Intermot-Neustart 2027: Interview mit IVM-Hauptgeschäftsführer

Intermot-Neustart 2027
Interview mit IVM-Hauptgeschäftsführer Uwe Seitz

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.03.2026
Als Favorit speichern
Intermot Messe 2024
Foto: Jörg Künstle

Uwe Seitz (55) ist seit 15.1.2026 neuer Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verband Motorrad Deutschland e.V. (IVM) und damit verantwortlich für die Intermot, deren ideeller Träger der IVM ist. Zuvor war Seitz seit 2021 Chefredakteur von MOTORRAD. Als solcher hatte er die Intermot, die 2024 und 2025 jeweils Anfang Dezember in Köln stattfand, kritisiert: Man brauche keine "weitere Regionalmesse!"

Unter Seitz’ Leitung hat der IVM nun überraschend die nächste Intermot zeitlich verlegt. Sie wird nicht, wie bisher geplant, Anfang Dezember 2026 stattfinden, sondern vom 19. bis 21. Februar 2027, weiterhin in Köln. Parallel zur Terminverschiebung hat der IVM angekündigt, das Angebot der Intermot von zuletzt zwei Messehallen wieder auf vier Hallen zu verdoppeln. Im Gegenzug wird die Messe nicht mehr vier, sondern nur noch drei Tage dauern.

Uwe, die Intermot hat mit den letzten zwei Ausgaben jeweils im Dezember viel Vertrauen verloren, zum Beispiel durch überzogen hohe Parkkosten von 20 Euro, und die Messe war klein, füllte kaum zwei Hallen. Wie kann der IVM als Träger der Intermot dieses Vertrauen wieder zurückholen?

Wir arbeiten extrem hart daran. Gleich eine kleine Korrektur: Parken kostete schon 2025 nur zehn, nicht mehr 20 Euro. Aber du hast natürlich recht, das Angebot bei den beiden Dezember-Ausgaben der Intermot war zu klein. Hintergrund war – das kann man ja jetzt so sagen –, dass vor allem die Zubehöranbieter mit dem Dezembertermin ein Problem hatten und entsprechend wenige dann auch vertreten waren.

Es waren aber auch nicht alle größeren Motorradhersteller da …

Richtig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Für das Gros der Motorradhersteller war der Dezembertermin eigentlich schon prima – sie hätten nach der EICMA alle ihre kommenden Modellneuheiten zeigen können. Aber am Jahresende gab es teilweise Budgetprobleme und andere hielten die Weihnachtszeit für ungeeignet. Wenn auch die Großen da waren.

Aber das war dem Publikum ganz offensichtlich zu wenig …

Offensichtlich, ja. Denn das große "Erlebnis Motorrad" hört ja nicht mit dem Motorrad allein schon wieder auf. Es reicht vom Stiefel über den Helm, die Reifen bis hin zum Schmiermittel. Was wir jetzt für die nächste Intermot im Februar 2027 schon versprechen können: Die "Erlebniswelt Motorrad" wird dann wieder eine umfassende sein. Der Zuspruch aller zum neuen Termin war entsprechend.

Das heißt, es werden alle Hersteller wieder vertreten sein? Auch KTM?

Nun, KTM ist durch die mittlerweile ausgestandene Insolvenz von 2024 in einer besonderen Situation. Dem neuen Februartermin hat aber auch KTM zugestimmt. Von BMW über Honda, aber auch Horex bis Zero haben die meisten schon eine klare Zusage gemacht. Pirelli als großer Reifenhersteller ist erstmals dabei. Wir als IVM vertrauen auf die Sogwirkung: Wenn die großen Player da sind, dann werden auch alle anderen kommen. Und übrigens auch Nicht-IVM-Mitglieder, die wir jetzt ganz aktiv ansprechen.

Wer wäre das zum Beispiel?

Spontan fallen mir da etwa CFMoto oder Niu ein. Die ganzen neuen Marken, die jetzt massiv in den Markt drängen.

Die sind auf den Frühjahrsmessen ja zum Teil schon recht gut vertreten. Und apropos Frühjahrsmessen: Denen und speziell der "Motorräder Dortmund" wird die Intermot im Februar 2027 heftig Konkurrenz machen. Ist diese Situation denn im Sinne der Motorrad-Hersteller?

Das Hersteller-Engagement auf der Intermot wird ein ganz anderes sein als auf den Regionalmessen. Wir als IVM, der wir 90 Prozent der Motorradbranche in Deutschland vertreten, müssen die Intermot wieder groß machen. Wir brauchen in Deutschland eine Leitmesse, um die gesellschaftliche Bedeutung der Branche allumfassend darzustellen. Auch und gerade der Politik gegenüber. Wir müssen darstellen, dass wir hier eine starke Branche mit über zehn Milliarden Euro Jahresumsatz und 150.000 Beschäftigten sind. Dafür braucht es ein starkes Signal, was eine regionale Frühjahrsmesse nicht liefern kann. Die letzte IMot in München war zwar durchaus erfolgreich, aber ein Markus Söder, um in Bayern zu bleiben, taucht da nicht auf. Da fehlt die Bedeutung, die wir der Intermot wieder geben müssen. Die Herausforderungen hinsichtlich Motorrad in der Zukunft sind groß.

Aber ein Kannibalisierungs-Effekt zwischen Köln und Dortmund droht ja trotzdem.

Das sehe ich nicht so. Wir haben den neuen Termin so gewählt, dass er nicht mit den Frühjahrsmessen wie Dortmund oder München kollidiert. Zudem wird die Intermot in Köln, wie gesagt, keine weitere Frühjahrsmesse sein, sondern eine echte Leistungsschau, eine Leitmesse, die wir brauchen. Es geht uns überhaupt nicht darum, andere Messen plattzumachen. Aber der Termin zum Frühjahr hin war für uns schlicht alternativlos.

Um noch mal auf das Angebot der Intermot für normale Motorradfahrer zurückzukommen: Vor nicht allzu langer Zeit hat ein gewisser Uwe Seitz in MOTORRAD für Köln "wieder mehr Brumm-Brumm" gefordert. Wird die nächste Intermot das denn bieten?

Ja, natürlich! Die Motorräder sollen gefahren werden! Sowohl indoor, also elektrisch, wie auch outdoor. Es gibt auf der Messe – wir gehen in ganz andere Hallen – ein dafür hervorragend geeignetes Freigelände mit einem Top-Belag und einem daran angeschlossenen überdachten Parc Fermé. Dort werden Probefahrten möglich sein.

Ist denn Köln als Intermot-Standort für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt?

Was ist schon für alle Ewigkeit? Aber im Ernst, wir haben Verträge mit Köln, die wir einhalten müssen.

Und wir lange laufen die?

(Lacht.) Sie enden jedenfalls nicht 2027 …

Fazit