Circa 77.000 supersportliche BMW S 1000 RR der 2. Generation (Typ K67) hat BMW von Januar 2019 bis Juli 2026 nach eigenen Angaben produziert und weltweit ausgeliefert. All diese Fahrzeuge sind demnächst von einer Rückruf-Aktion betroffen.
Insgesamt 77.000 BMW S 1000 RR ab Baujahr 2019
In den USA, wo die für Rückrufe zuständige Behörde NHTSA den neuesten Fall von BMW am 29.07.2026 veröffentlichte, sind 16.736 BMW S 1000 RR sowie deren Besitzer betroffen. In Deutschland sind es nach Werksangaben rund 7.000.
Problemzone: Zündschloss und Klemme 15
Aktuelle Problemzone der BMW S 1000 RR ist demnach das Zündschloss vom deutschen Zulieferer GKS (Teilenummer: 51257108720). "Anscheinend nicht robust genug konstruiert", so die US-Behörde NHTSA. Im Detail: die entscheidende Klemme 15 am Zündschloss, die den Pluspol von der 12-Volt-Bordbatterie zuschaltet, damit Strom im Bordnetz fließt. Umgangssprachlich vereinfacht: "Zündung eingeschaltet", hier nach Drehen des klassischen Zündschlüssels im Uhrzeigersinn.
Abnutzung und Vibrationen führen zu Wackelkontakt
Bei der BMW S 1000 RR (K67) handelt es sich um eine Klemme 15 im Kunststoffgehäuse am Zündschloss, bei der es offenbar auf Dauer zu mechanischer Abnutzung am elektrischen Kontakt kommen kann. Als Ursache stehen die hochfrequenten Motorvibrationen vom hochdrehenden, über 200 PS starken Reihenvierzylinder im Verdacht. Die Analyse hierzu ist im Werk noch nicht abgeschlossen.
Gefährliche Nebenwirkungen mit erhöhtem Sturzrisiko
Ein Wackelkontakt, also die kurzzeitige Unterbrechung des Stroms im Bordnetz der BMW S 1000 RR, kann diverse, auch gefährliche Auswirkungen haben: Absterben des Motors ohne Benzineinspritzung und Zündung sowie Ausfall des Displays und der Beleuchtung mitsamt Blinkern und Bremslicht. Auch die Funktion des ABS kann durch einen Wackelkontakt gestört werden und ausfallen. Nicht nur die US-Behörde NHTSA sieht hier ein "erhöhtes Sturzrisiko".
Bisher rund 300 Wackelkontakte bekannt
Nach Werksangaben sind bisher bei rund 300 BMW S 1000 RR derlei Wackelkontakte aufgefallen und dokumentiert, davon 10 Fälle in Deutschland. Laut US-Behörde NHTSA ist die Quote der betroffenen Fahrzeuge seit 2025 von unter 0,1 Prozent auf circa 0,5 Prozent gestiegen. Tendenz: weiter steigend, bedingt durch fortschreitenden Verschleiß der betreffenden Bauteile.
Bevorstehende Rückruf-Aktion für die BMW S 1000 RR, Typ K67
Deshalb läuft nun eine – vorerst freiwillige – Rückruf-Aktion für die BMW S 1000 RR (K67, ab Baujahr 2019) an. Da die Problemlösung sowie die Vorbereitung der Reparaturmaßnahmen noch nicht abgeschlossen sind, liegen bislang keine genauen Informationen zum zeitlichen Ablauf vor.
Keine Unfälle bekannt – bisher
Unfälle mit der BMW S 1000 RR sind in diesem Kontext bisher keine bekannt – und dabei soll es auch bleiben, deshalb erfolgt nun die Veröffentlichung des Themas mit möglichst zeitnah folgender Rückruf-Aktion.
Benachrichtigung betroffener Besitzer erst ab Mitte September 2026
Laut US-Behörde NHTSA ist die Benachrichtigung der Händler ab Ende Juli 2026 vorgesehen, die Benachrichtigung der betroffenen Fahrzeugbesitzer allerdings erst ab Mitte September 2026. Die zuständige Behörde in Deutschland, das KBA, hatte Ende Juli noch keine Informationen zu diesem Rückruf der BMW S 1000 RR veröffentlicht. Auf jeden Fall werden die Reparaturmaßnahmen für die Fahrzeugbesitzer kostenfrei sein.
Neue BMW S 1000 RR kommt 2027
Bereits wegen eines Wackelkontakts am Zündschloss reparierte BMW S 1000 RR werden die bevorstehenden Maßnahmen ebenfalls betreffen. Zudem die weiterhin produzierten Fahrzeuge – baldmöglichst. Dem Vernehmen nach sei erst für Mai 2027 der Produktionsbeginn der neuen, 3. RR-Generation geplant. Vorserien-Exemplare der neuen BMW S 1000 RR für 2027 waren im Juli 2026 kaum getarnt auf der Nürburgring-Nordschleife zu sehen.
BMW M 1000 RR und andere Modelle nicht von diesem Rückruf betroffen
Nach Werksangaben betrifft diese Rückruf-Aktion sowie die problematische Konstellation aus Zündschloss, Klemme 15, Motor-Vibrationen und möglichen Wackelkontakten nur die BMW S 1000 RR (K67). Andere Modelle sind demnach nicht davon betroffen, auch nicht die eng verwandte M 1000 RR. Antwort aus München auf die Nachfrage von MOTORRAD: "Die spezifische Belastung sowie das Anbindungskonzept unterscheiden sich bei den anderen Modellen zur BMW S 1000 RR. Wir sprechen im speziellen Fall bei der M 1000 RR von einem anderen Modell, das sich vom Motor, Rahmen-Fahrzeugaufbau und Anbindung des Zündlenkschlosses unterscheidet."












