-2-3-4 von links nach rechts zusätzliche Aufmerksamkeit.

Zum Vergleich zündet ein Vierzylinder-Viertakter mit 180-Grad-Kurbelwelle im Sinne des Massenausgleichs 1-3-2-4.

So oder so: Das Bike hat eine Zulassung und um die 25 PS. Es wurde bereits verkauft, der Preis fällt unter die Geheimhaltung.

Fazit